Gelungene Software-Modernisierung bei der Hörmann KG

Generationswechsel im Fokus

Wie Hörmann – weltweit aktiver Hersteller von Toren, Türen, Zargen und Antrieben – ein schon viele Jahre bewährtes Anwendungspaket auf der Plattform IBM i erfolgreich modernisiert hat.

  • Andreas Strietholt ist Geschäftsführer der Task Force IT-Consulting GmbH

    Andreas Strietholt ist Geschäftsführer der Dortmunder Task Force IT-Consulting GmbH.

  • Das Hörmann-Werk in Werne

    Das Hörmann-Werk in Werne

  • Smart Control, Hörmann

    Durch die Informationen der Plattform Smart Control kann die Reparatur von Schnelllauftoren vor Ort gezielt unterstützt werden.

Hörmann ist mit über 100 eigenen Vertriebsstandorten in mehr als 40 Ländern und in über 50 weiteren Ländern durch Vertriebspartner vertreten. Im Markt der Bauelemente addieren sich heute Tore, Türen, Zargen und Antriebe zum Namen Hörmann - denn hier ist die Hörmann-Gruppe Europas führender Anbieter.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Jürgen Finger, Leiter der Abteilung, kam im Herbst 2017 zur Task Force nach Dortmund, um sich über moderne Entwicklungswerkzeuge zu informieren. Denn bei der Hörmann KG Werne befindet sich ein schon viele Jahre bewährtes Anwendungspaket auf der Plattform IBM i im Einsatz, das von drei eigenen Entwicklern im Kern unter RPG gepflegt wird und nun modernisiert werden sollte.

Ganz klar im Fokus stand für Finger das Problem Generationswechsel, das er auch mit Hilfe neuer Technologien lösen wollte. Gleichzeitig wollte er einen Weg finden, um die vorhandenen RPG-Programme mit Hilfe moderner Programmiersprachen, wie z. B. Javascript, zu ergänzen.

Schon nach den ersten Live-Präsentationen war ihm sehr schnell klar, in welche Richtung die neue Strategie gehen könnte. Von Task Force wurde dazu ein Entwicklungspaket aus den Tools CMOne, Profound-UI und Profound JS zusammengestellt, das zweierlei leisten sollte: Es sollte sowohl den älteren RPG-Entwicklern bei der täglichen Arbeit helfen als auch die Integration von neuen modernen Entwicklungsumgebungen ermöglichen. Allerdings schien die Aufgabe alles andere als einfach zu sein, hier sehr zeitnah eine vernünftige Lösung zu schaffen.

Anfang beim Change-Management

Da allerdings die Dortmunder Task Force über sehr viel Know-how für solche Problemsituationen verfügt, das sich in der Vergangenheit bereits bei anderen Kunden bewährt hat, war ein klar definierter Lösungsvorschlag schnell gefunden. Im ersten Schritt erfolgte die Integration des hauseigenen Change-Management in das System CMOne. Damit wurden nach der Installation gemeinsam mit dem Kunden die bestehenden Anwendungen von Hörmann konfiguriert. Dank des automatisch erstellten Integrationsberichtes wurden vorhandene Problemsituationen der aktuellen Umgebung sehr schnell erkannt und auch behoben.

Die Schulung der Entwickler wurde direkt auf dem Kundensystem bei Hörmann durchgeführt, so dass die Kollegen sich mit CMOne sofort in einer vertrauten Umgebung wiederfanden. Direkt nach der Schulung wurde die Entwicklung ausschließlich mit CMOne vorgenommen – und die alten und auch umständlichen Entwicklungs-Methoden ad acta gelegt.

Alle Entwickler haben sich sehr schnell an die neue Entwicklungsumgebung unter RDi eingelebt – auch wegen der Vorteile der Arbeit mit CMOne. Schon nach ein paar Tagen hat man bei Hörmann festgestellt, dass die Entwickler bei der täglichen Arbeit viel Zeit einsparen konnten. Nützliche Zeit, die jetzt für die eigentliche Entwicklung genutzt werden kann.

Der 2. Schritt: Eine moderne Oberfläche

Im zweiten Schritt folgte dann die Integration einer modernen Oberfläche unter Profound-UI. Nach der Installation wurde unter Genie, einem Profound-Tool für das 5250 Screen Refacing, ein „Skin“ für die browser-basierte Ausgabe des 5250-Datenstroms erstellt, der dann an das „Look & Feel“ von Hörmann angepasst wurde:

Anfangs noch selten genutzt wurde der Visual Designer, mit dem sich moderne Display-Files (Rich-DSPFs) erstellen lassen. Das war damit begründet, dass für die neue Technologie unter Javascript zunächst noch neues, junges Personal gesucht wurde.

Ein neuer junger Kollege mit Background bei Javascript und Node.js war für das erfahrene RPG-Team schnell gefunden – und auch hinsichtlich IBM i und den neu installierten Produkten auf seine neue Aufgabe vorbereitet. Durch den Einsatz von ProfoundJS hat man bei Hörmann ein elegantes Framework gewählt, um das Zusammenspiel von Javascript unter Node.js mit den vorhandenen ILE-Komponenten zu realisieren. Das Paket unterstützt alle IBM-i-Datentypen, Rich DSPFs, HTML-Oberflächen und zusätzlich es eine Integration in den Visual Designer.

Nach der kurzen Schulung- und Einführungsphase wurde bei neuen Projekten die Arbeit mit diesen Tools direkt aufgenommen. Im Bereich von Node.js kam es zwar Anfangs zu einigen kleinen Problemen, die aber in Zusammenarbeit mit Task Force und den Entwicklern von Profound Logic schnell gelöst wurden.

Einbindung neuer Technologien

Das gesamte Entwicklerteam in Werne hat mit der Einführung der neuen Tools die Arbeit mit dem althergebrachten PDM-Werkzeugen eingestellt und arbeitet seitdem mit der Eclipse-basierten Entwicklungsumgebung RDi, in die noch weitere Plug-ins, wie z.B. iSphere und Rapidfire, integriert worden sind.

Nunmehr steht also RDi im Mittelpunkt der Entwicklung bei Hörmann – und alle weiteren neuen Produkte wie CMOne, Profound-UI bzw. ProfoundJS sind darin eingebunden. Aus RDi heraus wird mit den neuen Produkten jetzt z. B. eine alte mit DDS beschriebene Datei in eine SQL-Tabelle umgewandelt – oder ein altes RPG-Programm im Fix-Format in modernes Free-Format konvertiert. Vorhandene DSPFs werden entweder mit Profound-UI zu einem browserbasierten Rich-DSPF transformiert – oder es werden direkt neue DSPFs für die Web2.0-Oberfläche erzeugt.

Der große Vorteil der UI-Suite von Profound Logic besteht darin, dass alle Komponenten direkt auf dem IBM-System Power i ganz klassisch in Bibliotheken zentral abgelegt werden und dass für den integrierten Apache-Webserver des Midrange-Servers eine Instanz im IFS-Folder unter WWW/ erstellt wird. Es sind also definitiv keine weiteren Komponenten erforderlich, die auf IBM i oder auf dem Client installiert werden müssten. Auf dem Client ist lediglich ein beliebiger Browser mit einem aktuellen Release-Stand erforderlich. Sämtliche RPG-Anwendung können unverändert über Genie im Browser angezeigt werden.

Da Node.js seit dem Betriebssystem-Release V6R2M0 auf IBM i zur Verfügung steht (seit V7R1M0 auch mit der Node.js Version 8), kann jetzt Javascript auch serverseitig elegant eingesetzt werden. So verfügt Hörmann nun über eine leistungsstarke Entwicklungsumgebung, in die sich auch weitere neue Technologien integrieren lassen. Über den Node Package Manager (NPM) oder aber auch Yum lassen sich sogar mehr als 1,1 Mio. fertige Pakete, wie z.B. Watson Visual Recognition oder IoT, als Open Source auf IBM i nutzen.

Umsetzung neuer Projekte

Neue Projekte werden bei Hörmann heute grundsätzlich mit den neuen Tools umgesetzt. Ein Beispiel hier ist das Projekt ‚Normzargen-Linie‘. In diesem Projekt geht es fachlich um die Erzeugung produktionsrelevanter Daten in Echtzeit. Zur Überwachung dieser neuen Prozesse wurde ein Dashboard entwickelt, welches alle Daten in graphischer Ansicht zusammenstellt und dies den Anwendern in einer bislang nicht vorhandenen Sichtweise präsentiert.

Der IT-Leiter Jürgen Finger hat mit diesem Modernisierungskonzept das Generationsproblem in den Griff bekommen. „Die Integration sämtlicher Komponenten war sehr reibungslos“, sagt Finger. „Unsere Entwickler können heute deutlich schneller reagieren und dabei zeitgleich eine bessere Qualität abliefern. Wir sind gut gerüstet für die Zukunft.“ Mit dem eingeführten Produktpaket habe man eine solide Grundlage für die Softwareentwicklung geschaffen. Es wurde außerdem ein weiterer Programmierer für Javascript auf IBM i eingestellt. Klar ist jetzt: Sämtliche Programme für die Datenerzeugung der Fertigungsprozesse werden in den nächsten beiden Jahren komplett auf diese Technologie umgesetzt.

Bildquelle: Hörmann / Task Force II

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