Ufenau Capital Partners erwirbt Mehrheit am ERP-Hersteller für den Versandhandel

Gesellschafterwechsel bei Mac IT-Solutions

Der Investor Ufenau Capital Partners kauft – vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamtes – die Mehrheit an der Flensburger Mac IT-Solutions GmbH. Das ist ein 2002 aus der Insolvenz des IBM-Partners Datasave hervorgegangener Hersteller von ERP- und CRM-Software für den Online- bzw. Versandhandel, der mehr als 120 Menschen an den Standorten Flensburg, Hamburg und Kiel beschäftigt. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

  • Bleiben im Amt: Die beiden Geschäftsführer von Mac IT-Solutions, Nicole Wehner (bereits seit 2001 im Unternehmen) und der langjährige Gesellschafter Dirk Wieland.

  • Bildquelle: Steve Buissinne / Pixabay

Erst zu Jahresbeginn hatten Geschäftsführer Dirk Wieland und Dagfinn Aarskog die Flensburger Mac IT-Solutions GmbH im Zuge eines Management-Buyouts von den bisherigen Investoren (u.a. der Tengelmann Ventures GmbH) übernommen. Jetzt erfolgt die Rolle rückwärts. Unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden erwirbt der Schweizer Investor Ufenau Capital Partners über eine mittelbar kontrollierte Erwerbsgesellschaft eine Mehrheit der Anteile an dem E-Commere-Experten, der 1981 unter dem Namen Datasave in Hamburg gegründet worden war.

„Im gleichen Zuge beteiligen sich die bisherigen Gesellschafter der Mac Dagfinn Aarskog und Dirk Wieland, mit einer signifikanten Minderheit an der Erwerbsgesellschaft“, heißt es heute in einer Pressemitteilung. Der E-Commerce-Markt sei hoch dynamisch und im starken Maße geprägt von der technologischen Entwicklung. Deshalb hätten bereits im Mai die ersten Gespräche mit der Ufenau stattgefunden.

Fokus auf das fragmentierte Microsoft-Umfeld

Ziel des neuen Investors ist es, mit Mac IT-Solutions als Nukleus eine neue Gruppe komplementärer IT-Unternehmen aufzubauen, „die sich durch eine nachhaltige Unternehmenskultur auszeichnen und im stark fragmentierten Microsoft-Umfeld tätig sind“. Heute betreut Mac über 100 Versandhandelsunternehmen in 13 europäischen Ländern, die mit Softwarepaketen wie Mailplus (auf der Plattform IBM i) oder Diva (auf Basis von Microsoft Dynamics Nav). Die Geschäftsführung der Flensburger Software-Schmiede bleibt unverändert – und nennt das Engagement von Ufenau eine „Chance“, denn:

  • Ufenau habe viel Erfahrung beim Aufbau von Gruppen, beherrsche die Technik zum Aufbau einer entsprechenden Plattform und verfüge über die notwendigen finanziellen Ressourcen.

  • Mac sei in der Branche etabliert und entwickele seit vielen Jahren erfolgreich Projekte und Produkte auf Basis der verschiedenen Microsoft-Technologien.

  • Das technische und branchenspezifische Know-how der Mitarbeiter sei ein wesentlicher Aspekt bei der weiteren Entwicklung und dem Ausbau des Teams.

  • Im Zuge des Gruppenaufbaus sollen weitere Kompetenzen hinzukommen, so dass die Kunden eine umfassendere Zusammenarbeit bei der Entwicklung Ihrer IT-Plattform erwarten könnten.

Im Umkehrschluss heißt das: Es fehlten Geld, Manpower und Kompetenzen in manchen Feldern des hochdynamischen Marktes für E-Commerce-Software, um wirklich nachhaltig und schnell genug wachsen zu können. Von Mailplus und der IBM-Partnerschaft ist in der Presseinformation nicht die Rede.

Langfristige Partnerschaften im E-Commerce

„Eine nachhaltige und langfristige Partnerschaft mit unseren Kunden und Partnern ist uns wichtig“, heißt es aber auf der Homepage. „Ein E-Commerce-Backend bzw. ein ERP-System im Versandhandel ist das technologische Herzstück eines E-Commerce- oder Omnichannel-Unternehmens. Wenn dieses System nicht stabil und performant läuft, haken die Prozesse im Unternehmen. Durch Probleme in der Debitorenbuchhaltung, der Logistik oder im Kundenservice kann es dann schnell zu unzufriedenen Endkunden kommen.“

Dieser Verantwortung sei man sich bei Mac bewusst – und habe seit mehr als 25 Jahren immer sowohl das große Ganze als auch das kleinste Detail im Blick. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sei Mailplus: Vor über 30 Jahren als Versandhandelssoftware auf der AS/400 konzipiert und stetig weiterentwickelt, sei sie im deutschen Markt die „Mutter aller Versandhandelslösungen“ – und der funktionale Vorreiter von Diva. Man entwickele nach wie vor mit den Anwendern marktrelevante Funktionen; so konnte man schon mit Versandhandelskunden wie jpc, Gudrun Sjöden, hess Natur, Orion oder dem Versandhaus Walz „Silberhochzeit“ feiern. Man darf gespannt sein, wie Mac unter der Regie mit dieser Verantwortung umgeht.

„Ich bin selbst überrascht, wie schnell wir mit dem Team von Ufenau ein gemeinsames Verständnis für den Aufbau einer Gruppe von Unternehmen aus dem Microsoft-Umfeld herstellen konnten“, wird Dirk Wieland in der Presseinformation zitiert. „Die gesamten Verhandlungen waren geprägt von einem hohen Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Die Chance, nun gemeinsam mit Ufenau, weitere Unternehmen von unserer Gruppe und den damit verbundenen Möglichkeiten zu überzeugen und zu begeistern, ist mehr als reizvoll. Gerade in einem Umfeld, in dem unser Technologiepartner Microsoft eine sehr hohe Dynamik bei der Entwicklung neuer Technologien und Tools zeigt und zugleich mehr Fokus auf die Größe der Partner legt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Start der Gruppe.“

Schwenk in Richtung Wachstumskurs geplant

Der neue Gesellschafter strebt für Mac IT-Solutions in den kommenden Jahre Wachstum an; seit langem stagniert die Zahl der Kunden bei gut hundert Unternehmen. „Mac hat sich eine hervorragende Marktposition im stark wachsenden und zukunftsträchtigen E-Commerce und Omnichannel-Sektor erarbeitet“, ergänzt Dieter Scheiff, Managing Partner bei Ufenau. Mit der Reputation, dem technischen sowie Branchen-Know-how der Mitarbeiter und der Firmenkultur sei „Mac der ideale Nukleus für den Aufbau einer Gruppe im stark fragmentierten Microsoft-Umfeld.“

Ufenau Capital Partners, eine Schweizer Investorengruppe mit Sitz am Zürichsee, ist fokussiert auf Mehrheitsbeteiligungen an gesunden Dienstleistungsunternehmen mit 10 bis 150 Mio. Euro Umsatz im deutschsprachigen Raum, die in den Bereichen Business-Services, Bildung & Lifestyle, Healthcare und Finanzdienstleistungen aktiv sind. Dabei wird neben einer klaren Zukaufstrategie ein aktiv Mehrwert schaffender Investmentansatz auf Augenhöhe mit den Unternehmern und Management-Teams verfolgt. In Deutschland hat Ufenau zuvor bereits die Softwarehäuser Matrix. Ikor und Inegr8 übernommen.

Fusionskontrollverfahren beim Bundeskartellamt

Bekannt wurde die geplante Übernahme am 22. Oktober durch die Einleitung eines Fusionskontrollverfahrens beim Bundeskartellamt unter dem Aktenzeichen B7-187/20. Die Behörde hat danach einen Monat Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen. Erweist sich das Fusionsvorhaben als unproblematisch, gibt die Beschlussabteilung den Zusammenschluss vor Ablauf der Monatsfrist formlos frei. Hält die Beschlussabteilung dagegen eine weitere Prüfung für erforderlich, wird ein förmliches Hauptprüfverfahren eingeleitet – und die Frist für die Prüfung des Vorhabens verlängert. Das Bundeskartellamt muss bei Durchführung eines Hauptprüfverfahrens innerhalb von vier Monaten ab Eingang der vollständigen Anmeldung entscheiden.

Bildquelle: Steve Buissinne / Pixabay, Mac IT-Solutions

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