Neues Angebot der IBM namens „Power Systems für Google Cloud“

Google mit IBM i in der Cloud startklar

Im vergangenen Jahr wurden für IBM-i-Anwender verschiedene Wege in die Cloud gebahnt, die allmählich auch in Deutschland gangbar werden. So hat nicht nur die IBM selbst ihr neues Angebot „Power Systems Virtual Servers on IBM Cloud“ im Frankfurter Cloud-Rechenzentrum verfügbar gemacht – mit Google und Microsoft warten auch zwei weitere Schwergewichte der Branche mit Power i in ihren Clouds auf.

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  • Kevin Ichhpurani, Google Cloud

    Kevin Ichhpurani, Corporate Vice President für das Global Ecosystem bei Google Cloud, will Enterprise-Workloads wie SAP und Oracle auf IBM Power-Servern in die Cloud bringen.

Unternehmen, die auf die Cloud setzen, um ihre vorhandene Infrastruktur zu modernisieren und ihre Geschäftsprozesse zu optimieren, haben viele Möglichkeiten. An einem Ende des Spektrums stellen einige Unternehmen komplette Legacy-Systeme neu auf, um mit ihrer IT vollständig in die Cloud zu gehen. Das ist kostspielig, zeitraubend und riskant – denn die Umstellung kann auch schief gehen.

Mit den bewährten Anwendungen in die Cloud

Wenn IBM-i-Anwender ihre vorhandene Infrastruktur aber weiter nutzen wollen, ohne auf das flexible Verbrauchsmodell der Cloud, ihre Skalierbarkeit und die Fortschritte in Bereichen wie KI oder Analyse zu verzichten, können sie ihre Power-System jetzt auch als Teil der Google Cloud Platform (GCP) betreiben. Das kündigte gestern jedenfalls Kevin Ichhpurani an. Als Corporate Vice President für das Global Ecosystem bei Google Cloud verantwortlich, können demnach Google-Kunden ihre Power-Systeme als Service in der Google Cloud nutzen - unabhängig davon, ob sie dafür als Betriebssystem AIX, IBM i oder Linux verwenden.

Allerdings wird bisher nur AIX unterstützt; IBM i soll bis zum Sommer folgen. Eine „Starter Cloud“ (16 Cores, 160 GB RAM und 12 TB Storage) kostet 7.500 Dollar/Monat, die „Small Cloud“ (36 Cores, 768 GB RAM und 72 TB Storage) 27.000 Dollar/Monat.

„Insbesondere für Unternehmen, die eine Hybrid-Cloud-Strategie verwenden, sind IBM Power Systems ein wichtiges Tool“, schreibt Ichhpurani in seinem Blog-Beitrag. „Aufgrund ihrer Leistung und Fähigkeit, geschäftskritische Workloads wie SAP-Anwendungen und Oracle-Datenbanken zu unterstützen, haben Unternehmenskunden ständig nach Optionen gesucht, um IBM Power Systems in der Cloud auszuführen.

IBM Power Systems für Google Cloud bietet genau diesen Weg und bietet das Beste aus der Cloud und der Welt vor Ort. Sie können Enterprise-Workloads wie SAP und Oracle auf den IBM Power-Servern ausführen, denen Sie vertraut haben – und gleichzeitig alle technischen Funktionen und die günstigen wirtschaftlichen Vorteile nutzen, die Google Cloud bietet.“ Dieses neue Angebot ermöglicht die Bereitstellung von Power-i- und zugehörigen x86-Workloads in der Cloud mit Diensten aus der GCP für Speicherung, Netzwerkbetrieb, x86-Computing und Analyse. Eine echte Cloud-Lösung, die von einem Tier-1-Cloud-Anbieter bereitgestellt wird.

Service der IBM, abgerechnet über Google

Für dieses neue Angebot der IBM namens „IBM Power Systems für Google Cloud“ hat Google in seinem Cloud-Rechenzentrum US-East 4 in Nord-Virginia S922-Server installiert – und verkauft Zugriff auf Slices von IBM-i-, AIX- und Linux-Systemen, die auf PowerVM laufen. GCP-Kunden können ihre IBM-i-Umgebungen dann nach Bedarf über eine Webkonsole, eine API oder eine Befehlszeilenschnittstelle erweitern und verkleinern, genau wie bei X86-Workloads. IBM übernimmt die Wartung der gesamten Hardware, Firmware und Systemsoftware im Google-Rechenzentrum verantwortlich, während der Kunde für die Wartung der Anwendungen und aller Tools oberhalb der Betriebssystemebene verantwortlich ist, sagte Carl Burnett, ein Ingenieur der Power-Systems-Softwaregruppe bei IBM, in auf der Google Next 2019 im April (Video hier).

Für Power-Systeme in der Google Cloud listet Ichhpurani neben Skalierbarkeit und flexiblen Verbrauchsmodellen folgende Vorteile auf:

  • Integrierte Abrechnung: Unternehmen können die Lösung über den Google Cloud Marketplace bereitstellen und die integrierte Cloud-Abrechnung nutzen. Dies bedeutet, dass dieses Angebot wie jeder anderer Google Cloud-Dienst nutzbar ist – und am Ende eine einheitliche Rechnung von Google Cloud stehen kann.

  • Privater API-Zugriff: Mit der Private.API-Access-Technologie von Google Cloud können die Anwender „privat“ auf Google-Cloud-Ressourcen zugreifen. Gleichzeitig können alle Power-Ressourcen (LPARs) vom Kunden ausgewählte private IP-Bereiche verwenden. Das ist laut Google-Manager Ichhpurani „vom Design her sicher“ und sorge für eine geringe Latenz bei der Kommunikation zwischen den IBM-Servern und den virtuellen Maschinen der Google Compute Engine. So eine Lösung bietet Google bisher mit keinem anderen Partner an.

  • Integrierter Kundensupport: Google Cloud verwaltet den Kundensupport – und bietet einen Ansprechpartner für alle Probleme.

  • Schnelle Bereitstellung: Eine neue Verwaltungskonsole soll die Einführung und Bereitstellung der Lösung beschleunigen.

Erste Unternehmenskunden, darunter führende Energie- und Einzelhandelsunternehmen, haben laut Ichhpurani bereits begonnen, ihre Infrastruktur mit diesem neuen Angebot zu modernisieren. Damit setzt sich der Trend zu Angeboten von IBM i als Service aus der Public Cloud fort. Microsoft bringt IBM i gemeinsam mit dem US-Partner Skytap auf Azure. Bei diesem neuen IaaS-Cloud-Paket verwaltet Microsoft Power-Server der Baureihe S922 mit zwei Sockets in einem Azure-Rechenzentrum an der Ostküste der USA, während das Softwarehaus Skytap für den Firmware- und Systemsoftware-Stack zuständig ist.

Außerdem hat IBM das eigene Angebot „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“, das im Sommer vergangenen Jahres zunächst in Nordamerika in den eigenen Cloud-Rechenzentren“ Dallas und Washington gestartet worden war, Anfang Dezember auch in Europa aus der IBM Cloud verfügbar gemacht – und zwar aus dem IBM-Rechenzentrum Frankfurt.

Power-Clouds auch von Google und Microsoft

So wie die Cloud-Provider Unternehmen davon überzeugen wollen, auf ihre Plattform umzusteigen, müssen sie diesen Unternehmen auch eine Option anbieten, auch die Teile der vorhandenen IT-Infrastruktur und deren Workloads zu optimieren, die nicht einfach ersetzt oder in die Cloud migriert werden können. Werden dieser Workloads auf Power-Systemen ausgeführt, war – abgesehen von lokalen Systemhäusern – IBM im Wesentlichen der einzige Anbieter, der Cloud-basierte Power-Systeme anbot. Jetzt steigen jedoch auch Google und Microsoft in diesen Markt ein. Man darf gespannt sein, ob Marktführer Amazon diesem Beispiel auch noch folgt.

Die Bereitstellung der Power-Systeme in Form von „Infrastructure as a Service“ in der Cloud passt offensichtlich gut in die Zeit, da viele Unternehmen IBM i (aber auch AIX oder Linux auf Power) als performante, stabile und sichere für kritische Workloads verwenden, die z.B. auf SAP- oder Oracle-Anwendungen und -Datenbanken basieren. Mit flexiblen IaaS-Services können diese Unternehmen ihre IT-Infrastruktur und ihr IT-Team entlasten und Workloads langsam in die Cloud verschieben, ohne ihre Anwendungen und Infrastruktur neu entwerfen zu müssen.

IaaS-Service wohl kein Schnäppchen

Googles neuer IaaS-Service richtet sich an Geschäftskunden; eine Preisliste für IBM i wurde bisher nicht veröffentlicht. Angesichts der Kosten für Power-basierte Server und der Preis für die AIX-Clouds ist es aber unwahrscheinlich, dass Schnäppchenjäger hier Beute machen. Außerdem wird dieser Service bisher nur durch ein einziges Google-RZ erbracht; ein zweites Rechenzentrum wird derzeit dafür vorbereitet.

Weil IBM eigene Cloud-Angebote unterbreitet, scheint es sehr seltsam, dass der Serverhersteller mit Google zusammenarbeitet, um seine Systeme in eine wettbewerbsfähige Cloud zu bringen – anstatt den Kunden mehr davon zu verkaufen. Vielleicht ist die enge Zusammenarbeit der beiden Konzerne in der 2013 gegründeten Open Power Foundation ein Motiv die neue Partnerschaft – oder Googles Entwicklung eigener Power-Server im Projekt „Zaius“.

Für Google Cloud ist die Zusammenarbeit aber auch aus einem anderen Grund sehr sinnvoll, da man als Nr. 3 im Markt Aufgabe hat, mehr geschäftliche Workloads auf seine Plattform zu bringen. Jedes Hindernis, das das Unternehmen beseitigen kann, wirkt sich nachteilig aus. Weil sich offenkundig viele Unternehmen mit ihrer Power-Plattform wohl fühlen, ist es wahrscheinlich, dass auch noch andere Workloads darauf betrieben werden. Dann kann die Skalierung in die Cloud helfen. Das hat auch Microsoft erkannt – geht auf dem Weg dahin aber nicht den Weg einer Partnerschaft mit IBM, sondern setzt auf den kleinen IBM-i-Experten Skytap. Wann dieses Angebot Europa oder Deutschland erreicht ist noch nicht bekannt; Microsoft hat entsprechende Anfragen von DV-Dialog bisher nicht beantwortet.

Bildquelle: Braden Collum/Unsplash, Google

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