Neuer Vorsitzender des Abas-Aufsichtsrats ist Christoph Löslein (51), Vorstand der auf Firmenverkäufe und -akquisitionen spezialisierten Board Advisors Deutschland AG.
Generationswechsel bei der Abas Software AG: Nach 37 Jahren an der Firmenspitze übergab Werner Strub (links) zum Jahreswechsel den CEO-Posten an Baris Ergun.
Die Mitglieder im Aufsichtsrates, zu denen auch Strub gehört, bringen Know-how mit – in den Schlüsselkompetenzen Digitalisierung, Mergers & Acquisitions, Expansion und Cloud-Business. Die Mission: Substantielles Wachstum durch den Einsatz neuer Technologien und zukunftsfähiger Geschäftsmodelle.
Vorsitzender des Aufsichtsrats ist überraschenderweise nicht Strub, sondern der Berater Christoph Löslein (51), Vorstand der auf Firmenverkäufe und -akquisitionen spezialisierten Board Advisors Deutschland AG. Löslein war bereits federführend an der Akquisition eines US-Vertriebspartners durch Abas beratend tätig. Löslein hat aber durchaus auch Erfahrung mit Unternehmensverkäufen; hier liegt auch der Schwerpunkt der Aktivitäten von Board Advisors.
Abas ist sogar eine der Referenzen von Board Advisors; Strub wird auf der Homepage wie folgt zitiert: „Board Advisors begleitete uns erfolgreich durch einen professionell geleiteten Strategieprozess. Von dem Ergebnis waren wir sehr begeistert. […] Für ein mittelständisches Softwareunternehmen wie Abas war und ist Board Advisors der perfekte Partner.”
Neben Löslein wird der Aufsichtsrat durch Gerrit Pohl (44), Jürgen Rottler (51), die beiden langjährigen Aufsichtsratsmitglieder und Abas-Mitarbeiter Stefan Dannemann und Oliver Klemm sowie Werner Strub besetzt. Gerrit Pohl ist aktuell Chief Digital Officer beim ADAC; er verantwortete zuvor den Bereich „GTM Cloud Innovation“ bei Microsoft.
Rottler leitete über viele Jahre das weltweite Services- und Cloud-Geschäft bei Oracle, wo er als Vorstand direkt an Oracle-Gründer Larry Ellison berichtete. Der Deutsch-Amerikaner war auch maßgeblich an der Integration und Akquisition von mehr als 60 Unternehmen durch Oracle beteiligt. Peter Forscht, COO und Mitbegründer von Abas, gehört dem Gremium nur noch als Stellvertreter an.
Die Neubesetzung des Aufsichtsrats geht einher mit einer neuen Unternehmensstrategie des internationalen Management-Teams um den zu Jahresbeginn angetretenen neuen CEO Baris Ergun. Diese Strategie umfasst, neben dem funktionellen Ausbau des eigenen ERP-Portfolios, die Umsetzung kollaborativer Geschäftsmodelle für eine weltweite Developer-Community sowie neue Technologieangebote für die digitalisierte Fertigung.
Schon heute stellen die Karlsruher, deren Software mehr als 3.600 Kunden mit rund 100.000 Anwendern einsetzen, ihre ERP-Anwendungen in mehreren Cloud-Varianten bereit, unter anderem als hybride oder Full-Cloud. Gegründet 1980, ist Abas organisch auf heute über 1.100 Mitarbeiter in 27 Ländern gewachsen und weltweit expandiert. Ohne Investoren, aus eigener Kraft.
In den 1980er Jahren legten Werner Strub und ein mehrköpfiges Gründerteam aus anfänglich zwei Unternehmen das Fundament für den auf das produzierende Gewerbe spezialisierten ERP-Anbieter. Seiner Maxime entsprechend setzt abas auf gesundes Wachstum und eine traditionell hohe Eigenkapitaldecke.
Auch die Internationalisierung gelang, ohne Fremdkapital, aus dem Cashflow. So schafften die Karlsruher schon frühzeitig den Sprung in die USA, nach Indien, China und in weitere Länder. Es sind die Kunden des Karlsruher Softwareherstellers – meist mittelständische Industrie-unternehmen in Maschinen- und Anlagenbau, Automotive sowie Serien- und Einzelfertiger im Allgemeinen – die das ERP-System auch im Ausland einsetzen.
Auffällig ist im übrigen, dass sowohl der neue CEO Ergun wie auch der als Nachfolger von Vertriebsvorstand Mario Raatz geholte Marc Hirtz von Pitney Bowes zu Abas kamen; dieser Technologiekonzern hat gerade erst eine Reihe „strategischer Alternativen“ geprüft und sich gegen einen Verkauf des Unternehmens entschieden, um den Mehrwert für die Aktionäre zu steigern. Gerade erst hat Pitney Bowes seinen Geschäftsbereich für Produktion, Druck und Versand von Postsendungen verkauft.
Bildquelle: Abas