Prognosen sind schwierig!

Guten Rutsch ins neue Jahr

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen Guten Rutsch und einen perfekten Start ins Neue Jahr. Mit den an dieser Stelle üblichen Prognosen halten wir uns vornehm zurück, weil die in aller Regel in die Hose gehen. Und weil auch wir es nicht besser wissen als die Marktanalysten, Börsengurus, Wissenschaftler und Marketingstrategen, die sich immer wieder daran versuchen.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ – so lautet ein beliebtes Bonmot, das Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben wird. Das konterte der Informatiker Alan Kay pragmatisch: „Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, die Zukunft zu erfinden“. Kay, einer der Pioniere der Objektorientierten Programmierung, war für Firmen wie Xerox, Apple, HP und Walt Disney tätig, nicht aber für IBM.

Als Gestalter des „Smarter Planet“ fühlt sich Big Blue aber dennoch der These des Pragmatikers Kay verpflichtet – und hat kurz vor Weihnachten bereits zum siebten Mal seine alljährlichen „5 in 5“ veröffentlicht. Das sind fünf Prognosen zu innovativen Technologien, die innerhalb von fünf Jahren allgegenwärtig sein sollen.

Die Neue Zürcher Zeitung spöttelt: Opens external link in new window„Wir basteln uns eine Zukunftsprognose”. Dieses Jahr stellt IBM dabei die fünf Sinne im Mittelpunkt. So wird erwartet, dass haptische Technologien virtuelle Objekte fühlbar machen, Computer in einigen Jahren Information in Bildern sehen und trotz Umgebungsgeräuschen wichtige Dinge hören können. Auch schmecken und riechen sollen gängige Funktionen werden.

Das hört sich gut an, ist aber kaum zu glauben. So wie man besser 2006 nicht an die „5 in 5“-Prognosen geglaubt hat, die sich auch heute noch gut anhören, aber gleichfalls wohl kaum in den nächsten fünf Jahren nicht Wirklichkeit werden. Als da waren:

1. Wir haben Zugang zu unseren Gesundheitsdaten, von überall auf der Welt

Schön wäre es, vor allem wenn das zuverlässig und sicher funktionieren würde

2. Sprachübersetzung in Echtzeit ist Realität

Wer Google Translate nutzt, kennt die Wahrheit.

3. Internet in der dritten Dimension

Inspiriert vom Spiel Second Life, von dem lange keine Rede mehr ist, hatten die IBM-Entwickler 2006 die Vision, dass sich das Internet bis heute zu einer 3D-Welt entwickeln würde. Noch ist es platt wie eine Flunder.

4. Technologien im Nanomaßstab verbessern die Umwelt

Nanotechnologien sind in den Labors stecken geblieben.

5. Unsere Mobiltelefone können unsere Gedanken lesen

Dass diese Vision auch in den Vorhersagen von 2011 wieder auftauchte, zeigt deutlich, dass auch hier die Entwicklung der Prognose noch hinterherhinkt. 2016 soll aber allein schon der Gedanke daran reichen, die Liebste oder den Chef anrufen zu wollen – und schon wählt das Telefon die Nummer.

In den nächsten Jahren will IBM Computer und Smartphones mit einfachen sensorischen Fähigkeiten ausstatten, besagen die aktuellen „5 in 5": 

1. Berührung: Touchscreens ermöglichen es Konsumenten, die Struktur eines Materials über einen Bildschirm zu ertasten. IBM-Forscher arbeiten heute schon an Berührungssensoren und Infrarottechnologien, mit denen zum Beispiel Online-Shopping „fühlbarer" gemacht werden kann.

2. Sicht: Bilderkennung wird sich kontinuierlich weiterentwickeln. Wo bisher noch Menschen zur Interpretation von Bilddaten gebraucht werden, kommen in Zukunft verstärkt Computersysteme zum Einsatz, die selbstständig interpretieren, was die visuellen Daten darstellen.

3. Hören: Auch die akustischen Fähigkeiten von IT-Systemen werden zunehmen. Geräusche, Vibrationen oder einfache Druckwellen erzeugen Daten, die Computer bald selbstständig interpretieren und „übersetzen“ können: Verändern sich die akustischen Signale aus dem Erdreich an einem Berghang und kündigen einen Erdrutsch an? Was will uns ein Kleinkind mitteilen, wenn es vor sich hin brabbelt?

4. Geschmack: Informationstechnologie wird zum Ernährungsberater. Zukünftig werden Geräte mit entsprechender Software in der Lage sein, Geschmacksrichtungen zu erkennen, deren Zusammensetzung zu analysieren und zu verstehen, warum wir manches mögen und manches nicht. Das kann dabei helfen, gesundes, aber nicht immer schmackhaftes Essen zu verbessern oder kreatives Kochen mit ungewöhnlichen, aber gesunden Zutaten zu unterstützen.

5. Geruch: IT-Systeme werden durch die Analyse von Gerüchen selbstständig Luftverschmutzung oder Kontaminierungen des Bodens frühzeitig erkennen. Smartphones werden unseren Gesundheitszustand mit Hilfe von Sensoren, die unsere Atemluft analysieren, überwachen.

Also nehmen Sie diese Prognosen bitte als das, was sie sind: Viel Marketing und etwas Unterhaltung. Wir halten  uns wie gesagt lieber vornehm zurück – und können dann am nächsten Sylvester die IBM-Prognosen von 2007 genauer unter die Lupe nehmen. Denn dann betreffen auch diese Prognosen nicht mehr die Zukunft – was es uns leicht macht.

www.ibm.de

Bildquelle:Gerd Altmann / Pixelio.de

Die aktuellen „IBM 5 in 5” auf Youtube

Presseinformation: IBM's jährliche 5 in 5 kurz vor Weihnachten - Willkommen im Zeitalter der so genannten Cognitive Systems

Pressemappe „IBM 5 in 5” (englisch)

Neue Zürcher Zeitung: Wir basteln uns eine Zukunftsprognose

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