Großes Interesse an Praxisbeispielen der vernetzten Industrie

Hannover Messe mit Besucherrückgang

Heute schließen nach fünf Tagen die Pforten der Hannover Messe und der begleitenden Logistikmesse Cemat. Dort informierten sich nach Angaben des Veranstalters unter dem Leitthema „Integrated Industry – Connect & Collaborate“ 210.000 Menschen bei insgesamt 5.800 Ausstellern; im Vorjahr kamen noch 225.000 Menschen und rund 6.500 Aussteller. Die nächste HMI findet vom 1. bis 5. April 2019 statt; das Partnerland ist dann Schweden.

  • Diesmal war es nicht der traditionelle Händedruck. Zur Begrüßung eines Roboters auf der Hannover Messe wählten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mexikos Präsident Peña Nieto eine lässigere Variante: die Ghettofaust. Ein Sinnbild für einen unverkrampften Umgang mit der Digitalisierung, Robotern und maschinellem Lernen.

  • Messechef Dr. Jochen Köckler anläßlich der Vertragsunterzeichnung mit Schweden, dem Partnerland der Hannover Messe 2019

  • Bitkom-Präsident Achim Berg: „Sind mitten in der vierten industriellen Revolution!“

Vernetzte Maschinen, das Internet of Things und Big Data: Die Hannover Messe zeigte in dieser Woche wieder, wie Industrie und Internet zusammenwachsen können. Rund 5.800 Aussteller aus mehr als 75 Ländern haben auf der weltweit größten Industrieschau fünf Tage lang den aktuellen Stand in Sachen Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen präsentiert.

„Technologie ist Assistenz und nicht Konkurrenz für den Menschen. Das ist die Kernbotschaft dieser Messewoche, die einmal mehr gezeigt hat, dass Hannover der globale Hotspot für die digitale Transformation der Industrie ist“, sagte Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG, zum Abschluss der Messe. „Hierbei steht der Mensch im Mittelpunkt: Er ist Entscheider und Impulsgeber. Im Zusammenspiel mit der Maschine und der IT entsteht ein enormer Wettbewerbsvorteil in Produktion, Logistik und Energiewirtschaft.“

„Die Hannover Messe hat der Industrie 4.0 zusätzlichen Schwung gegeben. Der Begriff bestimmt schon seit einigen Jahren die Schlagzeilen. In Hannover wurde gezeigt, dass die Visionen der vernetzten Produktion jetzt Realität werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir befinden uns mitten in der vierten industriellen Revolution. Industrie und IT gehören mehr denn je zusammen – das wurde in Hannover greifbar.“

Die zweite Stufe zünden

Themen wie Machine Learning, Künstliche Intelligenz, industrielle IT-Plattformen, der Ausbau der Stromnetze für Elektromobilität, der Einsatz von Robotik und autonomen Systemen in Produktion und Intralogistik sowie die Rolle des Menschen in der vernetzten Fabrik wurden intensiv diskutiert und an den Ständen gezeigt. „Die Unternehmen haben die ersten Schritte auf dem Weg zur digitalisierten und vernetzten Produktion erfolgreich genommen und sind jetzt dabei, die zweite Stufe zu zünden“, meint Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA.

„Neue Geschäftsmodelle auf Plattformen, der Einsatz von ‚digital twins‘ oder erste Erfahrungen mit Machine Learning – all dies wird im Maschinenbau eine immer bedeutsamere Rolle spielen“, sagte Brodtmann. Er zeigte sich mit der Messe „sehr zufrieden“ und erwartet, dass das Zusammenwachsen von Automation, Software und Intralogistik die Hannover Messe „weiter prägen“ werde. Vom Erfolg der Premiere der neuen Cebit im Juni könnte es bereits abhängen, ob das 1986 aus der HMI ausgelagerte „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrt.

Dass IT und Maschinenbau weiter zusammenwachsen, industrielle IT-Plattformen und andere neue Geschäftsmodelle entstehen, gehörte in Hannover in diesem Jahr ebenso zu den zentralen Trends wie der herannahende Einzug künstlicher Intelligenz in die Fabriken. In den Hallen der Automation zeigte sich, dass die Antriebs- und Fluidtechnik ein wesentlicher Treiber der digitalisierten und vernetzten Produktion ist.

Erweiterte Wertschöpfungsnetzwerke

Die Messe habe „einmal mehr gezeigt, dass die weltweite Industrie-4.0-Bewegung hier ihr Zuhause hat“, ergänzte Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI. „Erweiterte Wertschöpfungsnetzwerke, neue Formen der Mensch-Maschine-Kollaboration und die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz in die Produktion sind Schlüsselmerkmale von Digitalisierung und Vernetzung, die in Hannover wieder einmal als erstes zu sehen waren.“ All das benötige künftig noch mehr Konnektivität, weshalb der ZVEI von Beginn an ein industriefähiges 5G-Netz fordert.

„Zwei weitere Botschaften versendete die Messe darüber hinaus: Nur Zusammenarbeit, nicht Abschottung, ermöglicht technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand“, so Mittelbach weiter. „Und Schülerinnen und Schüler lassen sich begeistern, wenn sie – wie auf der Messe – mit Technik in Berührung kommen. Noch stärker müssen wir um sie werben: Sie sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen.“

Noch etwas Statistik liefert die Deutsche Messe AG: Von den 210.000 Besuchern kamen mehr als 70.000 aus dem Ausland. Damit lag der Anteil der internationalen Besucher bei 30 Prozent. Die meisten Besucher aus dem Ausland kamen übrigens aus China (6.500), vor den beiden Nachbarländern Niederlanden (5.300), Polen (2.700) sowie den USA (1.700).

Partnerland Mexiko

Aus dem Partnerland Mexiko kamen 1.400 Besucher – und mehr als 160 mexikanische Firmen präsentierten auf der Messe ihre Produkte und Innovationen. Bundeskanzlerin Merkel und Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto waren sich einig: Fortschritt und Wohlstand gibt es nur mit offenen Märkten. Die Beteiligung Mexikos stand somit auch im Zeichen des internationalen Freihandelsabkommens, auf das sich Mexiko und die Europäische Union am vergangenen Samstag geeinigt hatten. Künftig wollen die Länder 99 Prozent ihrer Waren zollfrei handeln.

Anwendungsbeispiele für vernetzte Produktionslösungen gab es auch am Bitkom-Gemeinschaftsstand zu sehen. „Ob etabliertes Unternehmen oder Start-up – unsere Aussteller haben mit ihren Exponaten die vierte industrielle Revolution erlebbar gemacht. Die Bitkom-Mitglieder sind mit dem Messerverlauf sehr zufrieden“, sagte Berg. Auch die Gesamtausstellerzahl im Bereich „Digital Factory“ der Hannover Messe stieg entsprechend: von 340 Ausstellern im Jahr 2017 um 59 Prozent auf 540 Aussteller in diesem Jahr. „Ein besonderes Interesse gab es in diesem Jahr neben dem Thema Industrie 4.0 außerdem an der Künstlichen Intelligenz im industriellen Einsatz“, sagt Berg.

IoT-Plattformen – aktuelle Trends und Herausforderungen

Aus Anlass der Hannover Messe hat der Verband außerdem zwei Papiere veröffentlicht. Unter der Überschrift „IoT-Plattformen – aktuelle Trends und Herausforderungen“ wird aufgezeigt, von welch zentraler Bedeutung IoT-Plattformen für die Industrie 4.0 und damit für die gesamte Zukunft der deutschen Wirtschaft sind. IoT-Plattformen sind Dreh- und Angelpunkt datenbasierter Geschäftsmodelle und treiben so die Digitalisierung des verarbeitenden Gewerbes maßgeblich voran. Die Publikation, die der Bitkom-Arbeitskreis „Industrie 4.0 – Markt und Strategie“ erarbeitet hat, kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Eine weitere aktuelle Publikation beschäftigt sich mit der notwendigen domänenübergreifenden Kommunikation in der Industrie 4.0. Sie steht ebenfalls kostenlos zum Download bereit.

Bildquelle: Deutsche Messe AG / Bitkom

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