Messemotto „Integrated Industry - Industrial Intelligence“ nach dem Cebit-Aus

Hannover Messe mit Cebit inside

Digitalisierung, lernende Maschinen sowie die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter: Das sind die Schwerpunkte der Hannover Messe, die vom 1. bis zum 5. April ihre Tore öffnet. Rund 6.500 Aussteller werden auf der Industrieschau erwartet. Die findet erstmals seit 1986 ohne eine parallele Computermesse statt, nachdem die damals ausgegliederte Cebit im November Knall auf Fall abgeschafft wurde.

Bildquelle: Deutsche Messe AG

Folgerichtig wird die Hannover Messe digitaler als zuletzt: Global Player wie Amazon, IBM, Microsoft oder SAP sind vor Ort. Das Motto der Industrieschau lautet in diesem Jahr „Integrated Industry - Industrial Intelligence“, um den Trend zur „Industrie 4.0“ aufzugreifen.

Dabei geht es um das Zusammenspiel von Automatisierungs- und Energietechnik, Intralogistik, IT-Plattformen und die zunehmende Bedeutung des maschinellen Lernens. Der Mensch nutzt künftig künstliche Intelligenz, damit Maschinen und Fabriken sich selber steuern. Dabei geht es nicht nur um Prozessoptimierung oder Energieeffizienz, sondern auch um Schnittstellen, Protokolle und Sicherheit.

Zur industriellen Transformation gehören aber mehr als nur vernetzte und intelligente Produktionsanlagen und Produkte. Eine ebenso große Rolle spielen aber auch neue Geschäftsmodelle, die vorhandene Marktstrukturen zum Teil radikal verändern. „Es geht zum einen um die Frage, welche IoT-Lösung Mensch, Maschine und Prozesse am besten vernetzt“, sagt Arno Reich, Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe, „aber zum anderen auch ganz grundlegend darum, wer das ideale Betriebssystem für die Industrie 4.0 bieten kann.“

Businessplattformen – Infrastrukturen für neue Geschäftsmodelle

An solchen „Plattformen“ führt offenbar kein Weg vorbei. Was im Consumer-Bereich längst etabliert ist, entwickelt sich für die produzierende Industrie mit etwas Verzögerung. Doch es steht außer Frage, dass die Plattformökonomie für den Maschinen- und Anlagenbau eine große Rolle spielt – für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und digitaler Services. Wie das funktionieren kann, soll die Messe demonstrieren.

Wie sehr dabei die Bereiche IT und Automation immer weiter zusammenwachsen, zeigt sich unter anderem an den mittlerweile zahlreichen Kooperationen zwischen Automatisierungs- und Softwareexperten, beispielsweise die Adamos-Allianz oder an der vom ZVEI gegründeten Arbeitsgemeinschaft „5G Alliance for Connected Industries and Automation“.

Im Hinblick auf die Digitalisierung sind neue Software- und IT-Entwicklungen für Firmen im verarbeitenden Gewerbe besonders entscheidend. Genau darum geht es in den Hallen 5 bis 8 auf der Messee im Bereich der „Digital Factory“. Zu den Top-Themen zählen neben KI und Plattformökonomie auch hybride Clouds, Augmented- und Virtual-Reality, 5G, Blockchain, Digital Twin sowie ERP- und MES-Systeme. Bisher dabei sind neben den bereits genannten IT-Firmen mehr als 600 Aussteller in diesem Bereich, darunter Atos, Dassault Systems, Huawei, Konica Minolta, Oracle, Siemens und die Software AG.

Außer den Exponaten der „Digital Factory“ gibt es auch Konferenzen und Foren. Im Bereich „Digital Factory“ können Besucher an drei täglichen Foren teilnehmen – Forum Industrie 4.0, CAE Forum und Forum Industrial Security. Außerdem gibt es zwei eintägige Veranstaltungen: das „Additive Manufacturing Symposium“ am 2. April und die internationale MES Tagung am 4. April. Dazu gesellen sich zwei neue Sonderveranstaltungen: der Industrial Pioneers Summit am 2. April im Convention Center und die tägliche 5G-Arena in Halle 16. Der Summit beschäftigt sich mit der Frage, „Was kommt nach Industrie 4.0“; die Arena gilt als Test für den kommenden 5G-Mobilfunkstandard.

Industrial Security“ gefragt

Die zunehmende Digitalisierung macht die Industriebetriebe aber auch angreifbarer. Unternehmen sollten daher alles tun, um es internen und externen Hackern möglichst schwerzumachen – und zwar schon bevor es zu spät ist. „Industrial Security“ sollte daher in der Industrie 4.0 von Anfang an berücksichtigt werden: Der überlegte Umgang mit externen Schnittstellen an den Computern und der Einsatz von Verschlüsselung gehören ebenso dazu wie ein vernünftiges Zugriffsmanagement oder ein Logging und Monitoring der Zugriffe auf besonders sensitive Datenbestände.

Die Hannover Messe widmet sich deshalb auch 2019 wieder mit einem eigenen Bereich in Halle 6 der Sicherheitsthematik. Noch immer sieht Hubertus von Monschaw, Global Director Digital Factory im Team der Messemacher, hier eine Diskrepanz: Zuerst komme in der Praxis oft die Digitalisierung – und dann erst als Reaktion darauf der Blick auf die Security. Doch in Zeiten von Industrie 4.0 sei ein Umdenken erforderlich.

„Ohne Security kann die Digitalisierung nicht funktionieren“, sagt von Monschaw. „Es geht eben nicht nur um Datensicherheit, sondern um die Absicherung der gesamten vernetzten Produktion und damit der zugrundeliegenden IT-Infrastruktur.“ Darauf mache auch der aktuelle Leitfaden des VDMA zum Thema Industrie 4.0 Security aufmerksam: Um im digitalen Zeitalter Maschinen und Anlagen über den gesamten Lebenszyklus sicher betreiben zu können, reicht es nicht aus, Security-Funktionalitäten hinzuzufügen. Stattdessen muss Security von vornherein in der Produktentwicklung seitens der Maschinen- und Anlagenbauer berücksichtigt werden.

Datenschätze heben

Indem Maschinen, Produkte und Prozesse digital miteinander verknüpft werden, lassen sich Datenschätze heben und neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Dafür jedoch ist Sicherheit im Austausch und bei der Verarbeitung von Daten gefragt. „Die zunehmende Vernetzung bei Industrie 4.0 sowie die Nutzung der Chancen der Digitalisierung benötigen ‚Security‘ – und zwar in jedem vernetzten Sensor, Aktor, Gerät oder jeder Maschine“, sagt Oliver Winzenried, Vorstand der Wibu-Systems AG. „Im Gegensatz zur IT-Sicherheit im Büroumfeld hat Industrial Security höhere Anforderungen an Verfügbarkeit und Echtzeitfähigkeit. Offene internationale Standards sind notwendig, beispielsweise OPC UA mit TSN, um globalen Einsatz und Interoperabilität der Produkte möglich zu machen. Dies ist insbesondere für mittelständische Hersteller elementar. Aus- und Weiterbildung gehören genauso zu Industrial Security wie die Geräte mit ‚Security by Default‘.“

Cloudbasierte Echtzeit-Vernetzung

Ein Aspekt der Sicherheit ist auch die Geschwindigkeit, mit der Fehler oder Störungen im Sicherheitssystem entdeckt werden. „Die cloudbasierte Echtzeit-Vernetzung von industriellen Anlagen, Systemen und Maschinen erfordert einen zuverlässigen Datenfluss von und zu der jeweiligen operativen Umgebung“, sagt Andrey Suvorov, zuständig für „Critical Infrastructure Protection“ bei Kaspersky Lab. Gemeinsam präsentieren die Teams von Kaspersky und Aprotech ein „Industrial Gateway“ mit Secure-by-Design-Architektur sowie die Mind-App zur Schwachstellenerkennung. „Damit lassen sich auch bei umfangreichen IoT-Infrastrukturen Schwachstellen in Echtzeit visualisieren“, verspricht Suvorov.

Ein anderes Stichwort, das in Zusammenhang mit Industrial Security an Bedeutung gewinnt, ist Blockchain – vor allem mit Blick auf zwei Aspekte: die Datenintegrität und das Daten- oder auch Geräte-Ownership. „Die Blockchain sichert eingangs oder über den ‚Life Cycle‘ hinweg wiederkehrend Referenzdatensätze, die periodisch oder im Verdachtsfall auf Veränderungen geprüft werden“, erläutert Björn Obermeier, Blockchain Lead bei Accenture. „Dank ihrer Dezentralität bietet die Blockchain außerdem eine geringere Angriffsfläche für Attacken. Eine unveränderbare digitale Identität sowohl von Geräten als auch deren Besitzern schafft zusätzliche Sicherheit. Denn bei Streitigkeiten oder Vorfällen rund um das Thema ‚Ownership/Authorship‘ gibt es keinen Interpretationsspielraum. Die Blockchain ist nicht nur etwas für den Shopfloor von morgen, sondern auch den von heute.“

Der Ausstellungsbereich Industrial Security wird ergänzt durch ein Forum, in dem sich Experten aus Wirtschaft und Industrie über Themen wie „Security by Design“, IT-Sicherheit und Recht, Zertifizierung und Zulassung in der Digitalisierung, Virtualisierung und Cloud Computing, 5G-Technologie, Blockchain/Distributed-Ledger-Technologie oder auch Cyber-Angriffe informieren können. Dabei geht es um Lösungsansätze genauso wie um Best-Practice-Beispiele.

Bildquelle: Deutsche Messe AG

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