Interview mit Dr. Thomas Zeizel, Head of HCL Software DACH

HCL, die neue Heimat für IBM Notes

Der IT-Konzern HCL hat zum 1. Juli etliche Software-­Produkte rund um Lotus Notes, wie es ursprünglich hieß, von IBM erworben. Die Rede ist nun nicht mehr von IBM Collaboration Solutions, sondern von den HCL Digital Solutions.

  • Das neue, fast komplette Team von HCL Digital Solutions in D-A-CH mit kleinen Schultüten – wie bei Erstklässlern als Glücksbringer.

  • Dr. Thomas ­Zeizel, HCL

    Dr. Thomas ­Zeizel: „Wir streben mit Notes Wachstum an!“

  • Dr. Thomas ­Zeizel, HCL

    Dr. Thomas ­Zeizel, der seit dem 1. September als „Associate Vice President & Head of HCL Software D-A-CH“

Nachdem der indische HCL-Konzern Ende Juni die Produktfamilie rund um Lotus Notes, wie die ­Software ursprünglich hieß, von IBM erworben hat, sind Anfang September auch viele deutsche IBM-Mitarbeiter aus diesem Bereich im ­Rahmen eines Betriebsübergang zu HCL gegangen. Allen voran ging ihr Chef Dr. Thomas ­Zeizel, der seit dem 1. September als „Associate Vice President & Head of HCL Software D-A-CH“ diesen neuen Geschäftsbereich des weltweit tätigen IT-­Konzerns in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet. Mit ihm sprachen wir da­rüber, was sich damit für die Kunden und Partner ändert – und was so wie gewohnt bleiben soll.

Denn mit dem Übergang haben die Lösungen rund um Notes, Domino, Sametime und Connections nach langem Hin und Her endlich eine neue Heimat gefunden. Der neu gegründete Software-Bereich hat da­rüber hinaus noch die Produkte DX/Portal, Commerce, Appscan, Unica, Verse und Bigfix übernommen. Alle werden ausnahmslos weiterentwickelt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch in Deutschland ist der Betriebsübergang umgesetzt. Seit dem 1. September gibt es hierzulande den Bereich HCL Software, so dass Kunden und Partner wieder aus­sagefähige Ansprechpartner haben – laut Zeizel, Leiter dieses Bereiches, in der Regel sogar „diejenigen Personen, die sie auch bisher betreut haben, denn fast alle haben den Betriebsübergang akzeptiert“. Da HCL wachsen wolle, müsse auch das Team wachsen; folglich gebe es ab sofort offene Stellen. Außerdem seien in Deutschland praktisch alle relevanten Partner unter Vertrag; weltweit sind es über 1.600.

Im Gespräch mit DV-Dialog macht Zeizel deutlich: Künftig wird es keine nervigen Software-Audits und keine teuren Re-Instatements mehr geben. Stattdessen setzt HCL auf ein neues Lizenzmodell, das auf wirkliche Nutzung abhebt, einen stark vereinfachten Produktkatalog und besseren Support. Man wolle im Markt deutlich stärker präsent sein als die IBM bisher. Und Zeizel verspricht: Kunden sollen zufrieden sein!

Aber was ist das alles ohne Produkte mit überzeugender Roadmap, die mehr ist als nur Powerpoint. „Es muss geliefert werden“, betont Zeizel. „Wir bei HCL haben das verstanden. Wir haben nicht 1,8 Mrd. Dollar ausgegeben, um das Portfolio abzuwickeln, sondern wir sind hier, um uns dauerhaft am Markt zu etablieren!“ Dass man verstanden habe, sei schon bei der Entwicklungspartnerschaft mit IBM bei Notes und Domino V10 unter Beweis gestellt worden. Jetzt komme im 4. Quartal die nächste Version der gesamten Collaboration Produktpalette auf den Markt – wie von nun an immer einmal im Jahr, mit Feature-Packs zwischendrin, typischerweise einmal im Quartal.

Auch bei der Anwendungsentwicklung tut sich vieles. Es geht laut Zeizel darum, drei Gruppen von Anwendungsentwicklern effektiver zu unterstützen: profes­sio­nelle Entwickler, einfache Nutzer aus den Fachabteilungen, die wenig von Programmierung kennen und gestandene Notes-Entwickler, die ihre Anwendungen modern halten möchten.

Herr Dr. Zeizel, wer oder was ist HCL?
Dr. Thomas Zeizel
: HCL ist vermutlich das unbekannteste Multi-Milliarden-Dollar IT-Unternehmen, das momentan in Deutschland aktiv ist. Gegründet vor über 40 Jahren von Shiv Nadar in Indien, ist aus dem Start-up ein rasant wachsendes, globales Unternehmen mit mehr als 8,6 Mrd. Dollar Jahresumsatz geworden. Vor anderthalb Jahren beschäftigte HCL noch 125.000 Menschen, heute sind es bereits über 140.000 in insgesamt 44 Ländern dieser Welt.

HCL ist also definitiv ein „Global Player“ – und die am 1. Juli formierte HCL Software Group vom Start weg Nummer 20 im globalen ­Software-Geschäft. HCL ist aber schon lange im Software- und Service-Geschäft tätig. So bieten wir etwa Anwendungs­entwicklung und -modernisierung an, aber auch „Application Maintenance“ – inklusive Services wie „Business Assurance“ und Testing. Dabei kann es um eigenentwickelte Lösungen der Kunden gehen, aber auch um Standard­software von SAP, Microsoft oder Oracle.

HCL arbeitet darüber hinaus mit vielen anderen Herstellern zusammen und liefert denen Software zu. Zum Beispiel ist bereits seit 1996 eine enge Zusammenarbeit mit Cisco, in deren Rahmen in Chennai das erste Offshore-Entwicklungszentrum errichtet wurde. Waren dort anfangs 30 Ingenieure beschäftigt, ist das heute mit über 1.100 Mitarbeitern die größte Entwicklungsstätte für Cisco außerhalb der USA. Auch mit dem langjährigen Partner IBM gibt es mehrere „Intellectual Property“-Agreements, z.B. beim „Rapid Application Development“ im Rational-Umfeld oder bei Informix. Das heißt auch: Wir verfügen über mehr als genügend Know-how, um die Entwicklung unserer eigenen Software wirtschaftlich zu voranzutreiben.

Deshalb kam vor einigen Jahren die Idee auf, dass HCL auch eigene Software-Produkte, etwa im Bereich Collaboration, anbieten könnte. Die Frage war: Wie kommt man dazu? Geschieht das durch eine Eigenentwicklung von Null an, dauert das Jahre. Um Zeit zu sparen, hat sich HCL am Markt nach guten Produkten umgeschaut, die nicht mehr unbedingt im Fokus ihrer Hersteller standen. Die Idee war, eine solche Software zu kaufen, um dann auf dieser Basis ein ­eigenes ­Software-Portfolio zu entwickeln und die ­Produkte dann zu neuer Blüte zu führen.

Fündig geworden ist HCL bekanntermaßen bei der IBM, die Notes und Domino schon seit Jahren „stiefmütterlich“ behandelte...
Zeizel
: So kann man das ausdrücken! Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe die letzten fünfeinhalb Jahre bei IBM Deutschland diesen Bereich geleitet. Die Investitionen, die wir uns alle gewünscht hätten, hat es leider nicht ­gegeben. Das hat auch HCL gesehen – und dann beim langjährigen Partner einfach angefragt, ob er nicht diese Produkte verkaufen möchte…

Der Zeitpunkt war vermutlich günstig, weil IBM ja parallel stolze 34 Mrd. Dollar in die Übernahme von Red Hat investiert hat, die ja refinanziert werden müssen.
Zeizel
: Mag sein. Vielleicht war es aber auch ganz einfach nur so, dass man bei IBM die strategischen Schwerpunkte verschoben hat, wie es in dem seit über 100 Jahren erfolgreichen Konzern immer mal wieder passiert. Der Verkauf an den langjährigen Partner HCL war dann nur eine willkommene Chance, sich mit Anstand aus diesem Geschäft zurückzuziehen und dafür auch noch gutes Geld zu bekommen. Die ­Gespräche hierzu begannen im August 2018 und am Nikolaus­tag wurde der Verkauf angekündigt. Seit dem 1. Juli ist er vollzogen, nachdem alle Behörden zugestimmt hatten.

HCL hat 1,8 Mrd. Dollar in den Erwerb u.a. der IBM Collaboration Solutions investiert, nicht um sie abzuwickeln, sondern um damit Wachstum zu erzielen. Investiert wurde auf fundiertem Hintergrund, denn man kennt die Produkte bei HCL aus dem Effeff. Schon seit Oktober 2017 wurde ja die Entwicklung von Notes und Domino im Auftrag der IBM vorangetrieben. Jetzt haben wir für diese und weitere Produkte den Software-Bereich neu gegründet.

Wie groß ist die neue HCL Software Group?
Zeizel
:  Hier sind weltweit bereits mehr als 2.000 Collaboration-Experten aktiv. In der Region ­D-A-CH sind wir zurzeit zwar nur knapp 30 Mitarbeiter. Das liegt aber im Wesentlichen daran, dass der Vertrag nicht an allen Stellen einen Übergang der Mitarbeiter vorsah.

Deshalb stellen wir jetzt kräftig neue Mitarbeiter und Mitarbei­terinnen ein. Und das nicht nur hierzulande, sondern weltweit. So bauen wir zum Beispiel gerade ein neues „Development Center“ in Manila auf, um nach dem Prinzip 24x7/Follow-the-Sun Software entwickeln zu können. Allein in Manila suchen wir momentan über 300 IT-Fachkräfte. Die notwendigen Investitionen sind langfristig geplant – und entsprechende Budgets vorhanden.

Sowohl unser Top-Management als auch unsere Entwicklungszentrale sind übrigens in Chelmsford bei Boston an der Ostküste der USA angesiedelt – ganz in der Nähe des Ortes, an dem Mitch Kapor 1982 Lotus Development gegründet hatte. Wir unterhalten weitere Entwicklungslabore in Austin/Texas, sowie an der Westküste der USA und es gibt auch Entwickler in Deutschland. Dabei geht es nicht nur um die Collaboration-Produkte Notes, Domino, Connections, Sametime und Verse, sondern um alle Produkte, die wir von IBM übernommen haben. Also werden dort auch DX/Portal, Commerce, Appscan, Unica und Bigfix weiter entwickeln. Und für all diese genannten Produkte bin ich im deutschsprachigen Raum verantwortlich.

Wird denn das Produktportfolio weiter wachsen, etwa durch Zukäufe?
Zeizel
: Zu etwaigen Zukäufen möchte ich nichts sagen – das werden Sie und Ihre Leser sicher verstehen. Sagen kann ich nur soviel: Das wird sicher nicht das Ende der Fahnenstange sein, was wir an Software-Produkten anbieten.

Der Kauf von Notes & Co. ist jedenfalls ein smarter Deal, würde ich sagen – weil HCL nicht nur die Produkte und das geistige Eigentum erworben hat, sondern auch die Kunden. Weltweit sind das immerhin allein für Notes und Domino mehr als 40.000 Unternehmen.

Kann man Kunden kaufen? Vor allem auch solche, die nicht mehr aktiv die Nutzung der Produkte vorantreiben?
Zeizel
: Das ist ein juristisches Thema. Wir sind ja für jeden Kunden der Rechtsnachfolger der IBM in seinem Lizenz- und Wartungsvertrag. Damit sind diese ehemaligen IBM-Kunden nun HCL-Kunden. Das Gros dieser Kunden goutiert diesen Wechsel auch.

Warum?
Zeizel
: Weil die Kunden sehen, dass HCL ­massiv in die Produkte investiert. Und die Produkte sind alles andere als veraltet. Ich weiß, wovon ich rede, denn HCL ist ein großer Service-­Partner von Microsoft mit einem signifikanten jähr­lichen Umsatzvolumen in diesem Bereich. Und ich arbeite an meinem Schreibtisch nicht nur mit Notes, sondern auch mit Outlook. Da sehe ich als User keine nennenswerten Klassenunterschiede in der Bedienbarkeit oder in der Funktionalität. In beiden Welten wird letztlich nur mit Wasser gekocht.

HCL investiert momentan ganz massiv in das User-Interface, um Defizite, die man Notes nachsagt, endgültig vom Tisch zu wischen. Wir wollen bei allen Kunden wieder Begeisterung und Engagement für unsere Produkte wecken. Daran arbeiten wir intensiv. Und wir erweitern unser Marketing, denn den Kunden soll bewusst werden, was wir alles für sie entwickelt haben – und was noch kommen soll.

Für letzteres gibt es verlässliche und langfristige Roadmaps. Und es wird pünktlich geliefert, wie wir mit dem Launch von Domino V10 im vergangenen Oktober unter Beweis gestellt haben. Diese Roadmaps teilen wir ebenso mit den ­Kunden wie unsere Ideen, in welche Richtung die Entwicklung langfristig laufen könnte und wo wir die Akzente setzen wollen.

Umgekehrt haben wir auch schon ein Portal eingerichtet, über das Kunden Verbesserungen und Produktideen vorschlagen und miteinander diskutieren können. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass wir jetzt viel enger mit den Kunden zusammenarbeiten als bisher.

Welche Ziele hat HCL Software in Deutschland? Es gilt ja, den neuen Schwung und die vielen Ideen zu nutzen, die jetzt umgesetzt werden sollen...
Zeizel
: Erstmal fangen wir ja nicht bei Null an, sondern können auf das bisherige IBM-Geschäft aufbauen. Die Mitarbeiter und Partner sind ja an Bord geblieben und neu vitalisiert. Wir intensivieren den Kontakt zu unseren Kunden, informieren sie und besuchen sie nach Möglichkeit auch. Unsere Kunden sollten – außer durch Verbesserungen – von dem Eigentümerwechsel nichts bemerken, weil der Dank intensiver Vorbereitung weitgehend nahtlos geklappt hat. Zudem sind wir jetzt flexibler und haben mehr Freiheiten als früher. Außerdem gibt es bei uns ein eigenes Renewal-Team, das „schlafende“ Kunden wieder aktivieren soll.

Was meinen Sie damit?
Zeizel
: Ich meine Kunden, die z. B. Notes und Domino noch nutzen, sich aber in letzter Zeit den Wartungsvertrag gespart haben. Unser Nahziel ist es, unsere bisherigen Kunden von unserer Strategie und den neuen Produkt-Roadmaps zu überzeugen, so dass sie unser Portfolios intensivier nutzen als bisher. Es gibt nach dem Übergang überhaupt keinen Grund mehr den Produkten, die jetzt mit viel Neuem kommen, den Rücken zuzukehren. Ganz im Gegenteil! Dabei müssen wir allerdings immer wieder gegen falsche Gerüchte und Unwahrheiten ankämpfen, die im Markt scheinbar gezielt gestreut werden. Wir dagegen wollen als ehrliche und faire Partner unserer Kunden wahrgenommen werden.

Warum haben aktive Notes- und Domino-Anwender keinen Wartungsvertrag mehr?
Zeizel
: Weil das zwei sehr stabile Produkte sind, weil die Wartung Geld kostet und weil die Kunden bei IBM die entsprechende Gegenleistung in Form von Weiterentwicklung vermisst hatten. Das konnten wir in der kurzen Zeit seit Ende 2017 für Notes und Domino bereits ändern. Aktuell können wir  63 Prozent mehr Kunden von Abschluss eines Wartungsvertrages überzeugen, als in den zurückliegenden IBM-Zeiten. Diese Kunden sagen: „Die Roadmap überzeugt, es lohnt sich hier wieder zu investieren – ich steige wieder ein.“ Darum werden wir uns in den kommenden Quartalen besonders intensiv kümmern.

Gibt es außer der Roadmap noch Argumente?
Zeizel
: Ja. Wir liefern. Die Kunden sollten sich unser aktuelles Angebot und unsere Pläne möglichst einmal intensiv anschauen – wobei wir auch gern helfen, auch vor Ort bei den Kunden. Vor allen Dingen dann, wenn sie sich schon länger nicht mehr damit beschäftigt haben. Schon heute kann man ja den Applikations-Server Domino nicht nur mit Lotusscript programmieren, sondern seit der Version 10 auch mit Javascript; das eröffnet eine neue Perspektive auf dem Arbeitsmarkt für Software-Entwickler, denn auch die jungen können nun Domino aktiv auch für Neuentwicklungen nutzen.

Der Domino-Server, der weiterhin in punkto Zuverlässigkeit und Sicherheit überzeugt, kann heute also auch von ganz „normalen“ Hochschulabsolventen programmiert und verwaltet werden - spezielles „Lotus“-Know-how ist nicht mehr erforderlich. Wobei wir natürlich kompatibel bleiben, Lotusscript weiter unterstützen und damit sicherstellen, dass Millionen Domino-Anwendungen nicht teuer migriert werden müssen, sondern über vergleichsweise einfache Modernisierungen weiterhin einen großen Mehrwert für ihre Unternehmen liefern. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Was auch wichtig ist: Uns freut es natürlich, wenn Kunden wieder einen Wartungsvertrag unterschreiben. Sie müssen daher auch keine Wartungsgebühren nachzahlen, wie es bei IBM in Form der „Re-Instatements“ üblich war. Und selbstredend muss der Kunde die Lizenzen auch kein zweites Mal erwerben, wie manch anderer Herstellern es fordert, sondern kann einfach die Wartung zu normalen Konditionen wieder aufnehmen. Dieses Angebot gilt vorerst für zwei Jahre, gerechnet ab dem 1. Juli 2019.

Welche neuen Optionen bietet HCL denjenigen Kunden an, die eine funktionierende Notes/Domino-Infrastruktur betreiben, diese aber modernisieren oder erweitern wollen?
Zeizel
: Nach der im vergangenen Oktober lancierten Version 10 von Notes und Domino, die HCL ja bereits für IBM entwickelt hatte, kommt jetzt im November die neue Version 11.

Fokussierte V10 mit Features wie den Selbstheilungsfunktionen, der neuen Domino Query Language und dem Appdev-Pack vor allem auf den Server und auf die Anwendungsentwicklung, geht es bei V11 in erster Linie um das Front-End. Zu den wichtigsten Neuerungen werden Veränderungen an der Bedienoberfläche zählen, die aber nur erste Schritte in Richtung einer modernen „User Experience“ sind.

Im nächsten Jahr wird es einen Thin-Client für Mails und Apps geben, der im Browser läuft, aber mit der Nomad-Technologie, mit der man heute bereits mit Domino-Anwendungen unverändert auf iPads arbeiten kann. Mit V11 wird Nomad auch für iPhones und Android kommen.

Zu Domino V11 wird etwas später auch ein neuer, Browser-basierter „Low Code“-Builder kommen – Codename Leap. Das erweitert die Anwendungsentwicklungsmöglichkeiten von Domino sozusagen „nach unten“ – also dorthin, wo Notes mal begonnen hatte, jetzt allerdings im Browser.

Zur Version 12, die für 2020 geplant ist und an der wir schon arbeiten, ist zu sagen, dass wir insbesondere an einer stärkeren Verzahnung arbeiten – nicht nur von Notes und Domino, sondern von all unserer Software. Dabei schlagen wir grundsätzlich andere Wege als IBM ein, denn wir wollen wirklich offene Produkte anbieten, die unsere Kunden möglichst einfach auch in ihren IT-Infrastrukturen nutzen können. Darüber reden wir zurzeit mit allen wichtigen Anbietern, von Microsoft über Google und Salesforce bis hin zu einer SAP, um unsere Software zukünftig viel tiefer in deren Produkte zu integrieren.

Wie hält es denn HCL mit der Cloud? Ist „on prem“ noch ein Thema für Sie?
Zeizel
: Ja, absolut! Hier sehen wir ein sehr großes Differenzierungspotential. Wir bieten das komplette Spektrum an: von on prem über Partner-geführte Cloud-Lösungen bis zu eigenen Cloud-Angeboten – und das wird auch so bleiben. Wir zwingen niemanden in die Cloud! Hierzu arbeiten wir aktuell an weiteren Ankündigungen.

Wurde die Preisgestaltung für die Software-Lizenzen geändert?
Zeizel
: Da gab es einige Verwirrung im Markt, denn an manchen Stellen war von einer massiven Preiserhöhung die Rede. Das stimmt absolut nicht – ganz im Gegenteil: Wir haben nicht die geringste Absicht, unsere Preise zu erhöhen.

Was stimmt ist einzig und allein, dass wir bei Renewal-Kunden den zuletzt gezahlten Preis zugrunde legen und dann einen Inflationsausgleich aufschlagen. Das halte ich für fair – auch mit Blick auf unseren Verzicht auf ein Re-Instatement. Bei bestehenden Verträgen oder bei Neulizenzen bewegen wir uns exakt im gewohnten Rahmen. Alles andere würde auch keinen Sinn machen, denn damit würden wir uns vermutlich aus dem Markt kegeln.

Was ich zum Thema Lizenzen noch anfügen möchte: Bei IBM gab es zuletzt signifikanten Wildwuchs unterschiedlichster Lizenzvarianten. Hier streben wir nun eine deutliche Reduktion, also viel mehr Klarheit, an. Nach diesem „Ausmisten“, wenn ich das mal so flapsig sagen darf, wird es viel einfacher werden, sich aus unserem Angebot zu bedienen.

Geplant ist auch, dass wir voll und ganz auf Compliance-Audits bei Kunden verzichten ­wollen – also ganz anders agieren als es bei vielen ­Software-Herstellern gang und gäbe ist. Wir wollen das Thema vielmehr softwareseitig abfangen, sodass der Kunde sehr einfach jederzeit erkennen kann, wo er über- oder unterlizenziert ist.

Herr Dr. Zeizel, vielen Dank für das Interview!

Bildquelle: HCL Technologies, Dr. Peter Schütt

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