Digitalisierung der Flender-Prozesse bei Standardgetrieben

Hin zu Engineer to Order

Mit einer neuen Software für Variantenmanagement und Konfiguration in der Industrie hat der Bocholter Getriebehersteller Flender die Digitalisierung seiner Prozesse für „Engineer-to-Order“ bei Standardgetrieben vorangetrieben, um der erhöhten Kundennachfrage nach individuell gefertigten Getrieben besser gerecht zu werden.

  • Dr. Jan Reimann, Projektleiter bei Flender: „Anwendung, Leistung, Drehzahl: Kunden kommen zukünftig mit nur drei Parametern zur richtigen Getriebelösung.“

  • Peter Hensel, Head of Configuration and Data Management bei Flender: „Flender One ist ein echter Durchbruch in Richtung Individualisierung und Nachhaltigkeit.“

  • Das neue Industriegetriebe von Flender verbindet digitale Services und klassische Ingenieurskunst.

Mit Flender One hat der Bocholter Antriebsspezialist Flender jetzt ein völlig neues Getriebe entwickelt. Es handelt sich um innovative Variante des einstufigen Stirnradgetriebes, die seit langem weltweiter Benchmark in der Papierindustrie und in weiteren Industrieanwendungen ist. Die neue Generation dieser Getriebe senkt die Betriebskosten von Endkunden und schont wertvolle Ressourcen, unter anderem durch ein überarbeitetes Gehäusedesign und einen optimierten Radsatz.

All das sind handelsübliche Verbesserungen bei der Einführung neuer Produktgenerationen. Die Einzigartigkeit von Flender One resultiert aus einer neuartigen Verknüpfung von Produktdesign und digitalen Services über den gesamten Lebenszyklus – von der Bestellung bis zum Betrieb in der Anlage. Beispielsweise ist Flenders neue Getriebeintelligenz „AIQ“ hier zum ersten Mal standardmäßig verbaut und liefert den Anlagenbetreibern dank integrierter Sensorik und umfangreichen Analysefunktionen wertvolle Informationen über das Getriebe während des Betriebs. Per App und Online-Portal lassen sich auf Wunsch Betriebszustände einfach ablesen.

Die detaillierte Zustandsüberwachung der einzelnen Komponenten erkennt Abweichungen zum Optimum frühzeitig und ermöglicht die Vorhersage möglicher Ausfälle. Die Betreiber sind so in der Lage, den Antrieb und Prozesse nicht nur zu steuern, sondern zu optimieren. Geminderter Verschleiß bei gleichbleibender Performance sind das Ergebnis und erhöhen die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen.

Ein weiteres Novum ist der neue Produkt-Konfigurator, der in mittlerweile zweijähriger Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Digitalisierungspartner Adesso entwickelt wurde. Mit nur drei Angaben kann sich der Kunde demnächst online sein maßgeschneidertes Getriebe konfigurieren: Anwendung, Leistung und Drehzahl. Auch detailliertere Parameter lassen sich hinzufügen. Innerhalb weniger Sekunden sind die 3D-Daten und eine 360-Grad-Vorschau des Getriebes verfügbar. „Wir bieten unseren Kunden an, ihnen die zeitintensiven Vorüberlegungen abzunehmen. Wir fragen nicht mehr nach den Spezifikationen und Eigenschaften des Getriebes, sondern ausschließlich nach dem gewünschten Nutzen. Der Kunde sagt uns, wie und wo er das Getriebe einsetzen will, und wir sagen ihm, welches Getriebe mit welchen Funktionen er dafür benötigt“, sagt Dr. Jan Reimann, Projektleiter von Flender One.

​Dazu wurde in den vergangenen beiden Jahren die Prozesse rund um die Produktneuheit Flender One durchgängig entlang der gesamten Wertschöpfungskette automatisiert – von der Anfrage zum Auftragseingang über die Produktion bis hin zur Auslieferung. Denn mit dem Wunsch nach variantenreichen Produkten steigt die Komplexität und auch der Anpassungsbedarf aller beteiligten Geschäftsprozesse. Das hat Konsequenzen für die gesamte Angebots-, Bestell- und Lieferkette bis hin zur Komponentenherstellung.

Betroffen von der Digitalisierung waren bei dem Getriebehersteller all seine Workflows rund um Anfrage, Produktkonfiguration, Preisfindung, Angebot, Kundenauftrag, Bestellung, Einzelteilfertigung, Montage, Auslieferung, Inbetriebnahme und Service von Flender One. Laut Peter Hensel, Head of Configuration and Data Management bei Flender, ist das „ein echter Durchbruch in Richtung Individualisierung – und Nachhaltigkeit.“ Die Kunden sollen eine Getriebelösung erhalten, „die stets passgenau die Anforderungen erfüllt und damit Verschwendung vermeidet. Möglich macht dies die Automatisierung unserer Geschäftsprozesse auf Basis einer ganzheitlichen, ausgeklügelten Enterprise-Architektur. Unsere Ingenieure in den Vertriebs- und Fertigungsprozessen werden damit entlastet und die Zeit, in der das Getriebe beim Kunden ist, verkürzt sich.“

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Softwarehaus entstand die neue Software Fire. Laut Adessos Projektkoordinator Andreas Liesche das Herz der neuen Enterprise-Architektur, handele es sich um einen „Software-Baukasten, der gegenwärtig einzigartig in der deutschen Fertigungslandschaft ist“ und die Prozessschritte in der Industrie automatisiere. „Dabei beherrscht unser System alle Komplexitätsstufen in einem durchgängigen Konfigurationssystem für die End-to-End-Bearbeitung: von Baukastenprodukten als Assemble-to-Order über die Produktkonfiguration für Configure-to-Order mit 3D-Visualisierung bis zur Variantenkonstruktion im Bereich Engineer-to-Order“.

Das Variantenkonfigurations-System Fire fügt sich laut Liesche „reibungslos“ in SAP-Systemlandschaften wie bei Flender ein, integriere aber auch die relevanten Non-SAP-Systeme von Kunden. Zudem können  Daten für die Produktion wie etwa 3D-Modelle und Zeichnungen, Stücklisten und Arbeitspläne, Servicedokumente und Ersatzteilkataloge automatisiert erstellt werden.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit wollen die Partner ihr Variantenmanagement und den Software-Baukasten Fire künftig auch anderen Fertigungsunternehmen anbieten.

Bildquelle: Flender

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