In Eigenverwaltung aus der Krise?

Hob meldet Insolvenz an

Die traditionsreiche Hob GmbH aus Cadolzburg bei Fürth ist insolvent. Nachdem das Amtsgericht Fürth am 23. Oktober den Antrag auf Insolvenz in die Eigenverwaltung nach § 270a der Insolvenzordnung bestätigt hat, wollen die beiden Geschäftsführer Klaus Brandstätter und Zoran Adamovic jetzt die Weichen für die Zukunft stellen. Sanierungsexperte Thomas Planer (Planer & Kollegen GmbH aus Landsberg am Lech) wird das Verfahren fachgerecht begleiten.

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Als vorläufigen Sachwalter hat das Amtsgericht Dr. Jochen Zaremba von der Nürnberger Kanzlei Schwartz Rechtsanwälte Insolvenzverwalter bestellt. In Eigenverwaltung soll das in Schieflage geratene Unternehmen wieder vollständig saniert, erklärt Thomas Planer. Hob sei „nicht nur sanierungswürdig, sondern auch sanierungsfähig – was insbesondere dem schnellen und weitsichtigen Handeln der Geschäftsführung zu verdanken ist.“ Entscheidend für die Eigenverwaltung ist in Planers Augen, dass sich ein Unternehmen frühzeitig Hilfe holt.

Besonders ist bei der Eigenverwaltung: Die Geschäftsführung selbst bleibt Herr des Geschehens, es kommt hier kein externer Insolvenzverwalter ins Haus. Laut Brandstätter werde man sich nun wieder auf seine etablierten Kernkompetenzen und -produkte fokussieren: „Für den profitablen Bereich Networking sind keine Änderungen zu erwarten, im Bereich der Software-Neuentwicklung wird es eine Straffung des Portfolios geben. […] Wir nutzen die Eigenverwaltung auch ganz gezielt, um das Unternehmen für zeitnahe strategische Partnerschaften und Investoren attraktiv zu gestalten.“ Laut Homepage nutzen gegenwärtig in Deutschland mehr als 2.400 Kunden eines der Software-Produkte von Hob.

Fokus auf Software und Netzwerkinfrastrukturen

Thomas Planer sieht gute Chancen, dass es für das Unternehmen mit den beiden Tätigkeitsfeldern „Softwareentwicklung“ und „Systemhaus für Netzwerkinfrastruktur“ zu einem erfolgreichen Abschluss der Eigenverwaltung kommt: „Gemeinsam werden wir den gesamten Betrieb auf den Kopf stellen, Prozesse durchleuchten und neu definieren – und Hob wieder fit machen für eine sichere Zukunft.“

Die Eigenverwaltung nach § 270a InsO sieht Thomas Planer als ein Instrument zur Sanierung und Restrukturierung. Es komme zum Einsatz, wenn eine Insolvenz nicht mehr zu vermeiden ist, das Unternehmen gleichwohl über einen fortführungswürdigen Geschäftsbetrieb und eine konkrete Perspektive verfügt. Die Eigenverwaltung bedeutet, dass der Schuldner die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit über sein Unternehmen behält und insoweit Herr des Geschehens bleibt – anders als im herkömmlichen Insolvenzverfahren, in dem die Unternehmensführung die Kontrolle an den Insolvenzverwalter abgibt.

Bei der Eigenverwaltung agiert der Unternehmer selbst als Insolvenzverwalter. Meist verfügt dieser jedoch nicht über das nötige Know-How im Krisenmanagement – hier kommt der Sanierungs- und Insolvenzverwalter ins Spiel. In enger Zusammenarbeit mit der Unternehmensführung geht er auf Gläubiger, Banken und Partner zu, um alle Beteiligten sowie das Insolvenzgericht in den Prozess einzubinden.

Gründung bereits 1964

Hob wurde 1964 von Playmobil-Erfinder Horst Brandstätter als Hersteller von Plattenspielern und Wechselsprechanlagen gegründet. 1981 trat sein Sohn Klaus in das Unternehmen ein und veränderte den Fokus auf Software und Terminals für IBM-Großrechner und Midrange-Systeme. Von der Hardware hat man sich längst verabschiedet, bietet aber in der Produktfamilie Hoblink nach wie vor auch Terminalemulationen wie TN3270 und TN5250 an. Im Fokus allerdings Remote Access-Produkte – und mit der Netzwerksparte plant und implementiert Hob darüber hinaus sichere, hochverfügbare Netzwerkinfrastrukturen für Unternehmen jeder Größe.

Zu den Kernkompetenzen zählt Brandstätter Server-based Computing mit dem RDP-Protokoll, SSL- und IPsec-Lösungen für Virtuelle Private Netze (VPN), Remote Desktop Services, Cloud Security, Enterprise Mobility sowie nach wie vor den Zugriff auf Host-Systeme wie IBM Power i. Des Weiteren werden Sicherheitskomponenten entwickelt, die gemäß den Prüfkriterien nach Common Criteria EAL 4+ vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) zertifiziert worden sind.

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