Abbau von bis zu 9.000 Jobs weltweit in drei Jahren geplant

HP muss sich neu erfinden

Der renommierte IT-Konzern Hewlett Packard kommt nicht zur Ruhe. Nach der Abspaltung des Server- und Service-Geschäftes in Form von Hewlett Packard Enterprise (HPE) im Jahr 2015, dem im Oktober 2016 begonnenen Konzernumbau mit dem Verlust von rund 5.000 Arbeitsplätzen und dem überraschend bekannt gegebenen Rücktritt von CEO Dion Weisler Anfang November wurde gestern die nächste Entlassungswelle angekündigt. Bis zu 9.000 Mitarbeiter verlieren bis 2022 ihren Job; einigen wird Frühruhestand angeboten, andere werden entlassen.

Enrique Lores wird CEO von HP

Soll ab November als CEO HP neu erfinden: Enrique Lores, bisher Chef der rund 20 Mrd. Dollar Umsatz starken Druckersparte.

HP muss sich neu erfinden, denn das Traditionsunternehmen hat einerseits schwer mit der Digitalisierung, sprich dem grundlegenden Wandel der IT-Branche, zu kämpfen, andererseits aber auch mit den schrumpfenden PC- und Drucker-Märkten. In diesem Kampf setzt Weislers Nachfolger, der bisherige Chef der Druckersparte und designierte HP-CEO Enrique Lores, offenbar auf Kostensenkungen. Er plant, dass 7.000 bis 9.000 Arbeitsplätze „durch eine Kombination aus Ausscheiden und freiwilliger Frühverrentung" abgebaut werden sollen. Es wird erwartet, dass diese Entlassungswelle im Geschäftsjahr 2022 abgeschlossen sein wird. Dann wird fast jeder sechste Arbeitsplatz gestrichen sein.

Entlassungen wegen Konzernumbau

„Wir müssen unser Geschäftsmodell optimieren und die installierte Basis von 150 Millionen Druckern ausbauen“, sagte Tuan Tran, der das Druckergeschäft leiten wird, sobald Enrique Lores im nächsten Monat das Ruder als neuer CEO des Unternehmens übernimmt. Lores selbst sagte am Donnerstag in einem Interview, dass HP „mutige und entschlossene Maßnahmen ergreifen wird, weil wir ein neues Kapitel der Firmengeschichte beginnen. Wir haben viel Zeit damit verbracht, diesen Plan zu erstellen. Wir werden die Veränderungen, die wir auf dem Markt sehen, aufnehmen und so das Unternehmen für die Zukunft positionieren.“ Es geht beispielsweise darum, das Geschäftsmodell im Druckerverkauf zu verbessern und sich künftig mehr auf Services zu konzentrieren.

Dazu muss man wissen: Im Herbst 2015 beschäftige HP etwa 49.000 Menschen. Der im Oktober 2016 vorgestellte Plan zum Konzernumbau hatte ursprünglich die Streichung von bis zu 4.000 Stellen in drei Jahren vorgesehen; daraus wurden dann bis zu 5.000. Allerdings hat HP seither auch zugekauft, etwa die Druckersparte von Samsung. Im Jahr 2018 beschäftigte das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit 55.000 Menschen; aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Der angekündigte Personalabbau könnte daher bis zu 16 Prozent der Belegschaft betreffen und dürfte nach ersten Berechnungen insgesamt etwa 1 Mrd. Dollar kosten. Lores will damit und mit anderen Maßnahmen aber auch jährlich eine Milliarde Dollar einsparen.

Shareholder Value“ im Fokus

Lores konzentriert sich bei seiner Strategie auf die Börse und den Aktienkurs. Er sieht viele Chancen, mehr „Shareholder Value“ zu schaffen, indem „wir unsere Führung ausbauen, viele Branchen disruptiv verändern und die Art und Weise, wie wir arbeiten, aggressiv transformieren".

Letzteres bedeutet z.B. Änderungen im Druckergeschäft, beispielsweise die Bereitstellung weiterer Dienstleistungen. Außerdem werden die Preise für Drucker erhöht, die dafür dann aber auch mit Tintenpatronen anderer Hersteller verwendet werden können. Derzeit werden die Drucker unter Wert verkauft – und die Gewinne anschließend beim Verkauf der Tinte gemacht. Doch die langjährige Cash-Cow „Tinte“ fällt immer mehr in Ungnade – bei Kunden, Partnern und jetzt auch beim Hersteller selbst.

Es soll dennoch weiter einige billige Drucker geben, jedoch mit neuen Technologien, die sicherzustellen, dass diese Geräte einzig und allein mit HP-Tinte funktionieren. Außerdem will man die zugrunde liegende Technologie des Tintenstrahldrucks, die so genannte Mikrofluidik, an Branchen die Gesundheits- und Kosmetikindustrie zu verkaufen. „Wir blicken daher wirklich sehr zuversichtlich in die Zukunft unseres Unternehmens“, sagte Lores. Insgesamt will er HP durch die geplanten Vorhaben „kundenzentrierter“ und „digitally enabled“ machen. Das sind interessante Ideen, von deren gelungenen Umsetzung es abhängt, dass HP am Ende keine Marktanteile verliert. Die mutigen Pläne von HP werden die Veränderungen auf dem Markt nicht aufhalten.

Übrigens: Dion Weisler, der erste und bislang einzige Präsident und CEO von HP Inc. seit seiner Abspaltung von der früheren Hewlett-Packard, wird wie erwähnt zu Beginn des neuen Geschäftsjahres des Unternehmens am 1. November von dieser Position zurücktreten. Als Grund nannte er einen Krankheitsfall in der Familie.

Bildquelle: HP

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