Disaggregiertes Storage-System: Das neue Alletra-Modell Storage MP
Zugleich kommen bei Greenlake neue Storage-, Backup- und Recovery- sowie Disaster-Recovery-Services hinzu, die Datenspeicherung, -management und -sicherung in der Hybrid Cloud vereinfachen sollen. Die gute Nachricht für Nutzer von Power-Systemen der IBM: Sie können Greenlake nutzen – und zwar über den Virtuellen I/O-Server (VIOS).
Die neuen Datenservices sollen Kunden helfen, „Datensilos zu beseitigen, Kosten und Komplexität zu reduzieren und die Leistung zu verbessern“, heißt es in der Pressemitteilung. „Die neuen File-Storage-Datenservices bieten eine skalierbare, unternehmensgerechte Leistung für datenintensive Workloads, und die erweiterten Block-Services bieten unternehmenskritischen Speicher mit mittlerer Wirtschaftlichkeit.“ Die neuen Datei- und Blockangebote nutzen eine gemeinsame Architektur, so dass Kunden alle Datentypen über eine einheitliche Plattform in der Hybrid Cloud speichern, verwalten und schützen können.
Neue Multiprotokoll-Hardware soll für Flexibilität und hohe Leistung sowohl bei Block- als auch bei Dateispeicheranforderungen sorgen. Das neue Speichersystem besteht aus standardisierten, zusammensetzbaren Bausteinen für Rechenleistung (Node), Speicherkapazität (JBOF) und Netzwerk-Switches, die für verschiedene Software-definierte Storage-Personas und Anwendungsfälle konfiguriert werden können.
Diese Plattform heißt Alletra Storage MP – die Abkürzung steht für Multiprotokoll – und ist ein Disaggregiertes Storage-System. Gemeint ist damit eine Art von zusammengesetzter (Composable) Infrastruktur, die Unternehmen in die Lage versetzt, über eine Netzwerkstruktur auf logische Speicher-Pools zuzugreifen. So lassen sich Compute- und Storage-Systeme elastisch und unabhängig erweitern. Für Dateidienste genutzt wird die Architektur DisAggregiertes Shared Everything (DASE), implementiert durch Software von Vast Data mit einem oder mehreren 2RU-Controller-Chassis (2 CPU-Knoten pro Chassis), die über eine 100GbitE-NVMe-Fabric mit einem oder mehreren Arrays aus vielen Flash-Speichern in einem gemeinsamen Shelf (Just a Bunch of Flash, JBoF) kommunizieren. Diese JBoF-Shelfs sind mit bis zu 20 NVMe-SSDs (7,58 TB, 15,35 TB) und vier schnellen Flash-Laufwerken (800 GB, 1,6 TB verschlüsselt) für schnelle Metadaten-Operationen ausgestattet. Controller-Knoten und Kapazitätsknoten können unabhängig voneinander skaliert werden, was eine separate Leistungs- und Kapazitätsskalierung ermöglicht. Aruba-Switches verbinden die beiden Klassen von Hardware miteinander. Die Systeme verfügen über eine Kapazität zwischen 154 TB und 3.388 TB. Zu Performance oder Preisen wurden keine Details genannt.
Im Zentrum dieser STaaS-Ankündigung (Storage-as-a-Service) stehen neue Vast-Data-basierte Dateidienste für Greenlake und der Einsatz von Alletra-MP-Hardware sowohl für Scale-out-Datei- als auch für Block-Services, so dass Kunden Datei- und Block-Service auf einer einzigen Hardware-Plattform zusammenführen können. Allerdings handelt es sich bei File- und Block-Storage um zwei getrennte Software-Umgebungen. Es ist nicht möglich, ein einheitliches File+Block-System zu haben.
In den letzten beiden Jahren hatte HPE sein Cloud-basiertes Speicherportfolio zügig ausgebaut, sich von der Marke Apollo getrennt und eine Reihe neuer Alletra-Arrays entwickelt: Das Modell 9000 für latenzempfindliche Workloads, die Variante 6000 für Hochverfügbarkeit und Alletra 5000 für Nicht-All-Flash-Workloads. Im Januar kam das serverbasierte Modell 4000 mit Intels neuen Xeon SP-CPUs der vierten Generation hinzu. File-Services in Greenlake bab es auch bisher schon, realisiert über eine Partnerschaft mit Qumulo. Die bisherigen Block-Storage-Services von Greenlake werden fortgeführt. Künftig sind folgende Alletra-Modelle verfügbar:
- 9000 für unternehmenskritische Blockspeicher
- 6000 als Blockspeicher für geschäftskritische Anwendungen
- 5000 als Blockspeicher für allgemeine Zwecke
- MP als Scale-Out-Blockspeicher mit mittlerer Wirtschaftlichkeit
Die einzelnen Bausteine von Greenlake werden auf Pay-per-use-Basis betrieben und im Rechenzentrum des Kunden bereitgestellt - die Daten werden also intern gehalten und verlassen das Unternehmen nicht. Die Verwaltung erfolgt innerhalb von Greenlake über eine Web-Oberfläche, angelehnt an Public-Cloud-Konsolen. Service-Zentrierung, Flexibilität, Standardisierung, Abrechnung im Pay per use Modus – auch das sind Cloud-typische Eigenschaften, die der Kunde ins eigene Rechenzentrum einbringen kann.
Heutzutage soll auch Storage über eine Cloud-ähnliche Flexibilität und Nutzung bieten. Aus diesem Grund haben praktisch alle großen OEMs ihr früher auf Transaktionsbasis angebotenes Hardware- und Software-Portfolio in Dienstleistungen umgewandelt, die im Rahmen von Abonnements verkauft werden: HPE über die Greenlake-Plattform, Lenovo mit Truscale, Dell mit Apex und Cisco Systems mit Cisco+, um nur einige zu nennen. IBM bietet einen Blockspeicherservice mit Flash-Laufwerk-Geschwindigkeit und verschiedenen Leistungsstufen an. Kann der Speicher nicht tatsächlich in eine Cloud verlagert werden, wie es Pure Storage mit seinem Speicher-Software-Stack Purity praktiziert, dann sollte er möglichst Cloud-ähnlich sein, und die Storage-Management-Tools sollten den Cloud-Speicher möglichst in dasselbe Verwaltungsschema einbinden wie den On-Premises-Speicher.
„All das ist nichts Neues im Rechenzentrum“, sagte Omer Asad, Senior Vice President und General Manager für Cloud-Datenservices bei HPE, bei einem virtuellen Pressegespräch. „Wir verwenden die gleiche IP-basierte Kontrollstruktur, die jeder nutzt. Diese Bausteine werden nun wie Legosteine in die Fabric eingefügt. Man kann ihnen eine Persönlichkeit geben - eine Datei-Persönlichkeit oder eine Blockspeicher-Persönlichkeit am Backend. Alles wird gemeinsam genutzt. Es ist ein und derselbe Controller, der für die Leistung oder für die Kapazität konfiguriert werden kann. Dies vereinfacht unsere Supply-Chain und erlaubt es unseren Kunden, diese Boxen im Voraus zu lagern und bei Bedarf abzurufen. Beide Persönlichkeiten dieser Boxen werden von einer einzigen Cloud-Kontrollebene gesteuert.“ Punktlösungen im Storage-Bereich haben seiner Meinung bald nach ausgedient.
Zusätzlich zur Hardware gibt es neue und erweiterte Speicher-Services, darunter ein neuer Greenlake for File-Storage-Service. Dieser Service ist ausgerichtet auf datenintensive und volumenintensive Workloads wie KI, Deep Learning und Big Data, die sowohl Skalierbarkeit als auch ein einfacheres Management benötigen, weil die erzeugten Datenmengen immer schneller wachsen.
Verbessert wurde auch die Datensicherung im der Hybrid Cloud, denn jetzt unterstützt Greenlake einen einheitlichen Ansatz für Disaster Recovery sowie Backup und Recovery. Der Disaster-Recovery-Service arbeitet mit einer kontinuierlichen Datensicherung in der globalen SaaS-Plattform des Herstellers, basiert auf der Zerto-Technologie und ermöglicht so die Wiederherstellung nach Störungen mit einer einfachen, einheitlichen, automatisierten und orchestrierten Lösung für mehrere VMs. Der Backup&Recovery-Service schützt Workloads vor Ort und in der Cloud mit einheitlichem Management und einem einzigen Datenkatalog für private und öffentliche Cloud-Workloads. Darüber hinaus gibt es eine richtlinienbasierte Orchestrierung und eine verbrauchsabhängige Abrechnung.
Greenlake für File Storage und für Block Storage können ab sofort bestellt werden, Greenlake für Disaster Recovery ab Juni 2023. Die Lösung für Backup und Wiederherstellung ist bereits verfügbar.
Bildquelle: HPE, iStock / Getty Images Plus