IBM i bei über 150.000 Firmen im Einsatz

IBM beendet Geheimniskrämerei

Das Betriebssystem IBM i ist bei mehr als 150.000 Unternehmen im Einsatz. Mit dieser klaren Aussage lüftete Colin Parris, General Manager für die IBM Power Systems, nach einer mehr als zehn Jahre währenden Phase des Schweigens am 11. Juli den Schleier des Geheimnisses um die AS/400-Installationszahlen. Und das gleich im ersten Satz der aktualisierten Roadmap.

  • Wohl bis 2001 ist die Zahl von AS/400-Kunden und -installationen kontinuierlich gewachsen – hier die letzte uns vorliegende IBM-Grafik

  • Colin Parris, General Manager für die IBM Power Systems

Schon lange publiziert IBM gar keine Umsatz- und Absatzzahlen mehr für die i-Plattform, sondern addiert diese seit 2008 zu denen des „Converged System p“ – wohl auch, um dessen Zahlen im umkämpften Unixserver-Markt aufzupeppen.

Bis kurz nach der Jahrtausendwende herrschte dagegen noch absolute Transparenz. IBM veröffentlichte mit jeder Quartalsbilanz auch alle Details zu allen Serververkäufen, u.a. auch für die AS/400 (die im Jahr 2000 in iSeries umbenannt worden war). Die Zahl der Kunden, die mit einer AS/400 arbeiteten, war ebenso bekannt wie die Zahl der Rechner, die bei ihnen im Einsatz waren (siehe Grafik).

Dann wurden nur noch relative Zahlen veröffentlicht, so dass man rechnen musste. 2003 beispielsweise wuchs der iSeries-Umsatz um 7 Prozent – und es wurden rund 2.500 Neukunden dafür gewonnen. Das war kaum mehr als die Hälfte der 4.000 Neukunden von 2002; es könnte gut sein, das hier die seit 1988 stetig steigende Zahl der AS/400-Kunden erstmals schrumpfte, weil mehr Kunden von der AS/400 abwanderten als zur Community hinzukamen. Vielleicht war das aber auch schon 2002 der Fall, so dass die uns vorliegende letzte Grafik aus dem IBM-Fundus die maximale Ausdehnung des AS/400-Universums markieren würde.

Spätestens seit 2003 aber ist die AS/400-Welt definitiv geschrumpft. Das war auch schon vor dem 11. Juli klar, denn Firmenpleiten, Fusionen, Migrationen und Outsourcing haben am Bestand der AS/400-Kunden genagt – und von Neukunden war selten die Rede. Doch die gute Nachricht ist: Offenbar wurde der Abwärtstrend so gebremst, dass IBM wieder Klartext reden will. Und: Parris erwähnt in der Roadmap beispielsweise erstmals nicht nur den Nachfolger des aktuellen Betriebssystems IBM i 7.1, sondern auch iNext + 1 – um die von der lieben Konkurrenz immer wieder angezweifelte Zukunftssicherheit der Plattform zu unterstreichen.

Denn die Zahl der 150.000 Kunden belegt, dass das AS/400-Universum keinesfalls kollabiert, wie je nach Standpunkt vielfach befürchtet oder erhofft. Sie liegt damit in etwa auf dem Niveau kurz nach dem Urknall der AS/400-Ankündigung im Jahr 1988, ein Niveau, von dem aus seinerzeit die einmalige Erfolgsgeschichte gelang. Auch deshalb betont Parris schon in seinem Vorwort zur Roadmap: „You will find that our commitment to our IBM i clients, ISVs and business partners is solid and unchanged. We continue to make substantial investments in the future of IBM i as an important, strategic element in our IBM systems portfolio.“

Jetzt steht mit dem Pure System der legitime Nachfolger der AS/400 am Start, der das pulsierende AS/400-Universum wieder zum Expandieren bringen kann. „IBM i continues to be in the forefront of Power Systems technologies“, schreibt Parris in der Roadmap. „Clients choosing an IBM Pureflex Server may select IBM i as their Operating System of choice.“ Es ist wohl auch kein Zufall, dass die Roadmap zeitgleich mit der Verfügbarkeit der Power7-Prozessoren für Pureflex aktualisiert worden ist.

Die Voraussetzungen für eine Wiederholung der Erfolgsstory sind da: Die Alleinstellungsmerkmale der Plattform in Form niedriger Betriebskosten, hoher Zuverlässigkeit, Ease of Use und Sicherheit. Dazu kommen zufriedene Kunden, 850 Softwarepartner und rund um den Globus viele treue Systemhaus-Vasallen.

Wie in der Roadmap ausgeführt, sind aktuell mehr als 2.300 Applikationen bereits für das aktuelle Betriebssystem IBM i 7.1 zertifiziert. Als Anbieter exemplarisch genannt werden Global Player wie Infor, SAP und Oracle/JD Edwards, aber auch regional starke Softwarehäuser wie Misys, Fiserv oder Silverlake. Auch etliche Anbieter von Software-Tools werden namentlich gewürdigt, im Bereich Hochverfügbarkeit etwa Vision Solutions, Maxava, Traders und Rocket Software, im Bereich Systemmanagement Help/Systems, Halcyon, Centerfield Technology und die Midrange Performance Group sowie im Bereich Anwendungsmodernisierung Arcad, BCD, Databorough, Lansa, Looksoftware und Zend.

Am Rande geht Parris  in der 16 Seiten starken Roadmap  auf die aktuelle Marktsituation ein. Demnach verteilen sich die mehr als 150.000 Kunden auf 115 Länder in aller Welt. Die installierte Basis befindet sich überwiegend in Nordamerika, Westeuropa und Japan; aus diesen Regionen stammten 2011 rund 80 Prozent des IBM-i-Umsatzes. IBM i sei aber auch in Wachstumsmärkten wie Lateinamerika, Osteuropa und Südostasien erfolgreich, insbesondere bei Banken und Speditionen. Speziell in China spiele IBM i bei Banken und Versicherungen eine große Rolle.

Der Markt für IBM i demnach zweigeteilt: 70 Prozent der IBM-i-User arbeiten bei Mittelständlern, 30 Prozent bei Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Das spiegelt sich auch in der Hardware-Nachfrage: 85 Prozent der Auslieferungen von IBM i waren 2011 für die Einstiegsmodelle Power 720 und 740 gedacht, während Großunternehmen die Enterprise-Systeme Power 770, 780 und 795 nutzen.

Mittelständler nutzen seit je jeher IBM i als zuverlässigere, sicherere und kosteneffizientere Alternative zu Windows- und Unix/Linux-Servern. Dagegen hat sich das Einsatzfeld bei Großunternehmen in der letzten Dekade laut Parris gravierend gewandelt. Waren damals viele AS/400-Systeme als Abteilungs- oder Niederlassungsserver außerhalb des eigentlichen Konzerrechenzentrums wichtige Bausteine der sogenannten „Verteilten Datenverarbeitung“, sind sie heute nach den Fortschritten in Netzwerk- und Virtualisierungstechnik längst auf wenige große Maschinen in der Firmenzentrale konsolidiert worden.

http://www-03.ibm.com/systems/power/software/i/strategy.html

Bildquelle: IBM

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