Hierzlande fast 1.000 Kündigungen geplant, in Österreich 200

IBM bleibt auf Schrumpfkurs

Am Abend des 18. Januar 2021 informierte IBM Deutschland die Aufsichtsratsgremien und im Laufe des gestrigen Tages die zuständigen Betriebsratsgremien über Pläne, fast 1.000 Arbeitsplätze abzubauen und ebensoviele Kündigungen auszusprechen. Das teilte die Gewerkschaft Verdi mit.

  • Verdis Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz: „Respekt, Anerkennung und Wertschätzung sehen anders aus – wir fordern den Konzern auf, die Pläne nicht umzusetzen.“

Wie die Gewerkschaft Verdi gestern mitteilte, wurde in einer unmittelbar angesetzten Videokonferenz die Lage im IBM-Konzern bewertet. Danach wurde IBM aufgefordert, die Kündigungspläne zurückzunehmen. „Respekt, Anerkennung und Wertschätzung sehen anders aus – wir fordern den Konzern auf, die Pläne nicht umzusetzen“, wird Verdis Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz in einer Pressemitteilung zitiert. „Die Beschäftigten haben gerade in Zeiten der Pandemie Außerordentliches geleistet. Ihnen jetzt mit Kündigung zu drohen, erzeugt ein Klima der Unsicherheit und der Angst. So kann der Konzernumbau nicht gelingen.“

Die Pläne kommen nicht aus heiterem Himmel, denn bereits im Herbst wurde bekannt, dass IBM im Vorfeld der Abspaltung von Newco allein in Deutschland rund 2.300 der seinerzeit noch 12.000 Arbeitsplätze streichen wollte. Gut 1.200 Beschäftigte hätten bereits ein Aufhebungsangebot des Konzerns angenommen, heißt es jetzt von der Gewerkschaft. Mit dem Verweis auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und einer Neuausrichtung der Organisation und der Skills sei jetzt angekündigt worden, dass fast 1.000 Kolleginnen und Kollegen eine Kündigung ausgesprochen werden könnte.

„Wir haben in den vergangenen Wochen versucht, der Geschäftsleitung der IBM verschiedene Wege zu erläutern, um Kündigungen zu verhindern“, sagt Bert Stach, bei Verdi Konzernbetreuer für IBM. „Wir werden uns für eine optimale Vertretung unserer Mitglieder in möglichen Kündigungsschutzprozessen engagieren.“ Es seien Infoveranstaltungen und Proteste in Planung.

Auch bei IBM Österreich – zuletzt noch knapp 750 Köpfe zählend – steht offenbar ein großer Stellenabbau ins Haus. Zeitungen im Nachbarland schreiben von bis zu 200 Jobs, die noch im Januar gestrichen würden. 2010 hatte IBM Österreich noch fast 1.800 Menschen beschäftigt. Der Umsatz blieb über diesen Zeitraum nahezu stabil, bei rund 400 Mio. Euro.

In Europa sollen im Rahmen der aktuellen Massenentlassung insgesamt etwa 10.000 Arbeitsplätze (rund 20% der IBMer in der Region); in Frankreich sind es mehr als 1.250 Jobs. In Großbritannien und Irland sollen 2.000 Stellen gestrichen werden, berichtete "Channel Partner Insight" Mitte November. In Polen werden dem Vernehmen nach 2.000 Stellen gestrichen, in Ungarn rund 300.

Bildquelle: Verdi, Gerd Altmann / Pixabay

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