Kommentar von Wolfgang Greulich, Gründer und Inhaber des IBM-Partners WS Datenservice

IBM i als Managed-Service

Viele Märchen beginnen mit dem Satz: Es war einmal. So gab es eine Zeit im Jahr 2012, als die IBM ihre „City Cloud“-Initiative ausrief und schneller als gedacht wieder einstampfte, was ja auch nicht untypisch ist für einen Hersteller in dieser Größenordnung.

Wolfgang Greulich: „Die eigentliche ‚Managed Service“-Infrastruktur unterscheidet sich in vielen Fällen eigentlich gar nicht von einem On-Premises-Ansatz.“

IBM i oder auch Power als „Managed Service“ aus einem Rechenzentrum war bis 2012 eher den „großen“ Kunden vorbehalten – und selbst von denen wurde es nicht wirklich genutzt. Damals war die Aufgabe klar definiert: Innerhalb eines Jahres sollten Partner IBM i flächendeckend aus deutschen Rechenzentren liefern können. 

Heute, zwölf Jahre später, klingt das fast schon nostalgisch. Klar, heute machen das so manche Partner – aber 2012 beginnend im Team mit der IBM stand da nur ein absolut leeres Excel-Sheet, mehr war es nicht. Dieses Sheet wurde über die Jahre aber ordentlich mit Inhalt gefüllt, so dass sich das Ergebnis inzwischen wirklich sehen lassen kann. Und das selbst im internationalen Vergleich, oder gerade auch da. Dieses Ergebnis ist noch ein gutes Stück „made in germany“ – ein Stück echter deutscher Mittelstand.

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Die eigentliche „Managed Service“-Infra­struktur unterscheidet sich in vielen Fällen eigentlich gar nicht von einem On-Premises-Ansatz, wie er beim Kunden verbaut würde. Schneller und größer vielleicht, aber im Kern sind es oftmals dieselben Systeme, insbesondere, wenn der Kunde ein großer ist. Mittlere und kleinere Kunden dagegen würden sich wahrscheinlich diese Infrastruktur nicht leisten wollen oder können, denn modernste Power- und Storage-Systeme sind ebenso gesetzt wie Intel- und AMD-Server der ­aktuellen Generation. 

Die Vorbehalte der Administratoren, die sich anfänglich um ihre Jobs sorgten, haben sich im Lauf der Jahre gänzlich in Luft aufgelöst. Sie haben der Erkenntnis Platz gemacht, dass die potentiell berechtigte Sorge um potentielle Hardware-Defekte gut, wenn nicht besser in den Händen des zuverlässigen Partners aufgehoben ist. „Schaffen Sie mir die gelbe Lampen vom Hals“, so in etwa lautete der erste Auftrag unseres ersten MSP-Kunden im Jahr 2011. Das wurde prompt erledigt – und nebenbei noch viel mehr: 

Stichwort Internet: Ja, die Abhängigkeit von Internet-basierenden Leitungen ist gegeben, aber redundante, bis zum Endpunkt durch das Monitoring überwachte, hochverfügbare Anbindungen an die Rechenzentren sind mittlerweile Standard. Darunter geht es nicht, bzw. mit weniger sollte man gar nicht erst anfangen. Und mal Hand aufs Herz: Was geht heute noch ganz ohne Internet? Die Abhängigkeit der Geschäftsprozesse von einzelnen Systemen ist doch schon längst einer Abhängigkeit von der gesamten Systematik gewichen – inklusive Internet und diverser externer Anwendungen. Gerade das macht doch auch einen IT-Betrieb mit Managed-Services so extrem attraktiv und sinnvoll. Alles oder nichts.

Stichwort Monitoring: Hier gilt in etwa das Gleiche wie bei der Prophylaxe beim Zahnarzt. Eine lebenslange Vorsorge ist um Klassen besser als die lebenslange Reparatur im Schadensfall. Einrichtung und Pflege des Monitoring erfordern zwar Zeit und Akribie, sind aber lohnend. Macht doch Sinn, Fehler schon zu entdecken, bevor sie auftreten.

Stichwort Virtualisierung: Manchmal wundern sich Kunden, wenn sie hören, dass nicht Vmware diese Technologie erfunden hat, sondern schon die allererste AS/400 ein virtualisiertes System war. Kontinuierlich weiterentwickelt, ist es heute in nahezu vollendeter Form implementiert. Das ist wichtig, denn moderne Rechenzentren sind heute fast vollständig virtualisiert. Das macht die Administration zwar nicht einfacher, aber flexibler und gestaltbarer.

Stichwort Compliance: In vielen Fällen hilft die Managed-Service-Umgebung bei der Einhaltung der zahlreichen regulatorischen Anforderungen. In den meisten Fällen ist der Managed-Service-Partner in sehr professionelle Rechenzentren eingemietet und benutzt die mitgemieteten Standards à la ISO27001. Probleme mit Klima, Strom und Internet gehören schlag­artig der Vergangenheit an, was für eine sehr, sehr hohe Verfügbarkeit sorgt. Die Frage nach IT-Hochverfügbarkeit wird jetzt ebenfalls idealerweise vom Provider beantwortet – und nicht mehr vom Kunden selbst.

Stichwort Performance: Nahezu alle relevanten Merkmale wie CPU, Arbeitsspeicher und Festplattenspeicher sind in jede Richtung skalierbar: granular, dynamisch, überwiegend in Echtzeit und eben auch überwacht. Anders geht das heute nicht mehr, um den Anforderungen des eigenen Unternehmens schnell gerecht zu werden.

Stichwörter Public und Hybrid: Was überwiegend als private Cloud benutzt wird, hat idealerweise jederzeit alle Möglichkeiten in Richtung Hybrid- und Public-Cloud. Beachtet man alle Punkte wie Antwortzeiten und Latenzen, dann klappt das auch. Die Entscheidung, wo und wie zerstreut dann die Unternehmensdaten liegen, ist und bleibt eine Kundenentscheidung. Das war von Anfang so – und wird auch so bleiben. Die zentrale Datenhaltung hat ganz sicherlich ihren Charme behalten können.

Stichwort Lizenzen: Diese wurden früher immer gekauft. Heute werden sie gemietet, monatlich und ebenfalls in jede Richtung skalierbar. Eine gemähte Wiese für alle Hersteller, sozusagen das Dauerabo des Kunden. Positiv betrachtet natürlich die einzig richtige Antwort für den Managed-Service-Betrieb. Auch der jüngste Vorstoß in diese Richtung von IBM kann deshalb aus IBM-i-Sicht als ein Schritt in die richtige Zukunft gewertet werden. Und Überraschungen sind wir ja gewöhnt, der Umgang damit zeichnet uns insgesamt ja aus.

Stichwörter gibt es also genug. Aber das Ganze funktioniert immer auch nur so gut, wie die Menschen im Umgang damit geeignet und ausgebildet sind. Da kommen die Stichwörter Mensch und Teaming hinzu. Gerade die Zusammenarbeit der IT-Teams des Kunden und des Managed-Service-Providers sind ausschlaggebend für den Auftritt der Unternehmens-IT gegenüber den Anwendern im Unternehmen. Sportlich, aber machbar!

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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