Die Hyperscaler bieten Legacy-Optionen für IBM i an

IBM i in der Public Cloud

Lange hat es gedauert – aber mittlerweile scheint die Zeit reif dafür, IBM i in der Public Cloud zu nutzen. Nicht nur in der IBM Cloud ist die bekannt robuste und sichere Betriebsplattform mittlerweile zu finden. Mit Google und Microsoft warten auch zwei weitere Schwergewichte der Branche mit Power i in ihren Clouds auf.

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Seit dem Frühjahr ist IBM i auf Power9-Systemen über das neue Angebot „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“ verfügbar – und zwar „in ausgewählten IBM Cloud-Rechenzentren“, wie es bei IBM heißt. Dabei bleibt es aber nicht, denn offenbar baut Google gemeinsam mit IBM das zu Jahresbeginn lancierte „Infrastruktur als Service“-Angebot (IaaS) weiter aus. Dieses neue Angebot ermöglicht die Bereitstellung von Power-i- und zugehörigen x86-Workloads in der Cloud mit Diensten aus der Google Cloud Platform (GCP) für Speicherung, Netzwerkbetrieb, x86-Computing und Analyse. Eine echte Cloud-Lösung, die von einem Tier 1 Cloud-Anbieter bereitgestellt wird.

IBM Power Systems für Google Cloud

Für dieses neue Angebot der IBM namens „IBM Power Systems für Google Cloud“ hat Google in seinem Cloud-Rechenzentrum US-East 4 in Nord-Virginia S922-Server installiert – und verkauft Zugriff auf Slices von IBM-i-, AIX- und Linux-Systemen, die auf PowerVM laufen. GCP-Kunden können ihre IBM-i-Umgebungen dann nach Bedarf über eine Webkonsole, eine API oder eine Befehlszeilenschnittstelle erweitern und verkleinern, genau wie bei X86-Workloads.

IBM übernimmt die Wartung der gesamten Hardware, Firmware und Systemsoftware im Google-Rechenzentrum verantwortlich, während der Kunde für die Wartung der Anwendungen und aller Tools oberhalb der Betriebssystemebene verantwortlich ist, sagte Carl Burnett, ein Ingenieur der Power-Systems-Softwaregruppe bei IBM, in auf der Google Next 2019 im April (Video hier). „Dabei betreibt IBM die Infrastruktur", sagte Burnett. „Wir verwalten also die Hardware und den Systemsoftware-Stack. […] Wir kümmern uns darum, pflegen das, patchen das. Sobald die virtuelle Maschine mit einem laufenden Betriebssystem bereitgestellt wurde, liegt es in der Verantwortung des Abonnenten, das Betriebssystem zu verwalten und zu warten.“

IBM i im Abo bei Google

Wer Power-Systeme in der Google Cloud abonniert, kann mit einem kleinen System wie einem halben Power9-Kern und 4 GB RAM beginnen – und es dann auf ein großes System mit 192 Kernen und 64 TB RAM ausbauen. Man könne auch ganz einfach vorkonfigurierte Power-Umgebungen kaufen, ganz ähnlich wie T-Shirts in den Größen Small, Medium, Large und Extra-Large. Wer mit einem kleinen „T-Shirt“ beginnt, könne einfach auf ein mittleres oder großes „T-Shirt“ upgraden. Brauche er das nur vorübergehend, könne er auch zu dem kleinen T-Shirt zurückkehren. Ein kleines „T-Shirt“ ist dann ab 7.500 Dollar pro Monat erhältlich.

Für Googles Cloud-Kunden sei der Zugriff auf die Power-Umgebungen einfach, sagte Andy Waddell, technischer Programmmanager bei Google Cloud. „Wir haben die Abrechnung so integriert, dass Sie die Software von IBM über den Google Cloud Marketplace erwerben“, so Waddell auf der Google Next 2019. „Die Abrechnung erfolgt über Google – und wird in Ihrer Cloud-Rechnung als Einzelposten zusammen mit allen anderen genutzten Google-Diensten angezeigt. Der Service wird auf der Basis eines monatlichen Abonnements angeboten, das auf derjenigen Infrastruktur basiert, die Sie abonnieren möchten.“

Verschiedene Schnittstellen

Der Zugriff auf IBM i über die GCP kann per Befehlszeilenschnittstelle (Command Line Interface, CLI), Webkonsole oder auch APIs erfolgen. Google hat die Technologie dahinter zum ersten Mal einem Partner, in diesem Fall IBM, zur Verfügung gestellt. Wer das Angebot abonnieren will, leitet zuerst den Kauf auf dem Marktplatz ein, gibt dann einen privaten IP-Bereich an, der verwendet werden soll und und reserviert diese Instanz in seiner Google Virtual Private Cloud (VPC) in dem Projekt. Dann erhält man einen Peering-Befehl, der ausgeführt muss, weil Google das Kundeprojekt ja nicht steuern kann.

Dieser Peering-Befehl überführt die gebuchte Power-Umgebung dann in eine andere VPC innerhalb der Google Cloud, die der IBM gehört. Danach ist Google aus dem Spiel und IBM den Betrieb, insklusve Netzwerk, Speicher und so weiter. Das ist so transparent, das der Kunde mit den Routen zu den LPARs bei IBM auskommt. „Wir glauben, dass die Kunden das sehr einfach finden werden“, meinte Waddell.

Skytap bringt IBM i auf Azure

Das gemeinsame Cloud-Angebot von IBM und Google ähnelt dem neuen IaaS-Cloud-Paket, das Skytap und Microsoft für Azure angekündigt haben. Dabei verwaltet Microsoft Power-Server der Baureihe S922 mit zwei Sockets in einem Azure-Rechenzentrum an der Ostküste der USA, während das Softwarehaus Skytap für den Firmware- und Systemsoftware-Stack zuständig ist.

Der neue Service verspricht Unterstützung für heterogene Anwendungsstacks, einschließlich spezifischer Unterstützung für Power-Workloads, die unter AIX, IBM i oder Linux ausgeführt werden. Skytap will noch in diesem Jahr eine Vorschau seines Dienstes für eine neue Klasse von Microsoft Azure Bare Metal anzeigen.

Diese Zusammenarbeit soll laut Skytap Mehrwert mit traditionellen Anwendungen schaffen, ohne dass ein aufwändiges und riskantes „Replatforming“ nötig wäre; beispielsweise lassen sich die Anwendungen so einfach um andere Webdiensten, mobile Funktionen, KI oder IoT erweitern. Skytap bietet heute schon eine Vorschau der Möglichkeiten, die beim Verbessern und Erweitern älterer IBM i-Anwendungen mithilfe von DB2 on Skytap und dem Azure IoT Hub möglich sind.

„In Zusammenarbeit mit Microsoft bringen wir unsere native Unterstützung für eine Vielzahl von Legacy-Anwendungen in die Azure-Cloud, einschließlich von Anwendungen auf IBM i, AIX und Linux on Power. Auf diese Weise können Unternehmen die Lebensdauer traditioneller Systeme verlängern und ihren Wert durch die Modernisierung mit Azure-Diensten steigern, sagte Brad Schick, CEO von Skytap.

CI/CD-Toolchains implementieren

Nach dem Wechsel zu Skytap on Azure können Kunden neben CI/CD-Toolchains für Power wie Eradani und Urban Code auch Azure DevOps integrieren. Solche Toolchains können die Softwarebereitstellung im Rahmen einer agilen Entwicklung deutlich beschleunigen. Eric Lockard, Corporate Vice President von Microsoft für Azure Dedicated, sagte: „Wir wissen, dass Unternehmen viele kritische Systeme haben, die nicht für die Cloud entwickelt wurden. Die Fähigkeit von Skytap, diese Anwendungen in Microsoft Azure mit minimalen Änderungen zu migrieren und auszuführen, beschleunigt ihre Übernahme in die Cloud. Einmal auf Microsoft Azure, können Unternehmen dann auch herkömmliche Systeme mit nativen Cloud-Diensten verbessern und neue Optionen für Innovation und die Bereitstellung von Kundennutzen eröffnen.

Die Tools in der CI/CD-Kette adressieren unterschiedliche Aufgaben. „CI“ bedeutet „Continuous Integration“, meint also den Automatisierungsprozess für Entwickler. Bei erfolgreicher CI werden regelmäßig neue Codeänderungen für Apps entwickelt, geprüft und in einem gemeinsamen Repository zusammengeführt. Damit sollen Konflikte verhindert werden, wenn viele Entwickler zeitgleich an einer App arbeiten.

„CD“ bedeutet „Continuous Delivery“ oder auch „Continuous Deployment“. Dass sind verwandte Konzepte, die zuweilen synonym verwendet werden. Obwohl es bei beiden Konzepten um die Automatisierung weiterer Phasen der Pipeline geht, werden die Begriffe manchmal unterschiedlich verwendet, um das Ausmaß der Automatisierung zu verdeutlichen.

Continuous Delivery bedeutet üblicherweise, dass App-Änderungen eines Entwicklers automatisch auf Bugs getestet und in ein Repository (wie Github oder einer Container-Registry) hochgeladen werden, von wo aus sie vom Ops-Team in einer Live-Produktionsumgebung implementiert werden können. Dieser Vorgang ist die Antwort auf Transparenz- und Kommunikationsprobleme zwischen Dev- und Business-Teams. Damit soll sichergestellt werden, dass neuer Code mit minimalem Aufwand implementiert werden kann.

Ops-Teams von manuellen Prozessen entlasten

Continuous Deployment (das andere „CD“) kann sich auf die automatische Freigabe von Entwickleränderungen vom Repository zur Produktionsphase beziehen, wo sie direkt vom Kunden genutzt werden können. Dieser Vorgang soll der Überlastung von Ops-Teams bei manuellen Prozessen entgegenwirken, die die Anwendungsbereitstellung verlangsamen. Continuous Development baut die Vorteile der Continuous Delivery aus, indem auch noch die nächste Phase der Pipeline automatisiert wird.

All das sind Vorteile, die in der Cloud relativ einfach nutzbar werden – unabhängig von der Plattform. Natürlich bieten IBM, Google und Microsoft dafür unterschiedliche Tools und Services an. Und auch bei Pricing und Service-Levels gibt es Differenzierungspotentiale, die eifrig genutzt werden.

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