Stefan Kinkartz ist Manager IBM Systems & Services der Veda GmbH und leitet seit über zehn Jahren das IBM-Team des Alsdorfer Softwarehauses und Service-Providers.
Natürlich ist IBM i ein proprietäres System, das unter privater Lizenz steht. Zur Ergänzung des streng geheimen Codes existieren aber überraschend viele Open-Source-Anwendungen, die für die Plattform verfügbar sind. Die ewige Frage lautet also weiterhin: Offen oder geschlossen in die Zukunft?
IBM möchte den Nutzern der IBM-i-Plattform zumindest eine Antwortmöglichkeit bieten und treibt die Integration schon seit AS/400-Zeiten voran: Was mit Apache/Tomcat, Perl und Java vor knapp zwanzig Jahren begann, wurde mit Kerberos, PHP und Samba über die Jahre fortgesetzt. Tools wie Git, Nginx, Node.js und Orion kamen hinzu. Die hauseigene RPG- wie auch Cobol-Umgebung lässt sich heute durch zahlreiche Programmiersprachen erweitern, um mit SQL, Java, .Net, PHP, C und C++ nur einige zu nennen.
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Dabei kommt die nötige Unterstützung für Open-Source-Produkte nicht immer von IBM selbst, sondern auch von deren Herstellern. So kommt beispielsweise der Support für Zend-Studio und -Server, die Entwicklungs- und die Laufzeitumgebung für PHP, vom Hersteller Zend, seit 2019 eine Tochter von Perforce Software. Oder der Support für die dynamische, freie Programmiersprache Ruby ist bei Power Ruby erhältlich; dieses britische Softwarehaus ist verantwortlich für Ruby on Rails, der Implementierung dieser objektorientierten Programmiersprache für IBM i.
2018 gab IBM zudem den Support für das populäre Open-Source-Paketmanagement-Ökosystem rpm/yum auf IBM i frei, wodurch Verfügbarkeit und Akzeptanz offener Software weiter gewachsen sind. Der Grund ist einfach: Die Open-Source-Solutions-Pakete müssen nicht mehr mit Hilfe des mittlerweile ausgemusterten Lizenzprogramms 5733-OPS installiert werden, sondern wie allgemein üblich als normales RPM-Paket.
Big Blue hat also viel getan, um einerseits die Power-Plattform auch für Nicht-RPG-Programmierer attraktiver zu machen, andererseits aber auch, um allen IBM-i-Entwicklern zusätzlich auch einfach Zugang zu neuesten Web-Technologien zu ermöglichen. Warum die den Zugang nutzen sollten, macht ein ein etwas genauerer Blick auf den Stellenwert, die Vorteile und die Chancen von Open Source im Unternehmen deutlich.
Laut Open-Source-Monitor des Digitalverbands Bitkom sind rund drei Viertel (75 Prozent) der befragten Unternehmen generell an Open Source interessiert und dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Rund jedes dritte größere Unternehmen in Deutschland (31 Prozent) beteiligt sich heute bereits aktiv an der Entwicklung von Open-Source-Software. Beachtliche zwei Drittel der Unternehmen ab 100 Beschäftigten (69 Prozent) geben sogar an, Open-Source-Software bewusst einzusetzen. Ihr Hauptmotiv mit 17 Prozent Anteil: Kosten einsparen (siehe Grafik).
Dass auch die Software-Entwicklung auf IBM i auf dem Vormarsch ist, belegt eine aktuelle IBM-i-Marktumfrage: Die Zahl der Unternehmen mit mehr als elf IBM-i-Entwicklern ist mit 25 Prozent auf den bisher höchsten Wert gestiegen. Dabei nutzt der Großteil der Unternehmen die Plattform IBM i für selbstentwickelte Anwendungen, was wiederum bedeutet, dass Entwickler mit internem Wissen notwendig sind, um diese geschäftskritischen Anwendungen am Laufen zu halten und zu aktualisieren. Open Source wird hier, aktuell und in Zukunft, wohl eine immer größere Rolle spielen.
Der Innovationsgrad im Open-Source-Bereich lässt sich treffend mit dem Wort „hoch“ beschreiben. Ob Cloud Computing, das Internet der Dinge, Big Data, Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen oder andere innovative Software-Anwendungen – praktisch jede „transformierende“ Technologie ist mit verschiedenen Open-Source-Projekten verbunden. Dabei profitieren diese Technologien von den Ideen und Fähigkeiten hunderter und manchmal tausender talentierter Entwickler. Das ist etwas, was ein einzelnes Unternehmen mit seiner begrenzten Mitarbeiterzahl einfach nicht erreichen kann. Hinzu kommt, dass die Menschen, die an Open-Source-Projekten arbeiten, dies in der Regel aus Leidenschaft für die Technologie und nicht aufgrund einer wirtschaftlichen Notwendigkeit tun.
Was bedeutet das für IBM i-Anwender? Es bedeutet, dass Unternehmen, die die IBM-i-Plattform für ihre Geschäftsanwendungen einsetzen, von denselben technisch überlegenen Lösungen wie andere Plattformen profitieren können. Es bedeutet auch mehr Wahlmöglichkeiten – sowohl in Bezug auf die Art der Lösungen, die eingesetzt werden, als auch in Bezug auf die Vielfalt bei der Auswahl der speziellen Produkten zur Erfüllung einer bestimmten Geschäftsanforderung. Und da die Verfügbarkeit heute mit 400 aktuellen Paketen für IBM i schon groß ist und kontinuierlich wächst, existieren viele Möglichkeiten, zum Beispiel:
Die Verfügbarkeit der Open-Source-Sprachen bringt einen weiteren Vorteil mit sich, der über die reine Auswahl (siehe Grafik) hinausgeht: Sie eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, neue Talente für die Software-Entwicklung auf der IBM-i-Plattform zu gewinnen. Und das ist etwas, was in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels wichtiger denn je ist, denn viele Experten aus AS/400-Tagen verabschieden sich peu à peu in den Ruhestand.
Diese neuen Talente können dann ja die Open-Source-Sprachen und deren Integrationspunkte in IBM i verwenden, um maßgeschneiderte Lösungen für das Unternehmen zu entwickeln, die auf dem aktuellen Know-how basieren, das sie an den Universitäten und technischen Schulen erworben haben.
Die Vorteile von Open Source auf IBM i sind also groß – der Einsatz schafft Raum für Innovationen, fördert die Flexibilität und bietet neue Chancen. Außerdem hat offene Software eine Fülle neuer Funktionen auf die Plattform IBM i gebracht. -Ideale Voraussetzungen also, um die eigenen Geschäftsanwendungen auf der bewährten Plattform weiter voranzutreiben. Klar ist aber auch, dass Open Source Unternehmen davon befreien kann, ihre aktuellen und zukünftigen Optionen nur auf die eigenen Fähigkeiten zu beschränken. Und das macht sie am Ende deutlich flexibler.
Kommt dann noch ein spezialisierter Anbieter hinzu, der sich mit Managed-Services und Hosting das kosteneffiziente Outsourcing der eigenen IT übernehmen kann, gewinnen die Unternehmen noch mehr Flexibilität. Und die Freiheit, sich voll und ganz auf die Weiterentwicklung ihrer wichtigen Anwendungen zu konzentrieren – sei es mit Open Source oder ohne.
Bildquelle: Bitkom, Tim Mossholder / Unsplash, IBM