Neues SaaS-Angebot „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“ vorgestellt

IBM i wandert in die Public Cloud

Lange hat es gedauert – bald könnte es soweit sein: IBM bringt die beiden Betriebssystem-Klassiker „IBM i“ und AIX in die Public Cloud – und zwar gemeinsam mit dem aktuellen Power9-Prozessor. Bisher waren in der IBM Cloud nur Power8-Maschinen zu buchen – und das auch nur mit dem Betriebssystem Ubuntu. Das ist noch weit entfernt von einem produktiven Betrieb im Mittelstand; beispielsweise ist Power8 mit Ubuntu nicht für SAP zertifiziert.

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Um in der heutigen Hybrid- und Multi-Cloud-Wirklichkeit endlich bei Mittelstandskunden Fuß zu fassen, will IBM ihren Kunden mit IBM-i- und AIX-Servern einen direkten Weg in die Cloud anbieten. Noch liegt dieser Weg weitgehend im Nebel, denn wann genau und zu welchem Preis IBM i mit den zugehörigen Software-Produkten und entsprechenden Speichermöglichkeiten in der Cloud auch deutschen Kunden angeboten wird, ist noch nicht genau bekannt. Nur soviel: Die Power9-Plattform wird in diesem Frühjahr mit dem neuen „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“ verfügbar – und zwar, wie es bei IBM heißt, „in ausgewählten IBM Cloud-Rechenzentren“.

Noch gibt viele Fragen dazu, wie dies alles verpackt und unter dem umständlichen Namen verkauft werden soll. Die Ankündigung folgt jedenfalls der IBM-Erkenntnis, dass ein durchschnittliches Unternehmen heute mit mehr als fünf Clouds arbeitet, aus denen über 1.000 Cloud- und SaaS-Anwendungen und über 20 Datenquellen genutzt werden.

Aus der AS/400-Zeit in die Cloud

Gerade Mittelständler, die sich seit den Tagen der AS/400 auf IBM-Rechner verlassen, wollen nicht das Risiko eingehen, all ihre Daten in die Public Cloud zu geben. Andererseits wollen auch sie moderne Cloud-Lösungen nutzen, weshalb IBM nun mit dem neuen Angebot einen modernen Weg in die Cloud ebnen will, auf dem Unternehmen ihre bewährten Anwendungen und ihre lokale IT-Infrastruktur mit neuen Public- und „Virtual Private“-Clouds kombinieren können.

Aktuelle AIX- und IBM-i-Kunden der IBM können den „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“ für eine Reihe von Workload-Szenarien nutzen, etwa Notfallwiederherstellung, Entwicklungs- / Testumgebungen oder der Verlagerung von Teilen der IT-Infrastruktur in die Cloud. Da die Infrastruktur-Layer identisch ist, können Systemadministratoren, die heute AIX- oder IBM-i-Systeme vor Ort betreiben, die gewohnten Tools, Workflows und Add-ons auch in der Cloud verwenden. Mit IBM i in der Cloud können diese Kunden neue regionale Märkte erreichen, indem sie die weltweite Präsenz der Cloud-Rechenzentren von IBM nutzen. Außerdem können sie ihre Kernanwendungen in der Cloud ohne Unterbrechung für Migrationen oder Umstellungen skalieren.

Workloads – wo, wann und wie gewünscht

Der „Virtual Server für Power Systems in der Cloud“ soll den Kunden so neue Optionen für Upgrades und Erweiterungen bringen - sowohl lokal „On Premise“ als auch außerhalb. Sie wählen einfach das Betriebssystem und steuern ihre stündlichen oder monatlichen Abrechnungsoptionen. IBM Cloud verwaltet dabei das Setup und die Betriebssystembereitstellung. Wie jede andere IaaS-Komponente aus der IBM Cloud lassen sich so auch Power-i-Systeme mit „as-a-service“-Abrechnung bereitstellen. Der Kunde kann dabei ein System mit bis zu 160 Power9-Cores, bis zu 64 GB RAM und wahlweise AIX oder IBM i als Betriebssystem konfigurieren – mit einem „Fibre Attached“-Speichersystem Storewize V7000.

An der uneingeschränkten IaaS-Leistung von Power9-basierten virtuellen Servern mit V100-GPUs Nvidia unter dem Betriebssystem Linux, etwa für Machine Learning und künstliche Intelligenz-Workloads, wird noch gearbeitet. In den kommenden Monaten sollen sie laut IBM zur Verfügung stehen, damit die Kunden auch rechenintensive KI-Workloads schnell, skalierbar und bedarfsgerecht in Cloud verarbeiten können.

In den kommenden Monaten will IBM außerdem weitere Cloud-Angebote auf Basis von GPU-beschleunigten Power9-Servern verfügbar machen. Begonnen hatte IBM die Einführung der Power9-Plattform in der IBM Cloud bereits im vergangenen Jahr, Power AI und SAP Hana auf Power.

Erste Pilotkunden testen bereits

Die ersten Power-Systeme, die in der IBM Cloud mit IBM i und AIX bereitgestellt wurden, sind zunächst für ausgewählte Pilotkunden gedacht, um die APIs für die Steuerungsebene zu testen, die auf der PowerVC-Implementierung von Open Stack basiert.

Derzeit läuft der Alpha- und Betatest; voraussichtlich noch März ist die allgemeine Verfügbarkeit in den USA geplant; das RZ Frankfurt soll im 2. Quartal nachziehen, danach soll die Expansion in weitere Länder folgen. Noch nicht klar ist, welche Betriebssystemversionen in der Cloud unterstützt werden; vermutlich sind das die aktuellen Releases IBM i 7.2- und 7.3 sowie AIX 7.1 und 7.2.

Linux kommt auch

Linux wird in der Ankündigung nicht erwähnt; weil aber im März auch SAP-Hana-Workloads auf dem „Power Systems Virtual Server in der IBM Cloud“ laufen soll, muss der auch mit Linux laufen, weil die In-Memory-Datenbank Hana nicht von AIX oder IBM i unterstützt werden. Man darf gespannt sein, ob IBM nur die Linux-Variante der neuen Tochter Red Hat auf Power9 in der Cloud anbieten wird – oder auch die beiden anderen für Power zertifizierten Linux-Distributionen Suse und Ubuntu.

Die Alpha- und Betatests werden auf einer Reihe von S922-Scale-Out- und älteren E880-Skale-Up-Maschinen (mit Power8-Prozessor) durchgeführt. Die Preise sind offenbar noch nicht festgelegt. Auf drei Jahre gerechnet, könnte die Ausführung der Cloud-Instanz mit IBM i nach dem aktuellen Stand der Überlegungen aber etwa 30 bis 40 Prozent mehr kosten als der Kauf ähnlich konfigurierter Hard- und Software.

Berechnet wird bei dem Cloud-Angebot natürlich, dass IBM die Power-Systeme verwaltet und für das RZ, die Stromversorgung, die Kühlung, die Sicherheit, Patch-Updates sowie die Installation aufkommt. Fest steht aber schon, dass die Preise für die virtuellen Maschinen, den Hauptspeicher, den externen Speicher, das Betriebssystem und die Datenbank pro Stunde abgerechnet werden.

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