Chipfabriken verkauft, Gewinnziele gestrichen

IBM im Umbruch

Der IBM-Konzern baut sich in hohem Tempo um. Gerade erst ist der Verkauf des x86-Servergeschäftes an Lenovo abgeschlossen, da wird die Halbleiterfertigung an den von einem arabischen Staatsfonds kontrollierten Chiphersteller Globalfoundries übergeben. Auch im 3. Quartal gab es wieder einen Umsatzrückgang (um 4 Prozent auf 22,4 Mrd.) Dollar. Weil gleichzeitig der Gewinn einbrach und Firmenchefin Virginia Rometty für die nahe Zukunft hohe Investitionen für dringend geboten hält, wurde das lange verfolgte Gewinnziel von 20 Dollar je Aktie im Jahr 2015 gestrichen.

IBM-Forscher arbeiten auch weiterhin an Halbleitermaterialien jenseits des Silikon.

Die verlustträchtige Chipsparte geht mit insgesamt 5.000 IBMern und den beiden Fabriken East Fishkill und Essex Junction an Globalfoundries. Entstanden durch die Ausgliederung der Fertigung des Chipkonzerns AMD im Jahr 2009, ist Globalfoundries heute nach der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) der zweitgrößte Auftragsfertiger im Chip-Bereich.

Vertragsgemäß soll Globalfoundries zehn Jahre lang Chips mit Power- und Mainframe-Prozessoren an IBM liefern und dafür im Gegenzug als Exklusivpartner Zugang zu den neuesten Entwicklungen erhalten. Globaldfoundries erhalte auch geistiges Eigentum der IBM und werde so zum Besitzer des größten Patent-Porfolios für Halbleiter, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung beider Firmen. Globalfoundries wolle in den beiden Jahren 2014 und 2015 nahezu 10 Mrd. Dollar investieren, den Großteil davon in der Region New York.

Für die Chipsparte kassiert IBM aber kein Geld, sondern legt noch eine Mitgift von 1,3 Mrd. Dollar (1,0 Mrd. Euro) obendrauf. Damit steigt IBM auch aus Produktion von Prozessoren aus, nicht aber aus ihrer Entwicklung. An der Ankündigung vom Sommer, die nächsten fünf Jahre drei Milliarden Dollar in die Chip-Entwicklung zu investieren, will IBM keine Abstriche machen. Letztlich führt das dazu, dass IBM 4,7 Mrd. Dollar auf die Chipsparte abschreibt. Darin sind auch die 1,3 Mrd. Dollar Mitgift enthalten.

Diese Mammutabschreibung führte dazu, dass der Nettogewinn von 4,0 Mrd. auf 18 Mio. Dollar einbrach. „Wir sind enttäuscht unserem Ergebnis“, kommentierte Rometty heute auf der Bilanzpressekonferenz, an der sie anlässlich der Brisanz der Zahlen und Ereignisse ausnahmsweise teilnahm. Nach wie vor habe IBM sich dem Wandel in der IT-Branche zu stellen. Sie will die ohnehin schon rasante Transformation des Unternehmens weiter beschleunigen. Dafür opfert sie überraschend die 2010 verabschiedete langfristige Planung, die einen Gewinn je Aktie von 20 Dollar im nächsten Jahr vorgab. Diese Planung soll erst im Januar wieder aktualisiert werden.

Der Umsatz schrumpfte im dritten Quartal um 4 Prozent auf 22,4 Mrd. Dollar – das war das zehnte Quartal in Folge mit weniger Umsatz. Das Volumen sank mehr oder weniger stark in allen Geschäftsfeldern: Der Service-Umsatz um 3 Prozent auf 13,7 Mrd. Dollar, der Software-Umsatz um 2 Prozent auf 5,7 Mrd. Dollar und der Hardware-Umsatz um 15 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar. Der Versteuerverlust der Systems and Technology Group (STG) wuchs um 91 Mio. auf 99 Mio. Dollar. Dabei schrumpfte der Umsatz aller Serversparten – der der Power-Systems um 12 Prozent.

Das Power-Geschäft hat sich laut Finanzchef Martin Schroeter dennoch „signifikant“ verbessert – durch die Neupositionierung und die im Juni vorgestellten neuen Scale-Out-Server auf Basis der neuen Power8-Prozessoren. Weiteren Optimismus zieht Schroeter aus dem Open-Power-Konsortium, das mittlerweile auf über 60 Mitglieder angewachsen sei. Außerdem habe man Anfang des Monats mit den neuen Modellen E870 und E880 die ersten Server vorgestellt, die erstmals Technologien anderer Mitglieder des Open-Power-Konsortium integriere, etwa die  Grafikprozessor-Unit (GPU) von Nvidia.

Mit ihren Maßnahmen will Rometty das Unternehmen auf dem Weg zu werthaltigeren Geschäften voranbringen und bewusst auf das verzichten, was sie „empty revenues“ nennt. Dabei wird es im 4. Quartal erneut zu Entlassungen kommen. Ziel sei es, IBM nachhaltig als den Navigator für Unternehmen zu positionieren, die ihre IT-Infrastrukturen zukunftstauglich machen wollen. Die jüngst mit SAP und Apple vereinbarten Kooperationen seien typische Beispiele für diese Transformation, die zu höheren Gewinnmargen führen soll. „Auf diesem Weg werden wir weiter gehen“, kündigte Rometty an.

www.ibm.de

www.openpowerfoundation.org

Bildquelle: IBM

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