Schlumberger: Hybrid-Cloud für die Datenplattform OSDU

Industriestandard für Energiedaten genutzt

Der auf Erdölexplorations- und Ölfeld-Services spezialisierte Technologiekonzern Schlumberger kündigte mit IBM die branchenweit erste kommerzielle Hybrid-Cloud für „Enterprise Data Management“ auf der OSDU-Datenplattform an. OSDU steht kurz für „Open Subsurface Data Universe“ und ist ein im März 2019 lancierter Standard, den die Open Group zu einer flexiblen und skalierbaren Datenplattform für die Öl- und Gasindustrie weiterentwickeln will.

Das neue Hybrid-Cloud-Angebot wurde nach Angaben des Anbieters Schlumberger konzipiert, um den Zugang zu Kunden weltweit zu erweitern – und zwar ganz gezielt auch an solchen Standorten, an denen Anforderungen an die Datenresidenz und lokale Vorschriften die Nutzung einerPublic Cloud“ beeinträchtigen. Ziel ist es ebenfalls, die Zeit für Analysen zu verkürzen und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen – und alle Workflow-Daten an einem Ort verfügbar zu machen.

Diese Hybrid-Cloud soll den Energieversorgern volle Interoperabilität ermöglichen und dafür sorgen, dass ihre Daten von jeder Anwendung innerhalb ihrer Explorations- und Produktionsumgebung (E&P) im OSDU-Format zugänglich sind, was den Austausch von Informationen zwischen Teams vereinfacht. Die neue Datenlösung ist so ausgelegt, dass die Zeit für den Datentransfer zwischen Anwendungen minimiert wird, dass Kosten sinken und dass die Entscheidungsfindung verbessert wird.

Rajeev Sonthalia, Präsident „Digital Integration“ bei Schlumberger, will das wachsende Momentum für die OSDU Data Platform mit der branchenweit ersten kommerziellen Hybrid-Cloud für das Enterprise-Data-Management nutzen, um Kunden in allen Regionen schnellere Entscheidungen und Optimierungen der Betriebsabläufe zu ermöglichen. Gelingen können das, weil die Cloud Daten in einem noch nie da gewesenen Umfang miteinander verknüpfe und verwalte. Außerdem werden KI- und Datenanalyse-Workflows möglich, die den Anwendern völlig neue Erkenntnisse liefern.

Souveränität über die Daten behalten

„Die hybride Cloud-Lösung erlaubt es Kunden, die Souveränität über ihre Daten zu behalten“, sagte IBM-Manager Manish Chawla. „Sie gibt ihnen darüber hinaus die Möglichkeit, die Lösung auf einer Reihe von Infrastrukturen oder bei einem regionalen Cloud-Anbieter einzusetzen.“ Zum Einsatz der kognitiven E&P-Umgebung Delfi in allen Regionen weltweit werde die Container-Plattform Openshift genutzt. Die Cloud-Lösung werde von Schlumberger angeboten; alle Übergangs-Leistungen und Managed-Services werden von Schlumberger und IBM bereitgestellt.

Die 2017 von Schlumberger lancierte kognitive E&P-Umgebung Delfi, benannt nach dem altgriechischen Orakel, umfasst auch bewährte Schlumberger-Software, darunter Petrel E&P, Techlog, Wellbore und Omega für die geophysikalische Datenverarbeitung sowie Basistechnologien wie die Petromod für die Modellierung von Erdölsystemen sowie die Intersect- und Olga-Simulatoren. Übrigens arbeitet Schlumberger bei Delfi und OSDU nicht exklusiv mit IBM zusammen, sondern natürlich auch mit den Cloud-Marktführern Amazon (AWS) und Microsoft (Azure).

Zusammenarbeit auch mit Amazon (AWS) und Microsoft (Azure)

Beispielsweise will Schlumberger in Zusammenarbeit mit Amazon Web Services (AWS) „domänenorientierte digitale Lösungen“ auf Basis der E&P-Umgebung Delfi entwickeln. Durch diese Zusammenarbeit erhalten AWS-Kunden Zugang zur Delfi Petrotechnical Suite und können so die KI-gestützten Anwendungen und Hochleistungs-Computing über die globale Infrastruktur von AWS nutzen. „Unsere Partnerschaft mit AWS ergänzt unsere Strategie zur weiteren Ausweitung des Zugangs zur Delfi-Umgebung, damit mehr Kunden von ihren Untergrund-Daten profitieren können“, sagte Sonthalia. Durch die Ausweitung des Zugangs zu Delfi will er es seinen Kunden ermöglichen, „ihre Produktivität und Performance kontinuierlich zu verbessern“, indem sie aus einem großen Pool von Datenquellen fundierte Erkenntnisse gewinnen und diese Erkenntnisse in ihren Arbeitsabläufen anzuwenden, um schneller zu besseren Entscheidungen zu kommen.

Mercury-Release für OSDU

Das anbieterneutrale Technologiekonsortium „The Open Group“ hat im März das Mercury-Release für die OSDU-Datenplattform vorgestellt. „Open Subsurface Data Universe“, eine quelloffene, standardbasierte und technologieneutrale Datenplattform für die Energiewirtschaft, soll mit dem bisher schon 3. Release das Datenmanagement von Daten über Boden- und Untergrundbeschaffenheit weiter industrialisieren und die Markteinführungszeit für neue Lösungen verkürzen.

Die Datenplattform soll mit der Zeit den Zugang zu einem enormen Portfolio offener und bewährter anbieterentwickelter Anwendungen aus einer großen Bandbreite von Energiequellen erleichtern. Durch den Zugriff auf dieses Ökosystem ist es nicht mehr erforderlich, dass Entwickler eine monolithische Architektur entwickeln und pflegen, denn mit einem einzigen Satz klar definierter und branchenspezifischer APIs können Unternehmen nun die Entwicklung ihrer sehr spezifischen Anwendungen beschleunigen.

Dank des Open-Source-Ansatzes kann jedes Unternehmen - von etablierten Playern der Branche bis hin zum Start-up – zur Unterstützung von Geschäftsabläufen neue Funktionen zur Plattform hinzufügen. Alle Arbeiten werden vom Program Management Committee (PMC) des OSDU validiert, um ihre Ausrichtung auf die Gesamtrichtung des Forums sicherzustellen. Das Mercury-Release ist ab sofort für Betreiber und Softwareentwickler verfügbar, die folgende Ziele verfolgen:

  • Daten aus traditionellen Silos herauszulösen und alle Daten in einer einheitlichen Datenplattform erkennbar und nutzbar zu machen
  • neue integrierte Explorations- und Entwicklungsabläufe zu ermöglichen, die die Gesamtzykluszeit reduzieren
  • von neuen digitalen Lösungen zu profitieren, um Skalierbarkeit zu ermöglichen und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.

Laut Steve Nunn, Präsident und CEO von The Open Group, sei „in sehr kurzer Zeit eine wichtige Errungenschaft gelungen. 2018 gegründet, umfasst das OSDU-Forum inzwischen über 185 Mitgliedsorganisationen, die zusammenarbeiten, um Innovationen zu beschleunigen und Kosten im Energiesektor zu senken. […] Künftig wird dies zur Deckung des weltweit steigenden Energiebedarfs und Senkung der Treibhausgasemissionen unabdingbar sein.“

Die Datenlandschaft grundlegend verändern

Und Shell-Manager Johan Krebbers kommentierte: „Die meisten Energieunternehmen stellen die Übernahme transformativer Technologien, die uns im heutigen digitalen Zeitalter voranbringen, in den Mittelpunkt ihrer Strategien. Dadurch wird deutlich, dass ein gemeinsames Architekturdesign erforderlich ist, das die Grundlage für die branchenweiten Arbeitsmethoden für ihre Daten bildet.“

Das ergänzt sein bp-Kollege David Eyton mit den Worten: „Daten bilden den Kern der Transformation von bp in ein integriertes Energieunternehmen. Unserer Ansicht nach wird die Zukunft der Energiebranche auf Daten basieren und von ihrer Fähigkeit abhängen, Daten auf eine Weise zu verwalten, dass ein Datenaustausch mit Partnern, Innovation durch Datenwissenschaft und eine schnelle Entscheidungsfindung über den gesamten Lebenszyklus der Energiewertschöpfungsketten gefördert wird. Als Gründungsmitglied des OSDU-Forums war bp Teil einer Organisation, die die Datenlandschaft für unsere Branche grundlegend verändert. Durch die Einbindung von Energieunternehmen, Cloud-Service-Anbietern und Software-Anbietern bietet das OSDU Forum die Möglichkeit einer für alle Beteiligten vorteilhaften Zusammenarbeit. Wir sind sehr gespannt auf das Mercury Release der OSDU-Datenplattform und freuen uns darauf, diesen Ansatz ebenfalls in den Bereichen Technik, Emissionen und neue Energie anzuwenden.“

Das OSDU-Forum der Open Group will der Energiewirtschaft die Entwicklung transformativer Technologien erleichtern, um auf den sich wandelnden Energiebedarf in der Welt zu reagieren. Das Forum steht allen Energie-Stakeholdern zur Verfügung, einschließlich Anwendungsentwicklern, Servicebetreibern, Technologieanbietern, Softwareunternehmen, Hochschulen und mehr. Die aktuelle Mitgliederliste des OSDU-Forums finden Sie hier.

Bildquelle: Schlumberger

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