Koch investiert über 2 Mrd. Dollar in den ERP-Anbieter

Infor wird nicht verkauft

Die anhaltenden Gerüchte um einen Verkauf des ERP-Herstellers Infor haben sich nicht bewahrheitet. Heute wurde bekannt, das die beiden Eigentümer – die Investmentgesellschaften Summit Partners 
und Golden Gate Capital – mit Koch Equity Development LLC (KED) einen weiteren Großaktionär an Bord holen, der mehr als 2 Mrd. Dollar in Softwarekonzern investieren will. Summit 
und Golden Gate behalten die Aktienmehrheit. Die Transaktion soll bereits Anfang 2017 abgeschlossen sein.

Diese Finanzspritze soll als zusätzliches Wachstumskapital genutzt werden, um die Innovation zu beschleunigen und den Vertrieb auszubauen. Der Investor KED ist die Private-Equity-Gesellschaft des börsennotierten Mischkonzerns Koch Industries, der unter anderem in den Produktionsbereichen Erdöl, Erdgas, Chemie, Energie, Asphalt, Kunstdünger, Nahrungsmittel und Kunststoff tätig ist und den beiden Milliarden schweren Brüdern Charles und David Koch gehört. Bereits 2002 gegründet, bestand die Aufgabe von KED zunächst darin, Übernahmeziele zu finden und zu finanzieren, die gut zu Firmen des 100.000 Mitarbeiter und 100 Mrd. Dollar Jahresumsatz starken Imperiums passen.

Die Beteiligung am Softwarekonzern wird jetzt damit begründet, dass Infor die Digitalisierungsstrategie des Konzerns und die Modernisierung seiner IT-Systeme unterstützen soll. „Infor's demonstrated capability to help companies across a wide spectrum of industries automate and improve efficiency is relevant to our broad portfolio of invested companies and we look forward to exploring co-innovation opportunities“, wird Brett Watson, Senior Managing Director bei KED, in der Pressemitteilung zitiert. Es ist also, wie schon länger spekuliert, zum Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an Infor gekommen – und nicht zum Verkauf des gesamten Unternehmens.

Nach Abschluss der Transaktion wird Koch wie die beiden anderen Großaktionäre vier Aufsichtsräte stellen. Dazu kommt als neunter Aufsichtsrat Infor-CEO Charles Phillips. Infor bedient mit über 15.000 Mitarbeitern rund 90.000 Kunden in über 170 Ländern und weist einen Jahresumsatz von knapp 2,7 Mrd. Dollar aus. In Deutschland plant die Geschäftsführung eine Massenentlassung; immerhin ist das Unternehmen mit über 5,6 Mrd. Dollar verschuldet. Da sind auch die 700 Mio. Dollar Cash in der Bilanz des letzten Geschäftsjahres kaum mehr als Kosmetik.

Golden Gate Capital ist seit Infor-Gründung 2002 engagiert, als mit Agilisys eine erste Vorläuferfirma übernommen wurde. Im Jahr 2004 wurde dann mit der Übernahme der deutschen Infor Business Solutions AG der Firmenname geändert. Summit Partners ist seit der Lawson-Übernahme 2012 mit im Boot. Die Verkaufsgerüchte kamen nach einem starken Geschäftsjahr 2016 auf, das Infor am 30. April beendet hat.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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