Bitkom: Lob und Kritik für die KI-Strategie der Bundesregierung

Innovationsfreundliche Datenpolitik gefordert

Die Vorstellung der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter den Bundesbürgern zum Thema Künstliche Intelligenz nahm der Branchenverband Bitkom zum Anlass für Lob und Kritik an der kürzlich formulierten KI-Strategie der Bundesregierung. Bitkom-Präsident Achim Berg begrüsste sie ausdrücklich als Aufbruchsignal, forderte aber Konkretisierungen und mehr Geld, vor allem für die „Anschubfinanzierung“ im Mittelstand. Durch mehr Geld könnte man auch für das dringend nötige Innvoationstempo sorgen.

Bitkom-Präsident Achim Berg

Bitkom-Präsident Achim Berg: „KI ohne Daten – das ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser!“

Die Akzeptanz der Bundesbürger für KI-Technologien sei bei allen Bedenken und Befürchtungen durchaus vorhanden, beruhigte Berg die Politische Klasse, die sich mehr und mehr an der öffentlichen Meinung orientiert statt sachorientiert die richtigen Entscheidungen für Deutschland zu suchen.

Der Bitkom-Präsident verwies vor allem darauf, dass die große Mehrheit der Bundesbürger sieht vor allem Chancen beim Einsatz der Künstlichen Intelligenz und hält die Technologie für entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern. In einigen Lebensbereichen wie Schule oder Justiz werde der KI-Einsatz überwiegend skeptisch gesehen. Basis seiner Erkenntnisse war eine repräsentativen Umfrage unter 1.007 Bundesbürgern ab 16 Jahren.

KI als Stunde null für die Wirtschaft

„Künstliche Intelligenz ist die wichtigste Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte“, glaubt Berg. „Für die Wirtschaft bedeutet KI eine neue Stunde null. Es muss uns gelingen, die vielfältigen Chancen der KI für alle Lebensbereiche nutzbar zu machen – von der Medizin über die Mobilität bis zur Bildung.“

Mit Blick auf die Mitte November vorgelegte KI-Strategie der Bundesregierung mahnte Berg weitere Konkretisierungen und ein hohes Tempo an: „Um eine Führungsrolle bei der Künstlichen Intelligenz einzunehmen, bleibt uns nicht viel Zeit. Die KI-Strategie der Bundesregierung ist ein Aufbruchssignal, jetzt müssen wir an die Arbeit gehen.“

An der Bedeutung von KI für den Standort Deutschland zweifeln die Bundesbürger laut Berg nicht. Sieben von zehn (71 Prozent) seien sich sicher, dass KI als Technologie entscheidend dafür ist, ob deutsche Unternehmen künftig weltweit erfolgreich sind. Jeder Zweite (53 Prozent) gehe davon aus, dass KI die Welt so grundlegend verändern wird wie die Erfindung des Verbrennungsmotors oder die Elektrifizierung. Aber ebenfalls jeder Zweite (54 Prozent) sei zugleich besorgt, dass künftig derjenige, der die Künstliche Intelligenz kontrolliert, auch die Menschen kontrolliert. „All das sind gute Gründe, dass wir in Deutschland nicht nur KI-Produkte von anderen kaufen und nutzen, sondern KI hierzulande entwickeln und gestalten“, sagte Berg.

Ein Aufbruchsignal – mehr nicht

„Wir müssen von der Strategie zu konkreten Maßnahmen kommen“, forderte Berg. „Und wir brauchen dafür auch einen Zeitplan – und zwar einen sehr ehrgeizigen.“ So seien die vorgesehenen jährlich 500 Mio. Euro aus dem Bundeshaushalt nicht ausreichend, um Deutschland bei KI wirklich an die Weltspitze zu bringen. „In den USA oder China investieren einzelne Tech-Unternehmen in KI-Entwicklung jährlich Milliardenbeträge. Auch wenn man bedenkt, dass 2009 ad hoc 5 Milliarden Euro für eine Pkw-Abwrackprämie zur Verfügung gestellt wurden, relativiert sich die für KI vorgesehene Summe stark“, so Berg. Er forderte pro Jahr 1,5 Mrd. Euro Fördergelder, „mindestens“.

Zudem mahnte Berg eine konsistente Datenpolitik in Deutschland und Europa an: „KI ohne Daten – das ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser. Es nützt uns nichts, wenn wir auf der einen Seite eine KI-Strategie formulieren und auf der anderen Seite dann Regeln schaffen, die den darin formulierten Ansprüchen zuwiderlaufen.“

TDM muss möglich sein

Als abschreckendes Beispiel dafür nannte Berg die Urheberrechtsrichtlinie, zu der in Brüssel derzeit die Trilogverhandlungen laufen. Darin geht es unter anderem um den Rechtsrahmen für das Text- und Data-Mining; dieses so genannte TDM gilt als eine der Schlüsseltechnologien für das maschinelle Lernen.

„Es besteht die Gefahr, dass die kommerzielle Nutzung des Text- und Data-Mining untersagt oder mit komplizierten Erlaubnis- und Vergütungsregeln unattraktiv gemacht wird. Das wäre zum Beispiel ein deutlicher Nachteil für innovative Startups, die auf Basis dieser Technologien neue Geschäftsmodelle entwickeln“, befürchtet Berg. „TDM muss möglich sein!“

100 KI-Professoren ja, aber woher?

Ausdrücklich begrüßt Berg das ambitionierte Ziel, mindestens 100 KI-Professuren zu schaffen, auch wenn er nicht weiß, woher diese kurzfristig kommen sollen. Diese Ankündigung müsse daher um konkrete Maßnahmen ergänzt werden. Dabei gehe es nicht nur darum, diese 100 Stellen qualifiziert zu besetzen. Es gehe ebenso darum, wie die ausgebildeten KI-Experten erfolgreich im Land gehalten werden können.

„Niemandem ist geholfen, wenn wir an unseren Hochschulen die klügsten Köpfe rund um KI ausbilden, diese aber mit ihrem Abschluss eine Stelle in den USA oder anderswo antreten“, so Berg. „Wir brauchen attraktive Aufgaben und ebenso attraktive Arbeitsbedingungen für KI-Experten – in Unternehmen, aber auch in Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, bei Bundesbehörden oder in der öffentlichen Verwaltung.“

Nun sei es auch sehr wichtig, die notwendigen Debatten über ethische Grenzen beim KI-Einsatz zu führen und über entsprechende Regeln zu sprechen, und dabei die Chancen der KI in den Mittelpunkt zu rücken, so Berg weiter: „Es ist gut, dass das Thema KI auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung, der kommende Woche in Nürnberg stattfindet, im Mittelpunkt stehen wird.“

Bildquelle: Bitkom

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