IBM Pure Systems: Ein erster Blick unters Blech

Integrierte Alternative zum Blade-Baukasten

Pure Systems sind anders. Das gilt nicht nur für das Scale-In-Design und die eingebauten Software-Muster („Patterns“), sondern beginnt schon bei der Hardware, in Form von Gehäuse und Einbaukomponenten.

  • Das neue Flex-Chassis der IBM von vorn, mit Einschüben in voller und halber Breite

  • Das neue Flex-Chassis der IBM von hinten – mit acht großen und zwei kleinen Ventilator-Modulen zur Kühlung

  • Der Computer-Einschub p260 mit Power7-Prozessoren

  • Fibre Channel-Lösungen für Cloud-optimiertes SAN: Hier der 6505 Switch, das Einstiegsmodell für den neuen 16-GB/s-Fibre-Channel-Standard von Brocade, die Basis für Pure Systems

Grundbaustein der beiden ersten Mitglieder der Serverfamilie „Pure Systems“ – sowohl von „Pure Flex“ als auch von „Pure Applications“ – ist das Flex System Enterprise Chassis mit 14 Steckplätzen für Server-, Speicher- oder Netzwerk-Ressourcen. Als erstes kommen im Mai Compute-Knoten auf Intel-Basis; Power7-Einschübe sollen später, aber noch in diesem Jahr folgen.

Das Chassis belegt zehn Höheneinheiten (10U) in einem Standard-Rack. Während konvergente IT-Systeme wie Cisco UCS, Dell Poweredge oder HP Gen8 bisher auf Bladeservern basieren, geht IBM mit der Flex-Architektur einen anderen Weg. Ein Flex-Chassis kann bis zu 14 horizontale Compute-, Speicher- oder Netzwerk-Einschübe aufnehmen; im IBM Blade Center (9U hoch) werden die Einschübe vertikal eingesteckt.

Das heißt einerseits, dass die Komponenten zwischen Blade Center und Flex-Chassis nicht austauschbar sind. Das ist andererseits auch nicht gewollt, da IBM Blades als schlichte (und kostengünstige) Hardware-Basis versteht, auf der ein Kunde seine eigenen Lösungen aufbaut und betreibt, während Pure Systems solche Lösungen fast fix und fertig mitbringen und ihren Betrieb weitgehend automatisieren. Daher rührt auch schon der wie schon bei der AS/400 hohe Einstiegspreis von rund 100.000 Euro für die Pure Systems. Damit verspricht IBM aber auch wie damals bei der AS/400, den Aufwand für IT-Betrieb und Wartung zu senken, die heute oft 70 Prozent oder mehr des Budgets verschlingen. Allerdings will IBM ihre Bladeserver als Alternative für Kunden weiterentwickeln, die einen kostengünstigen Selbstbausatz für ihre IT brauchen.

Zurück zum Pure System: Vier Flex-Gehäuse passen in ein Rack, während wiederum bis zu vier Racks als ein einziges Pure System gemanagt werden können. Anders klassische Server, die mit Geräten unterschiedlicher Hersteller ergänzt werden können, stammt jede Komponente eines Pure System ausschließlich von IBM. Das heißt für die Partner: Sie müssen es komplett verkaufen; (vielleicht schon vorhandene) Bausteine anderer Hersteller passen nicht dazu – nur von außen angedockt. Vielleicht auch deshalb der Name Pure System – im Sinne von „pur IBM“.

Rund zwei Drittel der Tiefe des Flex-Gehäuses sind für Server-, Netzwerk- und Speichereinheiten gedacht, das hintere Drittel für Ventilatoren, Stromversorgung und Verkabelung. Physisch getrennt werden beide Bereiche wie beim Blade Center von der sogenannten „Midplane“, die andererseits alle Komponenten elektrisch verbindet. Diese Bauweise bringt auch Vorteile bei der Kühlung gegenüber dem Blade Center.

In ein Flex-Chassis passen Compute-Einschübe (mit Power7- oder Intel-Prozessoren), die Storwize-V7000-Speicher sowie Netzwerk-Einschübe für Ethernet- und Fibre Channel-Anschlüsse. Designziele der IBM waren dabei „Wahl und Flexibilität“ bei der gesamten Infrastruktur. Das heißt konkret: Ein einziges Flex-Gehäuse kann sowohl Intel- als auch Power7-Server beherbergen, mit den Betriebssystemen IBM i (früher OS/400), AIX, Suse oder Red Had Linux und auch Windows und Virtualisierung mit PowerVM, Microsofts Hyper-V oder Vmware. Für den Anschluss kommt die komplette Ethernet-Welt in Frage (1Gb, 10Gb und 40Gb mit QSFP), aber Speichernetze über Fibre Channel (mit OEM-Produkten von Brocade, Emulex und Qlogic); Infiniband steht noch auf der Roadmap.

Die beiden ersten Power7-Einschübe heißen p260 (mit 1 oder 2 Prozessoren) und p460 (mit bis zu 4 Prozessoren). Beide Compute-Einschübe sind 51 mm (2.0”) hoch und 493 mm (19.4”) tief, unterscheiden sich aber in der Breite (215 mm/8.5” bzw. 437 mm/17.2"). Die Prozessoren sind darin entweder mit 3,2 GHz, mit 3,3 GHz oder mit 3,5 GHz getaktet und können wahlweise mit AIX, Red Hat/Suse Linux oder IBM i 6.1 oder i 7.1 betrieben werden. Jeder Prozessor verfügt entweder über acht Cores (3,2 oder 3,55 GHz schnell getaktet und mit 32 MB L3-Cache) oder über vier Cores (3,3 GHz und 16 MB L3-Cache).

Das Modell p260 kann in bis zu 160 virtuelle Server aufgeteilt werden, das Modell p460 in doppelt so viele, also 320 virtuelle Server. Bis zu 16 Speichermodule (DDR3 ECC SDRAM mit 1066 MHz) schrauben beim p260 die Hauptspeicherkapazität auf bis zu 256 GB; beim p460 sind es maximal 32 Speichermodule mit 512 GB.

Ebenfalls eingebaut werden zwei 2.5” Hard Disks oder zwei 1.8” Solid State Drives; Band- oder DVD-Laufwerke gibt es aber nicht. Jeder Prozessor hat einen eigenen Memory Controller, der seine vier jeweils 6,4 GBit/s schnellen Kanäle für den Hauptspeicherzugriff steuert. Eingebaut ist auch der Support für „Active Memory Expansion“, um durch Datenkomprimierung die verfügbare Hauptspeicherkapazität zu erweitern.

Als erster OEM-Partner überhaupt bietet IBM die 16-GB/s Fibre-Channel-Embedded-Switche und Adapter von Brocade an, genauso die Stand-Alone-Netzwerkadapter. Für den Intel-basierte Flex-Server x240 sollen ab Mai Brocades 16-GB/s-SAN Embedded Switch- und Mezzanine-Karten verfügbar werden. Die Mezzanine-Dual-Port- und Stand-Up-Adapter (Einfach- oder Dual-Port) unterstützen 2, 4, 8 oder 16 GB/s mit 500.000 IOPS an jedem Port.

Dynamische Fabric-Provisionierung virtualisiert die Verbindung zwischen Adapter und Switch, zeitintensive Prozesse lassen sich automatisieren und Abhängigkeiten automatisch auflösen. Diese neuen Features tragen wesentlich zu einem einfacheren Server-Deployment und -Management bei.

Inter-Chassis Links (ICL) der zweiten Generation ermöglichen flachere, schnellere und einfachere Fabrics mit weniger Kabelverbindungen, wodurch höhere Konsolidierungsraten erzielt, die Netzwerk-Komplexität und Kosten minimiert werden. Zusätzlich ermöglicht der neue Port-Typ - Diagnostic Ports (D Ports) - eine schnellere Problemidentifizierung und -isolierung sowie ein schnelleres Aufsetzen der Fabrics.

Pur steht im Namen der neuen IBM-Systemen auf jeden Fall nicht für lupenreine Hardware, denn IBM will bei den Pure Systems auf jeden Fall auch die Software vorintegriert und ausgetestet mitliefern – bei Pure Flex als Basisbaustein die nötige Middleware und bei Pure Application auch die Anwendungssoftware. Die Middleware stammt bisher überwiegend von IBM, in Form der Datenbank DB2, des Systemmanagements mit Tivoli oder Websphere; es gibt aber bereits Middleware von anderen Herstellern, etwa die Hypervisoren von Vmware oder Microsoft oder die Linux-Betriebssysteme von Red Hat oder Suse/Attachmate. Bei den Anwendungen überwiegen Lösungen von Partnern, auch wenn IBM Produkte wie Business Intelligence mit Cognos beisteuert.

„An dieser Stelle sind wir völlig offen“, sagt IBM-Sprecher Hans-Jürgen Rehm auf Anfrage von DV-Dialog. „Anders kann dieses Konzept gar nicht funktionieren.“ Er könnte sich durchaus vorstellen, dass IBM verbreitete Produkte wie die Oracle-Datenbank oder Microsoft Portal Sharepoint für die Pure Systems zertifiziert. Ob es dazu kommt, hängt aber nicht von IBM ab, sondern vom Markterfolgt des Flex-Konzeptes und den Strategien von Herstellern wie Oracle oder Microsoft.

www.ibm.de

www.ibm.com/puresystems

www.brocade.com

Bildquelle: IBM, Brocade

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