Resiliente Lieferketten in unsicheren Zeiten

Intelligente Datennutzung

Während aktuell landesweit über die deutsche Digitalisierungsträgheit, über Bürokratiestau und anhaltende Lieferkettenprobleme diskutiert wird, sprechen wir ein Thema an, das die Mittelständler eigenverantwortlich und unabhängig von den Standortbedingungen im In- und Ausland in die Hand nehmen und positiv verändern können: den Aufbau einer transparenten Lieferkette mit dem Ziel, die eigene Resilienz zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

  • Torsten Drees

    Unser Autor Torsten Drees ist „Senior Technical Sales Consultant“ bei Magic Software, wo er seit 2004 zahlreiche Modernisierungsprojekte mit unterschiedlichsten Technologien realisierte. Mit seinem fundierten Know-how rund um IBM i ist Drees ein wichtiger Ansprechpartner, auch wenn es um Neuprojekte oder Integrationsthemen auf dieser Plattform geht.

Es herrscht Einigkeit: Supply Chains müssen flexibler werden. In dem sich schnell ändernden globalen, wirtschaftlichen und politischen Umfeld ist es dringend notwendig, sie reaktionsfähiger und dynamisch anpassbarer zu gestalten. Dazu gehören eine modernisierte IT und digitale Geschäftsprozesse, transparente Lieferkettenelemente, ein ganzheitliches Lieferantenmanagement sowie ein lieferkettenübergreifender Datenaustausch einschließlich Analytics für Überwachung und Risikobewertungen. 

Mehr Transparenz gefragt

Transparenz ist für eine resiliente Supply Chain unabdingbar. Das Ziel muss sein, Daten aus eigenen Systemen, Sensoren und Maschinen sowie aus Systemen externer Partner aus allen Gliedern der Lieferkette transparent und sofort verfügbar zu machen. Unternehmen müssen jederzeit wissen, wo sich eine neue Rohstoffbestellung befindet, wann die benötigten Ersatzteile im Werk angeliefert werden, wann es wo und warum zu Verspätungen und Ausfällen kommt. 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-4/2024. Das kostenfreie E-Paper finden Sie hier.

Fehlende Transparenz ist ineffizient und geschäftskritisch. Unwissen oder eine verspätete Kenntnisnahme über unterbrochene Lieferketten, ein stillstehendes Produktionsband, Maschinendefekt oder fehlende Abstimmung zwischen einzelnen Gliedern lassen die Kosten schnell explodieren, während Liefertreue und Kundenzufriedenheit abnehmen. 

Daten entstehen an allen Stellen entlang der Lieferkette: bei der Beschaffung, Produktions- und Absatzplanung, im Bestands- und Ersatzteilmanagement, in der Lagerhaltung, Logistik und Fracht, bei der Auftragsausführung und Kundenbetreuung. Es ist heute elementar, all diese neu generierten Daten über eine Plattform zu erfassen und dann darüber hinaus Transparenz zu schaffen, alle Daten sinnvoll zu bündeln, verarbeiten und sie gesamtheitlich zu analysieren. Das schafft die Grundlage für datenbasierte Entscheidungen.  

Cloud-native Integration ist für Mittelständler eine gute Option, in ihrem Betrieb diesen transparenten Datenaustausch zu erreichen. Unabhängige Plattformen verbinden interne und externe On-Premises- und Cloud-Systeme in der gesamten Supply Chain sicher und schnell miteinander – mit der nötigen Flexibilität, Skalierbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Ausgestattet mit zahlreichen Konnektoren integrieren sie auch bewährte Legacy-Systeme aus AS/400-Zeiten an verschiedene Cloud-Umgebungen wie AWS, Google Cloud und Microsoft Azure.

Low-Code beschleunigt die Umsetzung 

Viele Vorteile ergeben sich dabei durch den Einsatz von Low-Code-Plattformen. Mit dieser Technologie lassen sich bedarfsorientierte Automatisierungs- und Modernisierungslösungen zügig umsetzen, um die Basis für einen Lieferketten-übergreifenden Datenaustausch schaffen. Visuelle Applikationsdesigner und grafische Modellierungsmethoden ersetzen klassische Programmiertechniken, Programmiersprachen und Kodieren von Hand. 

Entwickler und IT-Fachkräfte erstellen mit einer grafischen Benutzeroberfläche schnell und unkompliziert Funktionen, Algorithmen, Logiken, Einstellungen und Designs ohne manuellen Programmieraufwand. Ergebnis: kürzere Entwicklungszeiten (Kosten- und Zeitersparnis!), schnelle App-Entwicklung und bessere Kompatibilität mit anderen Programmen und Interfaces.

EDI-Datenaustausch mit externen Anwendungen

Über zentrale EDI-Service-Plattformen („Electronic Data Interchange“) lassen sich externe Anwendungen von Steuer­behörden, Lieferanten und Spediteuren nahtlos an eigene Unternehmenssysteme (ERP, MES etc.) anbinden. Durch die B2B-Integration und standardisierte nationale und internationale Abwicklung aller Einkaufs-, Lieferungs-, Rechnungsstellungs- und Abrechnungsprozesse mit Geschäftspartnern sind EDI-Plattformen ein wichtiger Baustein für resiliente Supply Chains. 

Darüber hinaus ermöglichen sie Betrieben ein effizientes Vorgehen im Transport-Management sowie in der Just-in-Sequence- und Logistik-Abwicklung. Die Übertragung aller EDI-Nachrichten erfolgt wahlweise über „Value Added Networks“ (VANs) oder über die Cloud. 

Mit Low-Code-Plattformen und Cloud-Technologien gelingt im Mittelstand mit überschaubaren Investitionen eine intelligente Datennutzung und unternehmensweite Datentransparenz innerhalb der gesamten Supply Chain. Spezifische Datenanalysen und vorausschauende Entscheidungen führen dazu, dass Mittelständler resilient und wettbewerbsfähig bleiben – und für die Zukunft ein Stück weit unabhängiger von den Standortbedingungen im In- und Ausland werden.

Bildquelle: Magic Software, Shutterstock

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