Das Agravis-Management blickt auf ein Wachstumsjahr 2017 zurück (von rechts): Andreas Rickmers, Vorsitzender des Vorstandes, Vorstandsmitglied Maria-Johanna Schaecher, Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff und Bernd Homann, Bereichsleiter Kommunikation auf der Bilanz-Pressekonferenz in Münster vor.
Die Agravis Raiffeisen AG, ein wachsender Agrarhändler mit mehr als 400 Standorten überwiegend in Deutschland, 6,4 Mrd. Euro Jahresumsatz und knapp 6.700 Beschäftigten, ist in den Segmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik beheimatet. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie, Bauservice und Raiffeisen-Märkte.
Der langjährige AS/400-Anwender Agravis hatte bereits ein SAP-System im Einsatz, das jedoch bisher nur im Bereich Finanzbuchhaltung & Controlling (FI/CO) genutzt wurde. Daher wurde das bestehende ERP-System über entsprechende Schnittstellen an das „neue“ SAP-System angebunden. Die Integration der SAP-Standardmodule im ERP-Bereich für Verkauf (SD), Materialwirtschaft (MM) und Lagerverwaltung (WM) konnte also auf Basis des bestehenden SAP-Systems erfolgen.
Auch die Kommunikation zwischen dem SAP-System und dem hauseigenen „Integrierten Raiffeisen Informations-System“ (Iris) auf Basis von IBM Power i musste gegeben sein; Kommissionsscheine, Warenannahmescheine, Inventurbestände sowie Artikel- und Kundenstammdaten sollten entsprechend übertragen werden. Der Rollout der Lösung auf das gesamte, rund 23.000 m² große Distributionszentrum mit zusätzlichen Erweiterungen wie z.B. Gefahrgutmanagement wird in einem weiteren Projekt umgesetzt.
Nun laufen bei Agravis alle Prozesse SAP-gestützt ab. „Ein großer Vorteil ist, dass das neue Lagerverwaltungssystem gut mit dem bestehenden Warenwirtschaftssystem Iris harmoniert, aus dem Artikelstamm- und Belegdaten übertragen werden können“, sagt Agravis-Experte Hermann Nüsse. „Im Gegenzug übermittelt das neue System Belegdaten für Lieferscheine, führt einen Bestandsabgleich durch und liefert Inventurdaten.“
Beim Wareneingang wird nun die Chargennummer und das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) der Artikel berücksichtigt. Das SAP-System prüft diese Daten und verhindert anschließend eine Zusammenlagerung mehrerer Chargen bzw. verschiedener MHD auf einem Einlagerungsplatz. Bei der integrierten Biozertifizierungsprüfung wird die Nummer an der Ware mit der Nummer auf dem Beleg abgeglichen. Somit wird geprüft, ob die Ware biozertifiziert und die entsprechende Kennzeichnung korrekt ist.
Bezüglich der Lagerung der Waren sind nun unterschiedliche Bestandseigentümer im SAP-System angelegt. Es wird nun unterschieden zwischen der Raiffeisen Webshop GmbH, die als Konzerngesellschaft der AG fungiert, und der Agravis Raiffeisen AG selbst. Außerdem unterscheidet das SAP-System bei der Kommissionierung für den Webshop zwischen verschiedenen Szenarien; es ist nun im Stande, bei einem Verkauf von Agravis an die Webshop-Tochter zu unterscheiden, ob die Ware physisch im Lager bewegt wird oder ob die Ware am selben Lagerplatz liegen bleibt und nur den Eigentümer wechselt.
Die Kommissionierung im 23.000 m² großen Distributionszentrum in Münster wird beleglos mit mobilen Funkscannern und Datenbrillen abgewickelt. Alle Kommissionieraufträge mit dem gleichen Liefertag, Kundennummer, Adress-ID und Versandartschlüssel werden im SAP-System zu einem Kommissionierlos gebündelt. Kommissionierlose können je Kommissionierzone oder je komplette Speditionstour differenziert gestartet werden.
Im nächsten Schritt soll zusätzlich noch eine Gewichtskontrolle umgesetzt werden. Nach jeder Kommissionsposition soll das LVS eine entsprechende Kontrolle des Gewichts durchführen, dieses mit dem Soll-Gewicht abgleichen und in bestimmten Fällen einen Fehlerhinweis liefern, mit der einmaligen Möglichkeit der Korrektur. Durch die Waagenanbindung sollen die Fehlerhinweise und das Gewicht der fertigen Kommissionspalette zukünftig gespeichert werden.
Um die Artikel möglichst schnell versenden zu können, wurde im Zuge der Einführung des neuen LVS auch eine KEP-Dienstleisteranbindung durchgeführt. Im Paketversandbereich des Distributionszentrums Münster ist im ersten Schritt der KEP-Dienstleister DHL an SAP angebunden worden. Auch verschiedene Speditionen sind nun in SAP integriert. Für den Versandprozess werden die Adresslabel automatisch mit den dienstleisterspezifischen Formatierungen generiert und direkt aus dem SAP-System heraus gedruckt.
In den ersten Tagen konnten bereits über 1.100 Lieferscheinpositionen mit rund 339 Paketen ausgeliefert werden. Zum Start standen ca. 10.000 Artikel des Agrarhandels zur Verfügung. Durch das neue LVS in SAP sind nun verbesserte Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse sowie das reibungslose Verbuchen von Umlagerungen und Retouren garantiert. Dadurch ergibt sich eine erhebliche Zeitersparnis sowie eine Steigerung der Prozesssicherheit im Unternehmen.
Bildquelle: Agravis