Bitkom: Umsätze 2023 erstmals über 200 Mrd. Euro

ITK-Branche bleibt optimistisch

Die Konjunktur der Digitalbranche zeigt sich trotz Krieg in der Ukraine, gestörten Lieferketten und Inflation sehr stabil. Der Branchenverband Bitkom erwartet für die Unternehmen der IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik im laufenden Jahr ein Umsatzplus von 3,8 Prozent auf 203,4 Mrd. Euro. Allein mit IT werden 2023 demnach 126,4 Mrd. Euro umgesetzt (+6,3 Prozent).

  • Bitkom-Präsident Achim Berg

    Bitkom-Präsident Achim Berg

„Digitalisierung ist die Antwort auf die multiplen Krisen unserer Zeit. Digitalisierung macht eine Volkswirtschaft resilienter, sie hilft bei globalen Herausforderungen wie dem Klimaschutz und sie erleichtert das Leben der Menschen, in der Gesundheitsversorgung ebenso wie im Bildungsbereich oder in der Mobilität“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir müssen die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft verstärken und sollten mehr als nur eine Schippe drauflegen. Wir brauchen eine echte digitalpolitische Zeitwende.“

IT-Investitionen als Wachstumstreiber

Das größte Wachstum kann die Informationstechnik verbuchen. Mit IT werden 2023 nach aktueller Prognose 126,4 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 6,3 Prozent. Am stärksten zulegen können die Umsätze mit Software (38,8 Mrd. Euro, +9,3 Prozent). Besonders deutlich wachsen dabei die Geschäfte mit Plattformen für Künstliche Intelligenz (+41,8 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro), mit Collaborative Applications (+15,6 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro), also Anwendungen zur Zusammenarbeit, sowie mit Sicherheits-Software (+11,4 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro). Das Hardware-Segment wächst um 5,3 Prozent auf 39,7 Mrd. Euro, getrieben unter anderem durch steigende Ausgaben für Wearables (+15,3 Prozent auf 3,4 Mrd. Euro), Security-Appliances wie zum Beispiel Firewalls (+5,2 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro) sowie Server (+5,0 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro).

Rückläufig sind dagegen nach starken Zuwächsen mit Beginn der Corona-Pandemie erneut die Ausgaben für mobile PCs (-3,4 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro) sowie Desktop PCs (-1,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro). Die Umsätze mit IT-Services steigen um 4,7 Prozent auf 47,8 Mrd. Euro und erreichen damit in etwa die Wachstumsraten der Vorjahre. Das Projektgeschäft ist zumeist langfristig angelegt und weniger stark von Konjunkturschwankungen beeinflusst.

Der Markt für Telekommunikation soll laut Bitkom 2023 nur noch leicht um 0,8 Prozent auf 69,5 Mrd. Euro wachsen, während der Markt für Unterhaltungselektronik vor dem dritten Minus-Jahr in Folge steht. Der erwartete Umsatz von 7,6 Milliarden Euro für 2023 würde ein Minus von 7,3 Prozent bedeuten. „Die hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit treffen das Geschäft mit Unterhaltungselektronik besonders stark“, lautet Bergs Erklärung. „Viele Menschen halten ihr Geld zusammen und verzichten gerade hier auf größere Anschaffungen.“

Weltweit werden die Umsätze mit IT und Telekommunikation 2023 voraussichtlich um 4,8 Prozent auf 4,33 Billionen Euro steigen. Den Weltmarkt dominieren weiterhin die USA, auf die 35,7 Prozent entfallen. Auf Rang zwei liegt China mit einem Weltmarktanteil von 11,7 Prozent, dahinter folgt Japan mit 5,7 Prozent. Deutschland liegt mit 4,2 Prozent Weltmarktanteil auf Rang 5, hinter Großbritannien (4,5 Prozent). Die EU-Staaten ohne Deutschland kommen auf einen Weltmarktanteil von 11,8 Prozent.

„Wir müssen uns in Deutschland mehr anstrengen. Die Schere zwischen uns und den führenden Digital-Nationen sowie den schnell wachsenden Ländern öffnet sich jedes Jahr weiter“, kritisiert Berg. „Zu geringe Investitionen in IT und Telekommunikation machen es in allen Branchen schwerer, wettbewerbsfähig zu bleiben und im Innovationswettlauf eine führende Rolle einzunehmen.“

Für das kommende Jahr mahnt Berg ein „digitalpolitische Zeitenwende“ an: „Statt ein bisschen Veränderung hier und ein bisschen Veränderung dort müssen wir uns von alten, analogen Prozessen trennen und so bald wie möglich auf ‚digital only‘ setzen.“

ITK-Fachkräfte gefragt

Damit das gelingen kann, sind ITK-Fachkräfte gefragt, von denen es 2021 laut Bundesagentur für Arbeit in Deutschland 941.031 gab. Davon arbeitete fast die Hälfte (456.321, 48,5 Prozent) in der ITK-Branche, in Anwenderbranchen 484.710. 2021 bot die ITK-Branche laut Bitkom insgesamt 1.262.000 Arbeitsplätze. 2022 gab es in der ITK-Branche insgesamt 1.307.000 Arbeitsplätze (+3,5 Prozent); in diesem Jahr sollen 45.000 weitere Arbeitsplätze hinzukommen (+3,4 Prozent).

Berg sieht vier wesentliche Ziele für die deutsche Digitalpolitik im Jahr 2023 und darüber hinaus: „Erstens muss der Staat handlungsfähig bleiben und digital funktionsfähig werden. Zweitens müssen wir Daten sehr gezielt nutzen. Dritten müssen wir uns digital souverän und sicher aufstellen, in den Infrastrukturen ebenso wie in den Unternehmen und in den Privathaushalten – dazu müssen wir auch einseitige Abhängigkeiten in den internationalen Handelsbeziehungen beenden. Und viertens müssen wir unser strukturelles Fachkräfteproblem mit bereits heute 137.000 fehlenden IT-Expertinnen und -Experten lösen.“

Bildquelle: Bitkom

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