Dedizierte IBM-Ansage gegen Intel-Server und Vmware

Kampfpreise für Power Linux

Mit zwei lupenreinen Linux-Servern – den beiden neuen Modellen 7R2 und P24L – will IBM bei den klassischen Power Systems, aber auch bei der neuen Pureflex-Serie die Anschaffungskosten auf Intelserver-Niveau senken.

  • Ralf Dannemann, IBM

    Ralf Dannemann, Platform Leader Power bei IBM Deutschland, stellt die beiden dedizierten Linux-Server in der Nachfolge der 2004 eingeführten Open Power vor

  • Das Modell Power Linux 7R2 - Mit Power7-Prozessor, fürs Rack und 2 Units hoch

Die Performance entspricht der des baugleichen Power Systems 730, der Kaufpreis dem von Intel-Servern mit Vmware der anderen beiden großen Serverhersteller, HP und Dell. Schon die nüchternen Bezeichnungen – 7R2 und P24L – sind Hinweise auf die Zielgruppe der beiden neuen Geräte: Eher die Techniker, die auf Basis von Linux und Open Source kostengünstig leistungsstarke IT-Lösungen für Anwendungen aufbauen, von denen sich IBM in Zukunft viel Wachstum erwartet: „Big Data“ und Cloud, aber auch Infrastruk-turlösungen (etwa für Druck, Mail oder Filetransfer) und Plattform für SAP-, HR- oder CRM-Anwendungen. Ralf Dannemann, Platform Leader IBM Power bei IBM Deutschland, rechnet damit, dass bereits 2013 das Investitions-volumen für Linux-Lösungen weltweit 10 Mrd. Dollar erreicht.

In diesem Wachstumsmarkt will IBM mehr als bisher reüssieren. Das ist mit der im September 2004 lancierten Linux-Serverreihe Open Power nicht gelungen, obwohl IBM Power-Linux bei den „Total Cost of Ownership“ als klar marktführend einschätzt. Die Gründe für den bescheidenen Erfolg sind vor allem in den im Vergleich zu x86-Linux relativ hohen Anschaffungskosten („Total Cost of Acquisition“) sowie in dem deutlich kleineren Angebot von Linux-Programmen für die Power-Plattform zu sehen.

An beiden Stellschrauben will IBM drehen. Zunächst hat man den Kaufpreis des Modells 7R2 – das kryptische Kürzel steht für „Power7-Server, im Rack, 2 Units hoch“ - laut Preisliste auf 21.282 Dollar gesenkt – und damit auf das Niveau der Intel-Konkurrenz (siehe Grafik). Für diesen Preis erhält man ein Gerät mit zwei Prozessoren und 16 Power7-Kernen, die mit 3,55 GHz getaktet sind, 32 GB Hauptspeicher und 600 GB Plattenplatz sowie Linux-Betriebssystem (Red Hat Linux 6 oder Suse Linux Enterprise Server 11 SP1) und die Virtualisierungs-Middleware PowerVM.

Zum Vergleich: Der baugleiche Power7-Server 730 kostet 29.186 Dollar, kann dafür aber zusätzlich auch mit den Betriebssystemen AIX und IBM i betrieben werden. Das ist laut Peter Jakobs, Produktmanager Power/Linux bei IBM, mit der kostengünstigeren Linux-Maschine 7R2 nicht möglich; die Virtualisierungsschicht PowerVM verhindere das. Möglich sei jedoch der Betrieb anderer Linux-Varianten (wie Debian oder Fedora), dann jedoch – wie auch beim Power System 730 – ohne den Support durch IBM.

Das heißt aber auch: Vmware bietet wesentlich mehr Freiheitsgrade bei der Wahl des Gastbetriebssystems. Und es scheint auf den ersten Blick kontraproduktiv für ein gewinnorientiertes Unternehmen, ein Produkt billiger zu machen, indem man auf zwei eigene Betriebssystemprodukte verzichtet und stattdessen Linux aus fremder Hand weiterverkauft. Doch die IBM-Geschichte beweist, dass diese Strategie durchaus aufgehen kann.

Der Compute-Einschub P24L für die Pure Systems kommt mit wahlweise ein oder zwei Power7-Prozessoren mit sechs oder acht Kernen und bis zu 256 GB Hauptspeicher, ebenfalls mit Suse oder Red Hat Linux. Da er nur einen Steckplatz im Pureflex-Chassis belegt, können darin bis zu 14 dieser Linux-Server Platz finden. Der Server P24L ist baugleich mit dem am 11. April angekündigten Compute-Einschub p260, verhindert aber ebenfalls per Firmware den Betrieb unter AIX oder IBM i. Als Prozessoren kommen entweder Power7-Chips mit sechs 3,7 GHz schnellen Kernen oder Achtkernprozessoren mit 3,2 oder 3,5 GHz in Betracht.

Das Software-Angebot für Power-Linux, derzeit weltweit über 1.500 Software-Pakete, will IBM laut Jakobs durch eine Stärkung des „Ökosystems“ weiter ausbauen, indem mehr Wiederverkäufer, OEMs und Softwarehäuser aus der Linux-Welt für die Power-Plattform begeistert werden. Ziel seien native Lösungen und keine performance-raubende Emulation der Intel-Plattform. Dafür gebe es eine kostenlose Software-Entwicklungsumgebung auf Eclipse-Basis und Ressourcen wie das Chiphopper-Programm. Erhältlich für die neuen Server sind typische Linux-Lösungen zur Analyse unstrukturierter Datenbestände (z.B. mit IBM Infosphere oder Hadoop), Geschäftsanwendungen wie SAP oder Infrastrukturdienste mit Apache, Samba oder PHP. Zu diesen Lösungen gehören auch die ERP- und Personalanwendungen der italienischen Zucchetti Group, die bei 85.000 Kunden insgesamt 450.000 Mal installiert sind.

www.ibm.de

www.ibm.com/power/powerlinux

www.ibm.com/ibm/puresystems

Bildquelle: © IBM

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