Ransomware-Angriff mit weltweiten Auswirkungen

Kaseya ist kein Einzelfall

Die Ransomware-Erpresser der Gruppe Revil fordern 70 Mio. Dollar „Lösegeld“ für ein universelles Entschlüsselungs-Tool, nachdem sie Fernwartungssoftware „Virtual Systems Administrator“ (VSA) von Kaseya gehackt und darüber viele Unternehmen mit Verschlüsselungstrojanern verseucht haben.

  • Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder

    Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder nennt die jüngste Attacke auf das IT-Unternehmen Kaseya „eine besonders perfide Masche“

  • BSI-Präsident Arne Schönbohm

    BSI-Präsident Arne Schönbohm schätzt Ransomware „als eine der größten Bedrohungen für die IT von Unternehmen und Organisationen ein“.

Wie die CRN Kaseya-CEO Fred Voccola zitiert, wird die von den Cyberkriminellen ausgenutzte Schwachstelle nur bei nur wenigen der 6.500 On-Premises-Kunden genutzt; es seien etwa 50 Managed-Service-Provider betroffen. Revil dagegen spricht von mehr als eine Million infizierter Systeme; offensichtlich sind auch die Systeme der MSP-Kunden geschädigt.

Laut BSI sind auch in Deutschland IT-Dienstleister und weitere Unternehmen betroffen. Nach Kenntnisstand vom 5. Juli wurden hierzulande mehrere Tausend IT-Geräte verschlüsselt. „Der Vorfall zeigt, wie intensiv die globale Vernetzung in der Digitalisierung voranschreitet und welche Abhängigkeiten dabei entstehen“, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm, denn bei dem aktuellen Angriff sei Ransomware über jedes Glied einer Software-Lieferkette ausgerollt worden. „Das zeigt deutlich: Lieferketten müssen auch unter dem Aspekt der IT-Sicherheit in den Fokus rücken. Ransomware ist derzeit als eine der größten Bedrohungen für die IT von Unternehmen und Organisationen einzuschätzen. Bei erfolgreichen Angriffen werden Dienstleistungen und Produktion häufig zum Stillstand gebracht. Die Schäden für Betroffene sind daher oftmals enorm." Betroffene Unternehmen bittet er, sich an das BSI zu wenden.

Besonders perfide Masche

Das BSI gibt keine Auskunft über die Betroffenen selbst; allerdings sollen kritische Infrastrukturen oder die Bundesverwaltung nach derzeitiger Kenntnis des BSI nicht betroffen sein. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder nennt die jüngste Attacke auf das IT-Unternehmen Kaseya „eine besonders perfide Masche“, um Unternehmen in aller Breite zu attackieren, denn viele Unternehmen lassen sich von externen IT-Dienstleistern unterstützen. „Wird aber die beim Dienstleister eingesetzte Software infiltriert, kann der Angriff quasi beliebig skaliert werden“, so Rohleder weiter. „Die Cyberkriminellen machen sich die Hebelwirkung über den IT-Dienstleister zu Nutze, indem sie die Zielsysteme der Endkundinnen und -kunden verschlüsseln und horrende Lösegelder erpressen.“

Umso wichtiger ist es, dass die IT-Abteilung alle in Anspruch genommenen Managed-Services adäquat absichert; nur dann kann dieser Hebel nicht greifen. Er funktioniert einzig und allein dann im Sinne der Erpresser, wenn sowohl der IT-Dienstleister als auch dessen Kundschaft der Sicherheit nicht die gebührende Aufmerksamkeit widmet.

Dieser Angriff auf die Software-Lieferkette stellt ja nur die Spitze eines Eisbergs in einer Reihe von Attacken dar, die seit Monaten für steigende Aufmerksamkeit sorgen. Nach einem ähnlichen Muster erfolgte bereits der Solarwinds-Angriff, der Ende vergangenen Jahres bekannt wurde und bei dem ebenfalls die Software-Lieferkette als Einfallstor diente. Ziel waren dabei vor allem staatliche Institutionen und Großunternehmen. Mit der Kaseya-Attacke trifft es nun eine andere Zielgruppe – mit nicht weniger schwerwiegenden Konsequenzen für die Gesellschaft insgesamt. Hacking hat sich zu einer maßgeblichen Bedrohung für den Schutz der Bevölkerung und deren Versorgungssicherheit entwickelt. Das haben auch die Angriffe auf eine zentrale US-Ölpipeline, das irische Gesundheitssysteme sowie den weltgrößten Fleischproduzent eindrücklich unter Beweis gestellt.

Durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage ist der deutschen Wirtschaft nach Bitkom-Schätzungen bereits 2019 ein Gesamtschaden von über 100 Mrd. Euro entstanden. „Viele Unternehmen sind durch die Pandemie und den ungeplanten Umzug ins Homeoffice anfälliger für Internetkriminalität geworden“, sagt Rohleder. Er geht davon aus, „dass die Schadenssummen und die Zahl betroffener Unternehmen 2020 deutlich über dem Niveau des Vorjahres liegen.“

Bildquelle: Bitkom / BSI

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