Alexander Kaden, Leiter IT-Entwicklung bei G Direct, arbeitet an der Modernisierung des Technologie-Stacks in Richtung Java- und Cloud-Anwendungen.
Die mittelständische Bamberger Günther Direct Services GmbH (kurz G Direct), 2006 als eigenständiges Unternehmen der seit über 70 Jahren im Direktmarketing tätigen Günther-Gruppe gegründet, ist Dienstleister für komplexe CRM- und Dialog-Lösungen, der im Full-Service Aufgaben wie IT, Kundenbetreuung, Finanzen/Administration, Direktmarketing und Vertrieb übernehmen kann.
Dazu werden individuelle Lösungskonzepte für die Presales-, Sales- und Postsales-Phase der Kunden erarbeitet. Die Umsetzung erfolgt durch branchenspezifische Kompetenz-Teams und basiert auf individueller Software sowie marktfähigen Standards.
Beispielsweise ist G Direct ein Spezialist in der Abwicklung des Lotteriegeschäfts – von der Auftragsbearbeitung über den Kundenservice bis zum zuverlässigen technischen Datensicherheitskonzept. Die Abwicklung einer Lotterie ist komplex und unterliegt zahlreichen Regularien. Hohe Sicherheitsstandards müssen eingehalten werden.
Mit zunehmend digitaler Kunden-Interaktion ist die zeitgemäße, skalierbare und datenschutzkonforme Abwicklung aller Vertriebs-, Kundenservice- und Finanzprozesse unverzichtbar. Da parallel auch die Flut an Daten gebändigt und verwertet werden will, stellt G Direct dazu eine Plattform bereit, all diese Daten für die Analyse nutzbar zu machen, ohne neue Sicherheitsrisiken zu schaffen.
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Die Experten entwickeln dazu individuelle Lösungen zur Prozessautomation, zur Abwicklung von Lotteriespielen oder zur Integration in bestehende Systemlandschaften. Grundlage dieser von Anfang an flexibel am Bedarf ausgerichteten Services sind schon immer selbst entwickelte Anwendungssysteme auf Basis der IBM-Plattform Power i. Zunächst lupenrein in RPG programmiert, wurden diese Anwendungen im Laufe der Jahre sukzessive um weitere Technologien ergänzt, wie z.B. Java für die Backend-Codierung oder Delphi zur Implementierung moderner Frontends.
Als 2021 klar war, dass das IBM-i-Entwicklerteam im Laufe von zwei bis drei Jahren in den Ruhestand wechseln wird, bis dahin aber noch zahlreiche wichtige Programme in RPG implementiert werden müssen, suchte man nach einem Partner, der das schwindende RPG-Know-how kompensieren kann. Ziel war es, das System zu pflegen, aber auch im Fehlerfall schnell reagieren zu können und es bei neuen Anforderungen aus dem Business auch weiterzuentwickeln.
Weil die Ravensburger Modernisierungs-Experten von PKS bereits mehrfach punktuell, vor allen Dingen im Bereich Web-Services, beauftragt worden waren, lag es auf der Hand, hier nach einer Entwicklungspartnerschaft anzufragen, um Kompetenzen und Kapazitäten einzukaufen. Ebenso stand die Anforderung im Raum, ob und wie es überhaupt gelingen kann, junge Talente für die Weiterentwicklung der individuellen Anwendung zu gewinnen bzw. den vorhandenen Java- und Delphi-Entwicklern die Grundlagen von RPG soweit zu vermitteln, dass sie bei der schrittweisen Überführung des RPG-Codes tatkräftig mitwirken und gangbare Wege finden können.
Gemeinsam mit dem Dienstleister startete G Direct in ein „Discovery“-Projekt zur Klärung von vier Fragen:
Dreiwöchige Discovery-Phase
Vor diesem Hintergrund ergaben sich für die dreiwöchige Discovery-Phase folgende Tätigkeitsschwerpunkte:
Es zeigte sich schnell, dass der Sourcecode technisch auf gutem Niveau ist und eine Übernahme von Entwicklertätigkeiten sehr gut möglich sein wird. Das Frontend der betrachteten 5250-Anwendung war trotz der technisch sehr eingeschränkten Möglichkeiten optisch vorbildlich umgesetzt, was zu einer guten Bedienbarkeit führt.
Die RPG-Programme waren weitestgehend in der aktuellen Syntax von Free RPG codiert; ihre Architektur ist serviceorientiert, also modern. Jedoch fanden sich auch diverse aktive Funktionen, die in der Praxis gar nicht mehr verwendet werden – diese wurden zur Archivierung markiert.
Auch die Entwicklungswerkzeuge und -prozesse waren auf modernem Niveau, sodass nichts gegen die Einbindung der externen Entwickler sprach. Unklar war zu diesem Zeitpunkt nur noch, wie die weitere interne Organisation gestaltet werden sollte, z.B. durch die Definition eines Product-Owners, der anwendungs- und technologieübergreifend den Überblick behalten sollte. Hier wurde als Ergebnis der Discovery-Phase mit der Personalsuche gestartet, in der ein erfahrener Teamleiter Softwareentwicklung aus dem Java-Kontext gewonnen werden konnte, der rasch auch die Basics in RPG und IBM i erlernte.
Mit den Erkenntnissen der Discovery-Phase startete das Team dann Ende 2021 mit der Ramp-Up-Phase und baute innerhalb weniger Monate sukzessive das erforderliche technische und fachliche Wissen auf. Seither unterstützt und ergänzt PKS das intern neu aufgestellte Team im Umfang von 100 bis 150 Personentagen pro Jahr. Als Tools und Verfahren kommen in dieser IBM-i-Entwicklungspartnerschaft neben dem Rational Developer for i (RDi) auch eXplain und iCademy zum Einsatz. Mit dieser Kombination konnte G Direct den Generationswechsel bewältigen und wichtige Weichen für den künftigen Erfolg stellen.
„Mit Hilfe der Kollegen von der PKS konnten wir im Unternehmen in den letzten Jahren den altersbedingten Umbruch in unserem Softwareentwicklungs-Team meistern“, sagt Alexander Kaden, Leiter IT-Entwicklung bei der Günther Direct Services GmbH. „Zeitgleich können wir dank der RPG-Expertise viele alte Anwendungen auf IBM i sukzessive erneuern und damit die Wartbarkeit sicherstellen.“
Nachdem dieser erste Schritt bis Ende 2022 gelungen war, hat sich G Direct entschieden, mittel- und langfristig auch wieder eigene Entwickler-Ressourcen aufzubauen. Hier unterstützt PKS durch das bewährte iCademy-Programm bei der Aus- und Weiterbildung. Ebenso stehen weitere Modernisierungsvorhaben auf der Agenda. Das Management des Bamberger ist erleichtert, dass die vormaligen Personalsorgen der Vergangenheit angehören und man sich nun ganz auf inhaltliche Themen fokussieren kann.
Die bisher geschaffene wertvolle Businesslogik kann somit auch in den nächsten Software-Generationen wiederverwendet werden und ist gleichzeitig technologisch up to date. „Die PKS und deren Mitarbeiter vereinen Expertise in der IBM-i-/RPG-Umgebung und in der Java-Welt“, konstatiert Alexander Kaden. „Das sind beste Voraussetzung für die Modernisierung unseres Technologie-Stacks in Richtung Java- und Cloud-Anwendungen.“
Bildquelle: G Direct, Erik-McLean/Unsplash