Simone Pürckhauer, Leiterin Public Relations bei Steiff: „Der Umstieg war aus geschäftlicher Sicht sinnvoll.“
Der Kuscheltier-Hersteller Margarete Steiff GmbH bietet heute auch Kindermode an. Für diese Erweiterung des Produktsortiments war das bisherige Standardsoftware SAP ECC nicht mehr geeignet. Die Verwaltung von Modekollektionen in den Lagern und Shops ist im Vergleich zur Herstellung und dem Vertrieb von Kuscheltieren deutlich komplexer.
Nicht nur spielen mehr Parameter eine Rolle – Mode ist auch viel -stärker saison-abhängig. Um sicherzustellen, dass alle Stores in Deutschland zuverlässig mit Waren beliefert werden können, wollte Steiff eine softwaregestützte Logistik mit Verteilzentren einrichten. Diese Business-Entscheidung fest im Blick, war der Wechsel auf eine Ausprägung von S/4 Hana mit starkem Retail-Fokus die folgerichtige Wahl.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Laut Simone Pürckhauer, Leiterin Public Relations bei Steiff, war der Umstieg aus geschäftlicher Sicht sinnvoll: „Wir hatten dabei strikt unser Business im Blick.“ Da der Spielwarenhersteller bereits seit vielen Jahren mit dem SAP-Spezialisten All for One Group zusammengearbeitet hatte, sollte die Migration mit dem vertrauten Partner durchgeführt werden, der seinerzeit auch schon die Ablösung verschiedener Anwendungssysteme durch Kompletteinführung der SAP Business Suite auf der AS/400 gemeistert hatte. Auch jetzt gelang der Umstieg wieder – dank des sogenannten Bluefield-Ansatzes in nur 18 Monaten.
Die Experten des Dienstleisters führten zunächst eine Discovery-Phase durch, in der sie das bestehende ERP-System analysierten und gemeinsam mit Steiff Ziele definierten. Bei der anschließenden Bluefield-Migration kam die Crystal-Bridge-Plattform von SNP zum Einsatz.
Die Bestandsaufnahme des laufenden Systems erfolgte automatisiert mithilfe der Analyse-Software dieser Plattform. Quasi „auf Knopfdruck“ entstand so ein genaues Röntgenbild der Ausgangssituation, das alle wichtigen Informationen wie Buchungskreise, Standorte, Module und Komponenten übersichtlich darstellte.
Die Transformationsplattform ermöglichte zudem, Prozesse zu automatisieren und Aufgaben, die sonst Vorprojekte erfordern, in einem einzigen Projekt zusammenzufassen (One-Step-Approach). Durch diese Vorgehensweise konnte ein kleines internes IT-Team die Transformation schnell und effizient umsetzen, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.
Im Anschluss wurde eine sogenannte „Empty Shell“ für Steiff aufgebaut: eine Kopie des laufenden ERP-Systems, das von sämtlichen Anwendungsdaten befreit wird. Eine solche „leere Hülle“ lässt sich flexibel anpassen und leichter auf S/4 Hana updaten. Die Spezialisten spielten daraufhin die Retail-Konfiguration auf, legten fest, welche Daten migriert werden sollten, und definierten die Migrationsregeln und Mappings. Zum Schluss wurde das System mit Daten befüllt, getestet und final migriert.
Dadurch, dass Steiff den Umstieg auf die neue ERP-Software frühzeitig anging, vermied das Unternehmen einen Projektstau. Firmen, die schon jetzt diese Migration initiieren, müssen das Support-Ende von SAP ECC im Jahr 2027 (bzw. gegen Aufpreis 2030) nicht fürchten.
Der One-Step-Approach stellte sicher, dass Steiff das umfangreiche Projekt trotz eines kleineren internen IT-Teams effizient und schnell stemmen konnte, denn die Conversion-Partner setzten alle notwendigen Veränderungen in einem Schritt um. Dank des Retail-Standards kann man das Saison- und Kampagnengeschäft flexibel bedienen. Und nicht zuletzt hat die System-Harmonisierung den Aufwand für die Stammdatenpflege deutlich reduziert.
Wohl jeder kennt die Plüschtiere mit dem Knopf im Ohr. Das Unternehmen wurde 1877 als Filzwarengeschäft von Margarete Steiff gegründet. Mit der Vorstellung des ersten Teddybären 1903 gelang der internationale Durchbruch. Zum Sortiment des Traditionsunternehmens in Familienbesitz zählt mittlerweile auch Kindermode. Steiffs Jahresumsatz beläuft sich auf rund 112 Mio. Euro.
Bildquelle: Margarete Steiff GmbH