Ein Disponent in der Leitstelle Plus der S-Bahn Stuttgart in Plochingen.
Das KI-basierte Werkzeug in der Disposition der S-Bahn Stuttgart berechnet in ca. 100-facher Echtzeit mehrere Varianten der Zugsteuerung. In der Disposition kann man in einem Video den Verkehr vor- und zurückspulen und beobachten, wie sich Entscheidungen auf die Pünktlichkeit auswirken. Gerade bei Störungen wie einem umgeknickten Baum können so mögliche Verspätungen minimiert werden.
Der KI-Einsatz soll so künftig für pünktlichere Züge und staufreien Verkehr auf stark befahrenen Strecken sorgen, sagt Sabina Jeschke, die scheidende DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik. Die DB habe das KI-Tool selbst entwickelt und werde es 2021 noch in weiteren S-Bahn-Netzen einsetzen. Auch in der Instandhaltung bewähre sich KI zunehmend, denn ein KI-System erkennt und meldet Schäden am ICE automatisiert. Die DB wird diese Technologie künftig in mehreren ICE-Werken nutzen. Auch für Regional- und Güterzüge laufen erste Tests.
„Künstliche Intelligenz ist der entscheidende Hebel für die Pünktlichkeit“, glaubt Jeschke. „Bei der S-Bahn Stuttgart konnten wir bei ersten Tests die Pünktlichkeit im Störungsfall um bis zu drei Prozentpunkte steigern. In größeren Verkehrsnetzen sind sogar bis zu zweistellige Pünktlichkeitsgewinne möglich.“ Zudem könne man die vorhandenen Schienen effizienter nutzen, durch eine engere Taktung und mehr Fahrzeuge.
Die DB nutzt KI auch in der Instandhaltung. Ziel ist eine flächendeckend zustandsbasierte Wartung der Züge. Mit Hilfe von KI-Verfahren werden Kamerabilder oder Sensordaten automatisiert ausgewertet, um den konkreten Instandhaltungsbedarf zu ermitteln. Das entlastet das Personal und verringert die Zeit, in der beispielsweise das Dach eines ICE inspiziert wird, von mehreren Stunden auf wenige Minuten. Weitere Projekte zielen auf die Vorhersagbarkeit von Ausfällen: Derzeit testet die DB zum Beispiel KI-Verfahren, um den Materialbedarf in den Werken oder den richtigen Zeitpunkt für die Wartung oder den Austausch von Radsätzen vorherzusagen. Das steigert die Fahrzeugverfügbarkeit weiter.
Um die Pünktlichkeit weiter zu steigern, setzt Jeschke aber nicht nur auf KI, sondern zudem auf Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur, das Programm „Digitale Schiene Deutschland“ und neue Fahrzeuge.
Bildquelle: DB AG / Martin Schmolke