Im Gespräch mit Dr. Wolfgang Rother, IBM-Experte für Power Systems

„Klonen virtueller Maschinen!“

Der planmäßige Technologie-Refresh 4 (TR4) von IBM i 7.1 wartet wie gemeldet mit etlichen neuen Features auf, die vor allem bei der Ausfallsicherheit und bei Virtualisierungsfunktionen nachbessern. Möglich wird nun auch das Klonen virtueller Maschinen in der Cloud.

  • IBM-Experte Dr. Wolfgang Rother: „Nicht jeder individuelle Wunsch eines Kunden wird via Klonen von Images erfüllbar sein – etwas, was man auch in Bezug auf Cloud-Umgebungen nicht vergessen sollte.“

Der Technologie-Refresh 4 (TR4) von IBM i 7.1 wird als wichtiger Schritt auf dem Weg der Plattform IBM i in die Cloud betrachtet. Warum, das erläutert im Interview mit DV-Dialog Dr. Wolfgang Rother, Senior IT Specialist Power Systems bei IBM Deutschland.

Herr Dr. Rother, eine der Neuerungen des 4. Referesh ist „Live Partition Mobility for IBM i“. Was sind die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten?

Dr. Wolfgang Rother: Live Partition Mobility (LPM) ist ein Feature der PowerVM Enterprise Edition, welches ein „Verschieben“ virtueller Maschinen im aktiven, inaktiven oder suspendierten Modus zwischen Power-Systemen ermöglicht. Die wesentlichen Einsatzgebiete sind Workload-Konsolidierung und -Balancing sowie das Sicherstellen eines unterbrechungsfreien Anwendungsbetriebes bei geplanten Ausfällen, wie beispielweise Wartungsarbeiten oder Upgrades.

Welche Voraussetzungen sind zu beachten, um LPM zu nutzen?

Dr. Rother: Kurz gesagt: Mindestvoraussetzungen sind Power7-Systeme mit der PowerVM Enterprise Edition auf beiden Seiten und eine vollständig virtualisierte Instanz von IBM i 7.1 TR4. Opens external link in new windowMehr Details findet man auf der IBM-Seite Developerworks.

LPM wird als wichtige Funktion auf dem Weg von IBM i in die Cloud positioniert. Warum?

Dr. Rother: Eine Cloud-Umgebung besteht meistens aus mehreren Systemen, um die gesamte Workload überhaupt verarbeiten zu können, aber auch um Service Level Agreements hinsichtlich Verfügbarkeit abzudecken. Stellen Sie sich vor: Eines dieser Systeme muss wegen Wartungsarbeiten heruntergefahren werden. Wie erwähnt, kann in solchen Fällen LPM durch vorheriges Verschieben der virtuellen Maschine den Ausfall der Anwendung verhindern. Denn wie würde ein Kunde des Cloud-Anwenders reagieren, wenn dessen Shop nicht online wäre?

Weiterhin erwarten sowohl Cloud-Provider als auch Anwender „Elastizität“ in der Cloud. Das bedeutet: Es müssen bei zunehmender Workload auch zusätzliche Ressourcen ohne Anwendungsausfall zur Verfügung gestellt werden können. Beispielweise, indem mit Hilfe von LPM Workload von einem sehr ausgelasteten auf ein nicht voll ausgelastetes System in der Cloud verlagert wird.

Welche Cloud-Features können wir als nächstes bei IBM i erwarten?

Dr. Rother: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass IBM keine Aussagen über nicht angekündigte Produkte abgibt.

Schaut man sich die verschiedenen Features der drei Editionen Express, Standard und Enterprise des IBM Systems Director VMControl an, dann sieht man, dass IBM i bei der Version 2.4 nicht nur die Express-, sondern auch die Standardedition unterstützt. Es fehlen also nur noch die der Enterprise-Edition vorbehaltenen Funktionen. Im Wesentlichen geht es dabei um das Management virtueller Maschinen (LPARs) in Systempools. Opens external link in new windowEine gute Übersicht findet man im IBM Systems Director VMControl 2.4 Informationcenter.

Die Expressedition umfasst Funktionen, wie das Erstellen, Bearbeiten und Verwalten von virtuellen Servern sowie das Erkennen von virtuellen Server-, Speicher- und Netz-Ressourcen.

Mit der Standardedition können LPARs, inklusive aktiver Anwendungen und der LPAR-Konfigurationsdefinition, in einer Datei als sogenanntes „Virtual Image“ gespeichert werden. Damit kann diese einmal eingerichtete Umgebung zum „Klonen“ von virtuellen Maschinen verwendet werden, ohne die Applikationen, das Betriebsystem, die PTFs etc. jedes Mal wieder neu installieren und konfigurieren zu müssen.

Was heißt das?

Dr. Rother: Virtuelle Images können den Installationsaufwand von LPARs erheblich reduzieren. Sie verlieren jedoch ihren Wert, sobald die nachfolgenden Installationsschritte ähnlich viel Zeit in Anspruch nehmen wie eine komplette Neuinstallation „from scratch“. Images anzulegen und danach nur wenige Male oder gar nicht zu verwenden, macht wenig Sinn.

Zu beachten ist, dass sich durch Einspielen von PTFs die Umgebungen auch verändern können. Für Softwarehäuser, die längeren Zeit die gleiche Testumgebung implementieren wollen, sind solche Images sicherlich sinnvoll. Auch können sie statt DVDs künftig virtuelle Images bereitstellen, die eine komplette Instanz von IBM i inklusive der notwendigen Lizenzprogramme und der Applikation umfasst - und alles bereits optimal vorkonfiguriert.

Man sollte dabei aber aufpassen, dass man des Guten nicht zuviel tut. Nehmen wir etwa an, dass es pro Image zehn Optionen gibt, die man installieren könnte. Um alle Wünsche, die jemals auftreten können über Images abzudecken, braucht man 2 hoch 10, also 1024 Images. Das Beispiel verdeutlicht sofort, dass nicht jeder individuelle Wunsch eines Kunden via „Klonen“ von Images erfüllbar sein wird – etwas, was man auch in Bezug auf Cloud-Umgebungen nicht vergessen sollte.

Kommt IBM i auch in die Smart Cloud?

Dr. Rother: Seit Oktober letzten Jahres existiert ein Statement of Direction (SOD) hinsichtlich des Supports von IBM i durch Smart Cloud Entry for Power (ehemals Starter Kit for Cloud), also durch zusätzliche Services oberhalb des Systems Director VMControl. Dazu gehört auch das von Benutzern initiierte Erstellen virtueller Maschinen inklusive der Abrechnung von anfallenden Kosten. Meine Erfahrung ist, dass ein SOD innerhalb von 12 bis 18 Monaten Realität wird – aber sicher ist das nie. Manches SOD wurde auch wieder zurückgezogen oder durch andere ersetzt.

In diesem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass man seit IBM i 6.1 und Power6 mit gehosteten IBM-i-Instanzen Ähnliches tun könnte wie VMControl mit „Virtual Images“. Als „Schablonen“ könnte man die Network-Server-Storage-Objekte verwenden. Aber das wäre eine proprietäre Lösung: außerdem gibt es dafür auch kein Management-Tool in IBM i.

Ist geplant, auch für IBM i Cloudburst-Lösungen anzubieten?

Dr. Rother: Die Erfahrungen zeigen, dass die Kunden mehr Auswahl und eine größere Flexibilität beim Aufbau ihrer privaten Clouds benötigen. Vor diesem Hintergrund hat IBM entschieden, Cloudburst in das Puresystems-Portfolio zu überführen. Das heißt: Kunden, die eine integrierte Appliance suchen, erhalten von IBM künftig Cloud-Angebote auf Basis dieser neuen „Expert Integrated“-Systems.

Wann wird IBM i gleichberechtigt neben AIX und Linux in der Power Cloud sein und neue Cloud-Technologien unmittelbar nutzen können?

Dr. Rother: Aus Sicht der IBM sind die Betriebssysteme AIX, IBM i und Linux auf Power gleichberechtigt, was aber nicht bedeutet, dass alle Funktionen zeitgleich in allen Betriebsystemen unterstützt werden.

IBM stellt für die Weiterentwicklung von IBM i und das Testen neuer Funktionen entsprechendes Budget bereit, wobei die Anforderungen des jeweiligen Kundensets (beispielsweise der Large User Group) priorisiert und berücksichtigt werden.

www.ibm.de

Bildquelle: IBM & Gerd Altmann/Opens external link in new windowPixelio.de

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