MAN Diesel & Turbo steuert Lagerlifte mittels Datenbrille

Kommissionierung mit Augmented Reality

Die Ansteuerung der Hänel Lean-Lifte bei MAN Diesel & Turbo mittels einer Datenbrille über eine eigene SAP-App ist laut Malte Sietz, Leiter Intralogistik, „eine absolute Innovation, die es so bisher noch nicht gab“. Mit der Datenbrille werden nicht nur Ein- und Auslagerungsvorgänge angezeigt, sondern über die SOAP-Schnittstelle auch die Fahrbefehle für die Lean-Lifte generiert.

  • In zwei über neun Meter hohen Vertikalliften stehen bei MAN auf Multifunktions-Containern über 6.000 Lagerplätze bereit.

  • Die Datenbrille zeigt den genauen Lagerplatz des angeforderten Artikels an . . .

  • . . nach der Entnahme wird die entsprechende Fachnummer mit dem Handscanner erfasst und direkt in SAP gebucht. Dazu erfasst der Mitarbeiter mit dem im Handschuh integrierten Scanner den Schein und anschließend den Barcode im Lagerfach.

Vor über 250 Jahren wurde die Firma MAN Diesel & Turbo SE in Oberhausen gegründet. Neben Dampf- und Gasturbinen entwickelt und fertigt man in Oberhausen auch Axial- und Prozessgasschraubenkompressoren sowie Expander.

Mitten in der Produktionshalle von MAN Diesel & Turbo in Oberhausen kommen zwei Lean-Lifte von der Hänel GmbH, Bad Friedrichshall, als zentrales Kleinteilelager zum Einsatz. Für die EDV-Anbindung dieser hochautomatisierten Intralogistiklösung an das ERP-System SAP kommt Hänels Schnittstelle MP 12 N-HostWeb zum Einsatz. Der Liftverbund wird über das SOAP-Protokoll ohne zusätzliche Middleware direkt aus SAP verwaltet und angesteuert.

Neun Meter hohe Vertikallifte

In den über neun Meter hohen Vertikalliften stehen auf Multifunktions-Containern über 6.000 Lagerplätze bereit. Durch die höhenoptimierte Lagerung in den Hänel Lean-Liften® können so über 9.000 Kleinteile für die Produktion und den weltweiten Versand bereitgestellt werden.

Ein Novum ist die mit Datenbrillen unterstützte Kommissionierung am „Lean-Lift“, dem automatischen Kleinteilelager. Die Brille kommuniziert über eine eigens von MAN implementierte App mit dem SAP-System, das wiederum die Fahrbefehle mittels SOAP-Protokoll direkt an die Liftsteuerung schickt. Der Datenhandschuh mit integriertem Scanner vervollständigt das moderne Bedienkonzept, bei dem der Nutzer immer beide Hände zum Kommissionieren der Teile frei hat. Das macht die Arbeit an den Liften einfacher.

Die Brille wird über Streichen und Antippen eines eingebauten Sensormoduls bedient und steuert die Lifte ohne zusätzliche Bedienung. Beim Auslagervorgang wird durch den Fahrbefehl von SAP der benötigte Container in die Entnahmestelle gebracht und parallel dazu ein Kommissionierschein gedruckt. Mit dem im Handschuh integrierten Scanner erfasst der Mitarbeiter nun den Schein und anschließend den Barcode im Lagerfach.

Quittieren an der Datenbrille

Hierdurch bestätigt er die Entnahme im SAP-System – und der Bestand wird dort automatisch aktualisiert. Durch Quittieren an der Datenbrille wird die nächste Position des Auftrags aktiviert – und der Lean-Lift stellt ohne weitere Bedieneingabe den neuen Container bereit.

Malte Sietz, Leiter Intralogistik bei MAN Diesel & Turbo, sagt: „Die Ansteuerung der Hänel Lean-Lifte mittels einer Datenbrille über eine eigene SAP-App ist eine absolute Innovation, die es so bisher noch nicht gab. Mit der Datenbrille werden nicht nur Ein- und Auslagervorgänge angezeigt, sondern über die SOAP-Schnittstelle auch die Fahrbefehle für die Lean-Lifte generiert“. Alternativ kann die Kommissionierung auch über einen Handscanner und ein PC-Terminal erfolgen.

Doppelspiel bei der Kommissionierung

Um die Performance zu steigern und die Reaktionszeiten zu verkürzen, setzt MAN im SAP-System ein prioritätenorientiertes System ein. Ein eigens hierfür programmierter Algorithmus arbeitet die Aufträge nach Prioritäten ab und berücksichtigt dabei zusätzliche Zeitfenster, so dass auch Aufträge mit niederer Priorität rechtzeitig bearbeitet werden.

Die Positionen eines Auftrags werden zeitoptimiert abgearbeitet. Das bedeutet: solange eine Komponente aus dem ersten Lift kommissioniert und verpackt wird, bringt der zweite Lift bereits den Container mit dem nächsten Teil in die Entnahmestelle. Diese Strategie eines „Doppelspiels“ erhöht die Durchsatzleistung bei der Ein- und Auslagerung der Komponenten. Sieht der Mitarbeiter beim Auslagern ein freies Fach auf dem Container, so kann er Einlagerungen direkt abarbeiten. Hierfür muss er nur den Warenschein sowie das Zielfach scannen. Im SAP-System ist der Artikel dann automatisch mit Menge und Lagerplatz im Lift hinterlegt.

Die Intralogistiklösung von MAN ist zudem an die speziellen ergonomischen Bedürfnisse einer behinderten Mitarbeiterin angepasst, denn alle Artikel werden vor dem Einlagern gewogen. Ein Ampelsystem zeigt, in welchem Bereich des Containers Komponenten unterschiedlicher Gewichtsklassen einzulagern sind. Diese behindertengerechte Lösung wurde durch die Stadt Oberhausen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe mitfinanziert.

Die Integration des SOAP-Protokolls in die Hänel Steuerungen ermöglicht übrigens eine direkte Anbindung an unterschiedlichste ERP-Systeme. Die Steuerung MP 12 N wird somit zum Bedienterminal des übergeordneten Systems!

Bildquelle: Hänel

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