Oracle schränkt Verkauf befristeter Lizenzen stark ein

Kostenfalle bei Audits und Migrationen

Seit dem 1. September verkauft Oracle keine On-Premise-Term-Lizenzen mehr für Zeiträume über zwei Jahren. Nur für eine bestimmte Anzahl an Produkten können noch 1-Jahres-Lizenzen erworben werden. Ansonsten bleibt als Alternative der Kauf unbefristeter Lizenzen oder der Erwerb von Cloud-Abos.

Björn Bröhl, DOAG

Björn Bröhl, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Oracle Anwendergruppe e.V. (DOAG)

Stellt sich die Frage: Welche Alternative ist die beste für einen Oracle-Kunden, der zum Beispiel während einer Umstellung oder Migration befristet Lizenzen für die Test- und Altsysteme braucht? „Eine einfache, pauschale Empfehlung lässt sich bei diesem Thema leider nicht geben“, weiß Björn Bröhl, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Oracle Anwendergruppe e.V. (DOAG). „Die Alternativen der Kunden hängen sehr vom jeweiligen Einzelfall ab. Die häufigsten Szenarien, bei denen es ein Problem durch die weggefallene Möglichkeit der On-Premise-Term-Lizenzen gibt, sind nach einem Lizenz-Audit oder während einer Migration.“

Nach einem Audit konnte in der Vergangenheit der Zeitraum der Unterlizenzierung durch zeitlich begrenzte Lizenzen rückwirkend abgedeckt werden. Dies ist nun so nicht mehr möglich. Oracle fordert Nachlizenzierungen ab dem ersten Tag einer unbefugten Benutzung von Software.

Im Falle einer Migration konnten On-Premise-Term-Lizenzen genutzt werden, um z.B. das abzulösende und zukünftige System kostengünstig für einen Zeitraum parallel betreiben zu können. Die Änderung bedeutet für Oracle-Kunden: Infrastrukturänderungen müssen innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Ansonsten ist der Erwerb „normale“ Perpetual-Lizenzen nötig, die 5 mal so teuer ist wie eine 2-Jahres-Mietlizenz, oder es müssen Cloud-Lizenzen erworben werden.

„Da für viele Oracle-Produkte nur noch ‚normale‘ Perpetual-Lizenzen ohne Laufzeitbegrenzung verfügbar sind, wird Oracle nur diese oder Cloud-Lizenzen für die beschriebenen Fälle anbieten“, sagt Bröhl. „Für die gängigsten Programme des Oracle-Stacks in Deutschland – Datenbank und Middleware – sind weiterhin 1-Jahres-Term verfügbar.“ Aktuell seien der DOAG noch keine Fälle bekannt, aus denen man ableiten könne, wie Oracle in diesen Fällen reagiere. „Daher bleibt jedem Kunden nur zu versuchen, einen möglichst hohen Rabatt für nun notwendige Perpetual-Lizenzen auszuhandeln“, so Bröhl weiter. „Für Oracle-Anwender, die mit dieser oder anderen Fragen zur Oracle-Lizenzierung konfrontiert sind, steht die DOAG als Ansprechpartner mit dem Kompetenzzentrum Lizenzierung zur Verfügung.“

Laut Christian Grave, Geschäftsführer von Prolicense und Experte für die Oracle-Lizenzierung, bleibt abzuwarten, ob sich gegebenenfalls Sonderregelungen mit Oracle verhandeln lassen. Auch diese werden zusätzliches Geld kosten und werden sicher nur den größten Kunden vorbehalten sein. „Eine andere Möglichkeit ist Oracle Gebraucht-Software“, verdeutlich Rechtsanwalt Sören Reimers, ebenfalls Geschäftsführer von Prolicense und Spezialist für die rechtssichere Abwicklung von Gebraucht-Software-Deals.

Sein Kollege Grave fragt sich auch, warum diese Änderung gerade jetzt kommt und nicht zum Ablauf des Geschäftsjahres im Mai vollzogen wurde. Wer Böses denkt, könnte meinen, dass es genau der richtige Zeitpunkt sei, die Lizenzbedingungen zu ändern bevor die Audit-Saison beginnt, Oracle wieder massenhaft Briefe verschickt und die Bereinigung der gefundenen Unterlizenzierungen bis zum Ende von Oracles Geschäftsjahr im Mai 2021 noch ordentlich Geld in die Kasse spielt, um die Umsatzeinbrüche des ersten Quartals auszugleichen.

Aber es könnte laut Grave natürlich auch daran liegen, dass Kunden die Term-Lizenzen einfach nicht mehr nachgefragt haben. Oder daran, dass Oracle neben dem Verkauf der On-Premise-Lizenzen wohl in jedem Fall einen Cloud-Deal anbieten wird. „Man bindet so den Kunden an sich und langfristig kann noch mehr verdient werden“ konstatiert Grave trocken. „Oracle ist dringend auf weiteres Wachstum im Cloud-Umfeld angewiesen, um das Rennen nicht weiter gegen AWS und Azure zu verlieren. Auch für den Börsenwert von Oracle ist dies absolute Priorität.

Bildquelle: DOAG

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