S/4 Hana funktioniert beim Haushaltsgerätehersteller nicht wie geplant

Kostspielige SAP-Einführung bei V-Zug

Die Metall Zug Gruppe, ein Industriekonzern aus der Schweiz, meldete am Freitag gravierende Probleme ihrer Tochter V-Zug mit dem im vergangenen Sommer neu eingeführten ERP-System. Dabei hatte der SAP-Partner Oneresource am 4. Juli 2018 gemeldet: „V-Zug konnte heute Morgen erfolgreich ihren digitalen Kern mit SAP S/4 Hana 1709 live schalten.“ Und weiter: „Wir gratulieren V-Zug und ihren Mitarbeitenden zu diesem großartigen Erfolg.“

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Viele Baustellen bei V-Zug nach der Ablösung des IFS-Systems

Doch Erfolg sieht anders aus, denn die Muttergesellschaft Metall Zug meldete am Freitag: „Kosten und Ertragsausfälle als Folge der SAP-Einführung bei der Tochter V-Zug und Rückstellungen für Bodensanierungen am Standort Zug im Umfang von rund 14 Mio. Schweizer Franken belasten das Betriebsergebnis 2019.“

Metall Zug, eine konzernmäßig geführte Gruppe von Industrieunternehmen mit Hauptsitz in Zug, umfasst vier Geschäftsbereiche mit insgesamt rund 5.000 Beschäftigten. Zum Geschäftsbereich Haushaltapparate gehören die Schweizer V-Zug AG mit ihren ausländischen Töchtern sowie die V-Zug Kühltechnik AG, Sibir und Gehrig.

Weil bei V-Zug außer den Rückstellungen für Bodensanierungen am Standort Zug in Höhe von rund 14 Mio. Schweizer Franken auch SAP-bedingte Kosten das Ergebnis belasten, erwartet die Gruppe für das erste Halbjahr 2019 ein Betriebsergebnis in der Größenordnung von 0 Mio. Franken gegenüber 36.4 Mio. Franken in der Vergleichsperiode im Vorjahr.

Bereits bei der Publikation des Jahresergebnisses 2018 vom 21. März 2019 ging Metall Zug von einem schwierigen und unsicheren Umfeld aus und hatte u.a. aufgrund „dieser Einschätzung sowie der Belastungen im Zusammenhang mit den sich überlagernden und vielfältigen strategischen Zukunftsprojekten wie Digitalisierung, Transformation der Produktionsstandorte der V-Zug“ auf eine Aussage zum Betriebsergebnis 2019 verzichtet. Jetzt werde der Rückschlag ausgeprägter, was eine Senkung der Gewinnschätzung für 2019 von 130 auf 70 Franken nötig mache.

Probleme nach der Ablösung des IFS-Systems

V-Zug hat noch immer mit ungelösten Probleme nach der Ablösung des IFS-Systems zu kämpfen. Diese Probleme haben 2018, aber auch in den zurückliegenden gut fünf Monaten wiederholt dazu geführt, dass Kundenaufträge nicht oder nicht rechtzeitig abgewickelt werden konnten. Weiter heißt es: „Obwohl die Metall Zug Gruppe im zweiten Halbjahr im Vergleich zum ersten Halbjahr traditionell ein höheres Betriebsergebnis erarbeitet, muss davon ausgegangen werden, dass der Rückstand zum Vorjahresergebnis nicht mehr aufgeholt werden kann.“

Dabei hatte im vergangenen Sommer noch alles nach einer erfolgreichen Umstellung geklungen. Das 2012 gegründete Unternehmen Oneresource mit Sitz in Wil begleitete das Projekt mit über 1.500 Usern und zahlreichen Umsystemen nach eigenen Angaben „inhaltlich in der Konzeptionsphase, unterstützte die Projektleitung während der Implementierung und leistete mit dem Cutover-Management einen wesentlichen Beitrag zum erfolgreichen Go-Live.“

Die Kunst, Schnittstellen zu bauen

Abgelöst hat V-Zug ein bewährtes ERP-System des Herstellers IFS. Das historisch gewachsene, im Laufe der Zeit zu rund 80 Prozent hochindividualisierte ERP-System habe das Lebensende erreicht, begründete CEO Dirk Hofmann im Jahr 2017 in der Handelszeitung die Ablösung. SAP solle das „digitale Rückgrat und Stammdatensystem“ bilden, an das die Kernelemente des Unternehmens „angehängt“ werden. Von den ursprünglich 65 Teilsystemen sollten eigentlich nur noch 20 bis 30 übrig bleiben. Zentral sei dabei, das wichtige Kernprozesse wie beispielsweise das hauseigene, V-Zug von der Konkurrenz durch seine Ausgereiftheit unterscheidende Service-Management, nahtlos in das SAP-System eingebunden würde. „Schnittstellen zu bauen, das ist die große Kunst“, so Hofmann damals.

Ziel der jetzt von S/4 unterstützten Innovationsprojekte bei V-Zug ist es, die Produktion der Haushaltsgeräte vernetzt und „intelligent“ gemäß Industrie 4.0 und die Logistik bzw. Supply-Chain effizienter zu gestalten. T-Systems zeichnet als Outsourcer für den Basis-Betrieb der Systeme von V-Zug verantwortlich. Die eigentlichen Applikationen dagegen werden von V-Zug weiterhin selbst betrieben.

Kein Projekt für Kostensenkung

„Es ist kein IT-Outsourcing-Projekt aus Kostengründen“, erklärte IT-Leiter Michael Fell das Outsourcing noch im Oktober gegenüber den Kollegen vom Inside-IT. „Wir brauchen freie Kapazität für die Digitalisierung.“ Außerdem wolle man vom Knowhow der T-Systems bei IoT-Projekten und im Industrieumfeld profitieren, denn bei V-Zug gebe es Maschinen, die 20 oder 25 Jahre alt sind und deren Steuerung noch mit Windows 3.11 laufen. Diese Maschinen wolle und könne man nicht ersetzen, sondern werde sie modernisieren. T-Systems werde also einerseits die Basis-Infrastruktur von V-Zug betreiben und solle andererseits als Co-Creator helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Übrigens hat Michael Fell das Unternehmen verlassen; Jean-Claude Flury stieg zu Jahresbeginn bei V-Zug zum Head of IT auf.

 

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