Verlustgeplagtes IBM-Spinoff strebt Wachstum in neuen Ökosystemen an

Kyndryl schrumpft (vorerst?) weiter

Kyndryl, das im vergangenen Herbst gestartete und auf Managed-Infrastruktur-Services spezialisierte IBM-Spinoff, schrumpft weiter, während dieser Markt rasch wächst. Das neue Unternehmen will sich aber durch eine fundamentale Restrukturierung auf die Umsetzung eines ehrgeizigen Wachstumsplans ausrichten.

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Dieser Wachstumsplan wurde seit dem Start Anfang November 2021 rasch durch neue Partnerschaften untermauert, vor allem mit Hyperscalern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Hinzu kommt die 5G-Partnerschaft mit Nokia und eine Cloud-Partnerschaft mit Vmware, die auch deswegen bemerkenswert ist, weil Vmwares Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Angebote direkt mit der Red-Hat-Strategie von IBM konkurrieren.

Ob der Wachstumsplan aufgeht, wird vor allem davon abhängigen, wie Kyndryl im intensiven Wettbewerb mit den globalen Systemintegratoren – z. B. Accenture, Atos, CGI, Capgemini, Deloitte, DXC, NTT Data und anderen – bestehen kann. Das ist alles andere als sicher, weil die vielen etablierten Wettbewerber – anders als der Newcomer – bereits über entsprechende Multi-Cloud/MSP-Erfahrungen verfügen.

Für das Jahr 2021 meldete Kyndryl jedenfalls noch einen Umsatzrückgang von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (bzw. 5 % bei konstanten Wechselkursen) auf 18,7 Mrd. Dollar und einen Nettoverlust von 2,3 Mrd. Dollar, nach einem Nettoverlust von 2,0 Mrd. Dollar im Vorjahr. Auch nicht gut: Der Cashflow aus dem operativen Geschäft führte zu einem Mittelabfluss von 119 Mio. Dollar. Das sind keine guten Nachrichten. Deshalb ist es wichtig, dass es gelingt, „zügig die Grundlage für langfristiges Wachstum zu schaffen“, wie Finanzvorstand David Wyshner erklärt. Man investiere in Kompetenzen und Partnerschaften, um „wirksame globale Praktiken zu etablieren, die Kyndryl und unseren Kunden helfen, Werte zu schaffen.“

Wie kann das Unternehmen schrumpfen, wenn es in Wachstumsmärkten wie IT-Beratung, Managed-Services, Cybersicherheit und Cloud Computing agiert? Eine Antwort ergibt sich aus den Zielen bei der Umgestaltung der Service-Erbringung: Die Qualität verbessern, neue Einnahmequellen erschließen und Kosten einsparen, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023 jährlich bis zu 200 Mio. Dollar; auch in den Folgejahren sind weitere Einsparungen geplant. Eine weitere mögliche Antwort liegt in den früheren Besitzverhältnissen – und in der daraus resultierenden einseitigen technologischen Ausrichtung. Unter der Ägide von IBM konnte man keine globalen Partnerschaften mit den am schnellsten wachsenden IT-Plattformanbietern aufbauen. Viel deutet auch darauf hin, dass Kyndryl bestimmte margenschwache Geschäftsbereiche veräußern, schließen oder verkleinern will.

Kyndryls erklärtes Ziel ist es jedenfalls, die Zahl der Vertragsabschlüsse, Zertifizierungen und Umsätze mit seinen neuen Ökosystem-Partnern so zu steigern, dass bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023 (am 31. März) Vertragsabschlüsse im Wert von 1 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit Cloud-Hyperscalern in den Büchern stehen. Aktuell liegt Kyndryls Marktkapitalisierung wegen den sinkenden Aktienkurses bei knapp 2,7 Mrd. Dollar, die Verschuldung bei 3,2 Mrd. Dollar und die verfügbare Liquidität bei 5,4 Mrd. Dollar. Damit wäre Kyndryl ein Übernahmeziel, wenn es um die Profitabilität und das Wachstum besser bestellt wäre.

Bildquelle: Kyndryl

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