Dell Technologies präsentiert „autonomes“ Infrastruktursystem

Launch von EMC Power-One

Am 22. November hat der Hersteller Dell das All-in-One-System Power-One auf den Markt gebracht. Dieses integrierte IT-System besteht aus Power-Edge-Server, Power-Max-Speicher, Power-Switch-Netzwerkprodukten sowie Optionen für Power-Protect-Datenschutz mit Automatisierungsfunktionen, die als ein einziges Produkt betrieben, verwaltet und gewartet werden.

AS/400 reloaded von Dell: Das autonome IT-System Power-One

Leser von DV-Dialog werden sich fragen: Ist das nicht ein alter Hut? Hatte IBM nicht bereits vor mehr 30 Jahren mit der AS/400 ein ähnlich hochintegriertes System auf den Markt gebracht, das zusätzlich sogar auch noch die Anwendungen integrieren konnte? Und gab es nicht bereits den Vorläufer System/38, der schon Anfang der 80er Jahre – wie später auch die AS/400 – mit integrierter Datenbank aufwarten konnte?

Großes Versprechen – mehr als nur Werbung?

Selbst der Werbespruch des Herstellers hat ganz genau die Tonalität von damals: „Die autonome Infrastrukturlösung EMC Power-One mit integrierter Intelligenz kann Tausende von Aufgaben automatisieren und mit wenigen Klicks einsatzbereite Ressourcen bereitstellen, wodurch sich das IT-Personal statt auf routinemäßige auf strategische Ziele konzentrieren kann.“ Der geringe Aufwand für Administration ist auch heute noch ein wichtiges Argument der IBM für die aktuelle Generation der AS/400-Familie, das Power System i.

Kurz gesagt, verkörpert Power-One Dells Idee von der Zukunft des Computing in einer Reihe heute bereits verfügbarer hyperkonvergenter Infrastruktur-Tools und -Technologien von Dell, EMC, Vmware, Pivotal, Virtustream und RSA, die in einer IaaS-ähnlichen Umgebung bereitgestellt und bei Bedarf nutzbar gemacht werden könnne. Dabei sind all diese Tools und Technologien in einem Produkt zusammengefasst und als werden als „Service“ angeboten.

AS/400 reloaded von Dell

Das Neue ist also offensichtlich die Cloudifizierung und Virtualisierung des Produktes, dass damit sozusagen eine „AS/400 von heute“ wird. Wobei witzig ist, dass sowohl IBM als auch Dell diese Idee unter der Dachmarke „Power“ vermarkten. Ob das Zufall oder Absicht ist, bleibt unklar. Klar wäre nur, dass im Falle einer Fusion der beiden Firmen in der von Konsolidierungstendenzen gebeutelten IT-Branche eine ihrer wichtigen Sparten – das Hardware-Geschäft – einfacher zusammengeführt werden könnte.

Die Frage ist: Funktioniert Power-One überhaupt? Und wird Dell Technologies dank der autonomen IT-Infrastruktur auch in der nächsten Dekade relevant bleiben? Das hängt davon ab, ob die Automatisierungs-Engine bei der Bereitstellung von Workloads oder bei der Entwicklung neuer Anwendungen und Services die IT-Abteilung entscheidend entlasten kann. Aktuell ist die neue Infrastruktur bereits verfügbar – und zwar über Dell Technologies On Demand mit einem breiten Angebot an flexiblen Zahlungsoptionen. Das einfache Zukaufen von Systemkapazitäten soll dabei auch für eine ausgewogene Balance zwischen Investitionen und Betriebskosten sorgen.

Die Automatisierungs-Engine nutzt eine Kubernetes-Microservices-Architektur und verwendet Ansible-Workflows, um die Automatisierung der Konfiguration und Bereitstellung von Komponenten zu unterstützen und so ein selbst verwaltetes Datacenter-as-a-Service bereitzustellen.

IT-Systeme auf Kurs wie autonome Autos

Power-One bietet darüber hinaus ein einheitliches Anwendungsprogramm-Interface (API) auf Systemebene (ähnlich wie das Technology Independant Machine Interfache TIMI der AS/400), das es den Kunden erlauben soll, unternehmenszielspezifische Ressourcen-Pools zu erstellen. Dieses API kann in bereits vorhandene Tools, wie beispielsweise Serviceportale, eingebunden werden, um manuelle IT-Operationen durch programmierbare abzulösen. Dies wird als Infrastructure-as-Code bezeichnet – der Log-in in die Managementsysteme einzelner Komponenten entfällt praktisch. So lassen sich laut Hersteller „mit nur wenigen Klicks Workload-fähige Vmware-Cluster erstellen“.

Man darf gespannt sein, wie diese gute Idee in den grauen IT-Alltag umgesetzt wird. Wenn es so gut gelingt wie seinerzeit der Launch der AS/400, könnte es sogar der Urknall für ein neues IT-Universum sein. „Wie bei einem autonomen Auto, das mit Hilfe von Spurassistent, Navigation und anderen Funktionen das Fahren übernimmt und bei dem der Insasse nur noch das gewünschte Ziel eingeben muss, können Administratoren dank der Automatisierungs-Engine von Power-One das gewünschte Geschäftsergebnis angeben – das System berechnet dann den ‚besten Weg‘ und erledigt den Rest“, heißt es jedenfalls großspurig in der Presseinformation.

Bildquelle: Dell Techmologies

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