Red Hat stellt Enterprise Linux 7.5 Beta vor

Linux lernt Power9

Red Hat Enterprise Linux 7.5 Beta ist verfügbar. Das neue Release beinhaltet neue Features und Optimierungen rund um Sicherheit, Plattform-Effizienz und Administration; es unterstützt wie schon RHEL 7.4 auch die neuen IBM-Server mit dem Prozessor Power9.

Power9-Chip vor dem Power-System AC922

Power9-Chip vor dem Power-System AC922

Momentan unterstützt Red Hat als einziger Linux-Distributor die neue Server-Generation der IBM; Ubuntu ist für das 2. Quartal 2018 avisiert, Suse hält sich noch bedeckt, was angesichts der Popularität von Suse Linux als Hana-Plattform auch auf Power durchaus überrascht.(Übrigens haben alle drei Distributoren bereits Patches für die Security-Lücken Meltdown und Spectre veröffentlicht; diese sind nicht bei IBM, dondern direkt bei den IBM-Partnern Redhat, Suse und  Canonical erhältlich.

 

Optimierungen bei Funktionalität und Usability

Die neueste Betriebssystemversion von RHEL 7 ist für mehrere Architekturen verfügbar, neben IBM Power7, Power8 und jetzt Power9 natürlich für die Intel-Welt und ARM-basierte Systeme wie IBM-Mainframes. Zu den wichtigsten Verbesserungen zählt der Hersteller:

- Im Bereich „Sicherheit und Compliance“ steht die Optimierung bei Funktionalität und Usability Cloud-basierter und remote gehosteter Systeme im Vordergrund. Möglich werden soll auch ein sicheres Entsperren sogenannter „Network-Bound-Disk-Encrypted“-Geräte während des Bootens, was die Notwendigkeit eines manuellen Eingriffs eliminiert; NBDE erweitert die System-Verschlüsselung auf das gesamte Netzwerk. Dazu kommt die Integration der Automations-Suite Red Hat Ansible Automation mit dem Framework OpenSCAP (einer Sammlung von Open Source-Tools zur Implementierung des Standard „Security Content Automation Protocol“); diese Integration erleichtert die automatisierte Behebung von Compliance-Problemen; außerdem können Administratoren die Richtlinien in ihrer IT-Umgebung effizienter als bisher skalieren. Schließlich gibt es auch Compliance-Verbesserungen im Hinblick auf exakte Zeitstempel und Synchronisierungen durch die Failover-Ergänzung mit Schnittstellen für das „Precision Time Protocol“ (PTP) und „Network Time Protocol“ (NTP).

- Im Bereich Performance und Effizienz ist der jetzt eingebaute „Virtual Data Optimizer“ (VDO) erwähnenswert, der Daten-Redundanzen durch Inline-Deduplizierung und Kompression verringern soll.

- Im Bereich Administration weist Red Hat Verbesserungen der Cockpit-Konsole hin, mit denen die Verwaltung von Storage, Netzwerk, Containern und Services einfacher werden soll. Außerdem beschleunige die automatische Generierung von bootfähigen Snapshots sowohl Recovery als auch Rollback nach einem Patching.

Eine vollständige Liste der neuen Features von Red Hat Enterprise Linux 7.5 Beta findet sich hier. Power9 wird demnach nur mit der in der Intel-Welt übliche Zeichendarstellung „Little Endian“ (LE) unterstützt; bisher hatte Red Hat auch die früher von IBM favorisierte Ascii-Codierung „Big Endian“ unterstützt, die künftig nach dem Willen des Herstellers auf Power-Systemen aber keine Rolle mehr spielen soll. „Big Endian“ auf Power8 wird aber nach wie vor unterstützt – von KVM-Gästen auf RHEL 7.5 Beta.

Außerdem unterstützt RHEL 7.5 auf Power9 auch die Virtualisierung mit dem Hypervisor KVM, wobei allerdings aufgrund von Hardware-Unterschieden einige Features und Funktionen anders implementiert sind als aus der Intel-Welt (auf AMD64- oder x86-Servern) gewohnt. Voraussetzung in auch die neue Kernelversion 4.14. Zu bemerken ist auch, das RHEL 7.5 Beta ausschließlich auf 64-Bit-Hardware läuft.

Was steckt hinter Big- und Little-Endian?

Die „Endianness“ oder Byte-Reihenfolge bestimmt, wie die einzelnen Bytes eines Datenworts im Speicher abgelegt werden. Auf Big-Endian-Systemen wie Power6, Power7 oder IBM-Mainframne wird das höchstwertige Byte an der kleinsten Speicheradresse abgelegt, und das niederwertigste Byte wird an der größten Adresse gespeichert. Im Gegensatz dazu wird auf LE-Systemen wie den x86- und AMD-Architekturen das niederwertigste Byte an der kleinsten Adresse gespeichert.

Power8 war die ersten Prozessorgeneration der IBM, die sowohl im „BE“- als auch im „LE“-Modus konfiguriert werden können. Die Unterstützung für LE auf Power erleichtert die Portierung des Quellcodes einer Linux-Anwendung aus der Intel-Welt auf ein Power-System; auch von x86-Linux produzierte Daten lassen sich von anderen LE-Linux-Anwendungen auf Power einfacher adressieren.

Außerdem setzen moderne E/A-Systeme (insbesondere GPUs) LE-basierende Zugriffsmodelle voraus, was IBM im Rahmen der OpenPower-Bewegung ebenfalls zu dieser Umstellung bewogen haben dürfte.

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