Nur ein Hype – oder ein praktischer Werkzeugkasten?

Low-Code auf IBM i

Das Trendthema Low-Code macht auch vor der IBM-i-Welt nicht halt. Die groß angelegte Studie „No-Code / Low-Code 2022“, die PKS gemeinsam mit neun weiteren Softwarehäusern im Mai vergangenen Jahres vorgelegt hat, lieferte dazu erstmals genauere Einblicke und aufschlussreiche Zahlen. Nun, ein Jahr später, ziehen wir ein erstes Resümee.

  • Ann-Kathrin Stückl, PKS

    Unsere Autorin Ann-Kathrin Stückl, UI/UX-Expertin bei der Ravensburger PKS Software GmbH, wurde als IBM Champion 2023 ausgezeichnet.

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Was ist aus dem Hype geworden? Können Low-Code-Plattformen auch für IBM-i-Anwendungen ein Gewinn sein? Oder handelt es sich doch nur eine weitere Entwicklungsplattform, die keine echten Effizienzgewinne generieren kann? Die Antwort auf diese Fragen: Es gibt einige Mankos, aber Low-Code auf IBM i liefert folgende fünf Vorteile:

  1. Intuitives Agieren: Low-Code-Plattformen halten in der Regel, was sie versprechen! Binnen kürzester Zeit erlernt jeder Kollege, IT-Affinität einmal vorausgesetzt, das Erstellen neuer Anwendungen. Dazu reichen schon ein bis zwei Vormittage Einarbeitung – oder man nimmt sich eine Woche Zeit für den vollen „Deep Dive“. Danach ist man schon sehr gut aufgestellt. Die Spezialitäten, die man dann noch nicht erlernt hat, gibt man dorthin ab, wohin sie gehören: an Spezialisten. 
  2. Gutes Aussehen: Auch hier machen gute Low-Code-Plattformen keine halben Sachen. Die erstellten Apps, Dashboards und Anwendungen sind schon per Default deutlich im Jahr 2023 angekommen und müssen sich keineswegs verstecken. Allerdings ist etwas Vorsicht geboten: Wie bei vielen Standards üblich, ist es eine Herausforderung, per Low-Code die Optik zu individualisieren. Einen Weg ebnen „Themes“ oder sogar ein Theme-Generator, den aber nur wenige Plattformen bereitstellen. Daher ist oft Handarbeit gefragt.
  3. Entlastung: Ob es nun die tagesaktuelle Übersicht des Lagerbestands oder eine einfache Eingabemaske für die Büroartikel-Verwaltung ist – Low-Code ermöglicht es, kleinere Anwendungserweiterungen auf mehrere oder auch auf andere Köpfe zu verteilen. Sicher werden Fachkundige auch hierauf ein Auge haben müssen, um sowohl Qualität als auch Sicherheitsaspekte zu prüfen. Sind es die Informatik-Experten selbst, die berufen werden, Prozesse in Anwendungen umzubauen, unterstützt Low-Code in jedem Fall durch wiederverwendbare Bausteine und schnelles Arbeiten per „Drag & Drop“. 
  4. Vorhandene Assets nutzbar machen: Besonders wichtig und gleichzeitig „charmant“ an Low-Code auf IBM i ist es, dass diese Plattformen in der Regel die vorhandenen Services und Daten nutzen und so vorhandenen Anwendungen mehr Power, Sichtbarkeit und Flexibilität geben. So entstehen relevante Erweiterungen, die einen tatsächlichen Mehrwert liefern können.
  5. Neue Denkanstöße: Es liegt auf der Hand, dass imitierende Webapplikationen – also der schlichte „Nachbau“ vorhandener Greenscreens – nicht zielführend sind. Dabei verliert jede browsergestützte Anwendung. Immer! Doch hierin liegt wiederum auch eine Stärke von Low-Code: Entwickler und Anwender sind gezwungen, den gewünschten Prozess zu kapseln und für den Einsatz neu zu denken. Das sorgt für Um­-denken – und für die Chance, ungenutzten 5250-Ballast abzuwerfen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3-4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Was fehlt (noch)?

Allerdings gibt es nicht nur Vorteile. Ebenso wichtig ist daher die Erkenntnis, was Low-Code nicht bieten kann: 

  • Regelbasiertes Arbeiten: Dank Low-Code werden Anwendungen neu gebaut – aber jeder Part einzeln. Schritt für Schritt, Prozess für Prozess muss die neue Webanwendung erstellt werden. Das kann ein zähes Unterfangen sein, falls man nicht auf Frameworks zurückgreifen kann, die es ermöglichen, großflächig und auf Basis zuvor definierter Regeln zu modernisieren. Geht man diesen Schritt, steht einer zeitgemäßen Anwendung nichts im Wege, denn das Gros einer vorhandenen IBM i-Applikation wird so auf ein neues Level und in den Browser gehoben. Spezialfälle, besonders häufig genutzte Anwendungsteile und zusätzliche Prozesse werden mit Low-Code komplett neu erstellt. So entsteht eine in sich stimmige, funktional ausgereifte und technisch offene Anwendung. Low-Code ist daher in der Praxis viel mehr als nur „Zucker der Modernisierung“ in Form eines Werkzeugkastens zur Erstellung einfacher Grids, Dashboards und Eingabemasken zu sehen.
  • Umsetzung komplexer Anwendungen: Trotz all der mitgelieferten Bausteine, Tools und Entwicklungshilfen bleibt Low-Code beschränkt. Geht es darum, wirklich komplexe Logiken umzusetzen oder die Darstellung nach bestimmten Wünschen zu gestalten, stößt man mit den Frameworks früher oder später an Grenzen. Dazu ist Handarbeit notwendig. Hier ist es von Vorteil, wenn die Plattformen auch die Möglichkeit zur Individualentwicklung bieten.
  • Ersatz für komplette Anwendungen: Wie gesagt, wird bei Low-Code jeder Prozess neu dargestellt. Das bedeutet aber auch, dass jeder Part einen kompletten Entwicklungszyklus durchlaufen muss. Hierbei kann man sich zwar die Bausatz-artige Technik zunutze machen, darf jedoch nicht dem Trugschluss verfallen, dass die entstehende Anwendung auch alle Funktionen und „Sonderlocken“ abdeckt, die eine IBM i-Anwendung so wertvoll machen.

Fazit

Low-Code-Plattformen zur Erweiterung vorhandener IBM i-Anwendungen zu nutzen, ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Wie die Studie gezeigt hat, sind jedoch für verschiedene Anforderungen unter Umständen unterschiedliche Lösungsansätze sinnvoll abzuwägen. 

Die Technologie zu nutzen, um eine komplette IBM i-Anwendung in all ihrer Individualität und Komplexität zu ersetzen, ist sicherlich wirtschaftlich wenig sinnvoll und oft kaum machbar. Hierzu eignet sich der beschriebene evolutionäre Ansatz besser: Mit einer Brückentechnologie arbeiten, die regelbasiert den Großteil der Anwendung für die nahtlose Integration mit neuen Artefakten optimiert und so Ressourcen für eine punktuelle Neuprogrammierung freisetzt– sei es mit Low-Code oder auch mit anderen Mitteln. 

Bildquelle: PKS, iStock / Getty Images Plus

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