Magnetband-Standard kann seine Versprechen nicht mehr einhalten

LTO-Konsortium in der Klemme

Das LTO-Konsortium kann ganz offensichtlich beim Launch des herstellerunabhängigen Magnetbandstandards LTO / Ultrium im Jahr 1998 gegebenen Versprechen nicht mehr einhalten. Das wurde im September bei der sehr knapp gehaltenen Ankündigung der 9. Generation deutlich.

  • LTO8-Kassetten speichern 12 Terabyte unkomprimierte Daten und kosten etwa 100 Euro. Die neuen LTO9-Tape bieten Speicherplatz für 18 TB; Preise sind noch nicht bekannt.

  • In den Labors – wie hier bei IBM in Schweizer Labor Rüschlikon – arbeiten die Wissenschaftler an der Weiterentwicklung des Magnetbandspeichers.

Am 9. September gaben die drei Technologie-Provider des Konsortiums „Linear Tape Open“ (LTO) – Hewlett Packard Enterprise, IBM und Quantum – die Spezifikationen des Tape-Formats Ultrium der Generation 9 bekannt. Sie stehen jetzt zur Lizenzierung zur Verfügung. Die Magnetbänder speichern 18 Terabyte statt der bisher avisierten 24 TB. Bei Komprimierung wird eine Kapazität von bis zu 45 TB pro Kassette angeben; es sollten ursprünglich 60 TB werden. Mehr wurde von den Spezifikationen nicht bekannt gegeben – nicht einmal die Datenrate.

Wie schon bei LTO7 können Bänder der vorletzten Generation mit LTO9-Laufwerken nicht mehr gelesen werden, die 9. Generation kommt erst drei Jahre nach LTO8, die Datenrate wurde nur um gut zehn Prozent verbessert und herstellerunabhängig kann man die Technologie auch kaum noch nennen, gibt es doch im Wesentlichen nur noch einen Hersteller für LTO-Laufwerke und zwei für die Ultrium-Kassetten.

Ursprünglich hieß es: Alle zwei Jahre soll eine neue Generation von Produkten auf dem Stand der Technik angeboten werden, bei denen die Bandkapazität verdoppelt und die Datentransferrate ebenfalls verdoppelt oder zumindest um 50 Prozent erhöht ist. Und weiter: Laufwerke können auch Bänder der vorigen Generation verarbeiten und Bänder der vorletzten Generation noch lesen. In zeitlichen Verzug geraten war der Standard bereits mit LTO4 im Jahr 2006, als die Metallpartikel-Beschichtung eingeführt wurde.

Erste Produktankündigung von Quantum

Die erste Produktankündigung für LTO9 blieb Quantum vorbehalten, nachdem bei den letzten beiden Vorgängergenerationen IBM und HPE zum Zuge gekommen waren. Quantum gab bekannt, dass die LTO-Ultrium-Formattechnologie der Generation 9 ab Dezember 2020 in den Bandbibliotheken Scalar i6 und Scalar i6000 sowie in den Archivierungssystemen Stornext AEL verfügbar sein soll; die Produkte sollen noch im September vorbestellt werden können.

Anders als das LTO-Konsortium macht Quantum erste Angaben zur Datenrate: bis zu 1.000 MB/Sekunde Übertragungsrate bei Komprimierung und 400 MB/Sekunde nativ, ähnlich wie beim 2018 lancierten Enterprise-Laufwerk IBM TS1160. Update: Auf der Homepage lto.org wurde eine Datenrate von bis zu 750 MB/s (komprimiert) nachgetragen.

LTO9 bringt also eine Verbesserung der Datenrate um nur 11 Prozent; da hätte man sich mehr gewünscht. LTO8 bietet ja bereits native Datenraten von 360 MB/s (bis zu 900 MB/s für komprimierte Daten). Und: Schon 2017 war der Performance-Gewinn von 20 Prozent gegenüber den 300 MB/s bei LTO7 ist nicht so hoch wie anfangs noch spezifiziert.

Weitere Details zum neuen ½-Zoll-Magnetband-Standard wurden nicht bekannt – außer, dass auch die Kapazitäten der nächsten LTO-Generationen kleiner ausfallen werden (siehe neue Roadmap). Hier hat man sich wieder eine Verdopplung vorgenommen, startet aber mit 18 statt 24 TB. LTO12, im Oktober 2017 erstmals angekündigt, wird demnach „nur“ noch 144 TB speichern. Ursprünglich geplant waren 192 TB. Ob dieses Versprechen eingehalten wird, bleibt abzuwarten.

LTO9-Laufwerke können neue und unbenutzte Ultrium8-Bänder formatieren; Ultrium9-Kassetten sollen mit LTO10-Laufwerken kompatibel sein. Von LTO11 ist nicht mehr die Rede, so dass das Paradigma der Rückwärtskompatibilität über zwei Generation offenbar vergessen werden kann.

Vielleicht haben die mittlerweile beigelegten Patentstreitigkeiten der beiden letzten verbliebenen Medienhersteller – Fujifilm und Sony – doch stärkere Auswirkungen als nur die Lieferprobleme der jüngeren Vergangenheit. Bei den Laufwerkherstellern sind Streitigkeiten nicht mehr zu erwarten, denn IBM baut nach Informationen von DV-Dialog als einzig verbliebener Hersteller LTO9-Laufwerke. Das könnte auch ein Motiv für die Selbstbeschränkung auf 18 TB sein, denn das bereits Ende 2018 vorgestellte Tape-Laufwerk  IBM TS1160 speichert sogar 20 TB auf einer Kassette – bei Datenraten von ebenfalls 400 MB/s.

Bildquelle: HPE, IBM

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