Jährlicher LTO-Absatz nach Speicherkapazität (komprimiert) in Exabyte. (* Die Gesamtkapazität enthält nicht die LTO7-Medien vom Typ M).
Jährlicher Absatz von LTO-Medien (Stückzahl)
Das Konsortium „Linear Tape Open“ (LTO), das seit Ende der 1990er Jahre den Standard Ultrium für ½-Zoll-Magnetbänder vorantreibt, hat offenbar die – inzwischen beigelegten – Patentstreitigkeiten der beiden einzigen verbliebenen Medienlieferanten Fujifilm und Sony sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie überwunden.
„Trotz der erheblichen Geschäftsunterbrechungen und der Ungewissheit im Jahr 2021 haben die Auslieferungen von LTO-Bandkapazitäten den größten Anstieg seit 2006 erreicht und den vorherigen Rekord aus dem Jahr 2019 übertroffen“, wird Patrick Osborne, als General-Manager bei HPE für das Speichergeschäft verantwortlich, in einer Presseinformation zitiert. Seiner Einschätzung nach kehren Unternehmen zur Bandtechnologie zurück, weil sie „nach Speicherlösungen suchen, die hohe Kapazität, Zuverlässigkeit, langfristige Datenarchivierung und stärkere Datenschutzmaßnahmen bieten, insbesondere weil die Bedrohungen der Cybersicherheit zunehmen“. Der Zuwachs um 40 Prozent beim ausgelieferten LTO-Speichervolumen im Vergleich zu 2020 sei hauptsächlich auf den Verkauf von aktuelleren Bandkassetten mit höherer Kapazität zurückzuführen.
Die LTO-Bandtechnologie ist auf Performance, Kapazität und Zuverlässigkeit ausgelegt und kombiniert die Vorteile linearer, bidirektionaler Mehrkanalformate mit Verbesserungen in den Bereichen Servotechnologie, Datenkompression, Spurlayout und Fehlerkorrektur. LTO adressiert einerseits das massive Datenwachstum der hauptsächlich unstrukturierten Daten bei reduzierten Kosten und andererseits den impliziten Schutz von Ransomware und anderer Schadsoftware.
Um die Chancen bei der Abwehr von Ransomware zu verbessern, nutzen IT-Manager die LTO-Bandtechnologie. Sie können damit ihre Daten besser schützen, da Tape als Offline-Medium den Kriminellen die physische Verbindung zu den Daten verweigert, die diese benötigen, um auf Daten zuzugreifen, sie zu verschlüsseln oder zu löschen. Osborne empfiehlt daher die „3-2-1-1“-Backup-Regel: mindestens drei Kopien oder Versionen von Daten auf zwei verschiedenen Speichermedien, von denen eines außerhalb des Unternehmens und eines offline ist.
„LTO-Bänder sind wohl die kostengünstigste und einfachste Methode, um „Best Practices“ für die Wiederherstellung von Ransomware zu implementieren“, wird Phil Goodwin, Research Vice President bei IDC, zitiert. „Ransomware und Malware sind Bedrohungen, die nicht verschwinden werden. Magnetbänder sind eine etablierte, bekannte und bewährte Technologie, die ein unschätzbares Werkzeug zur Bekämpfung von Ransomware sein kann.“
Die LTO9-Spezifikation, die erstmals im September 2020 angekündigt wurde, bietet eine native Kapazität von 18 TB und Datenübertragungsraten von 400 MB pro Sekunde. Die Auslieferung der Medien und Laufwerke verzögerte sich jedoch wegen der Pandemie-bedingten Schwierigkeiten bei Entwicklung und Produktion. Die mittlerweile erhältlichen LTO9-Laufwerke bieten volle Abwärtskompatibilität beim Lesen und Schreiben mit LTO8-Kassetten sowie viele zuvor eingeführte Funktionen, einschließlich mehrschichtiger Sicherheitsunterstützung durch hardwarebasierte Verschlüsselung, WORM-Funktionalität (Write-Once, Read-Many) und Unterstützung für Linear Tape File System (LTFS). Allerdings müssen LTO9-Kassetten – anders als ihre Vorgänger – vor der erstmaligen Nutzung initialisiert werden, was gut und gerne eine Stunde dauern kann.
Für das Ultrium-Format gibt es eine klar definierte Roadmap für Wachstum und Skalierbarkeit. Die Roadmap sieht für LTO-10 eine native Kapazität von bis zu 36 TB vor, gefolgt von LTO11 mit einer nativen Kapazität von 72 TB und LTO12 mit einer nativen Kapazität von 144 TB. Die Datenübertragungsraten wurden bisher nicht bekannt gegeben. Zwischen den Generationen liegen in der Regel etwa drei Jahre, was bedeutet, dass die nächste Spezifikation wahrscheinlich 2023 veröffentlicht wird.
Bildquelle: LTO Consortium