Ehemalige Computer Komplett will schneller wachsen

Mait-Gruppe verstärkt Abas-Engagement

Nach dem Kauf des Business-Intelligence-Spezialisten DL eBusiness im Mai diesen Jahres und dem Zusammenschluss mit der IT-On Net Süd erweitert die Mait-Gruppe ihr ERP-Angebot mit dem Zukauf der Schweizer Abas Competence Partner GmbH.

Die Mait-Geschäftsführer

Wollen endlich durchstarten: Die Mait-Geschäftsführer (von links) Stefan Niehusmann, Axel Schmied und Oliver Spölgen.

Die Mait-Gruppe, bis Ende 2019 unter dem Firmennamen Computer Komplett bekannt, forciert jetzt das Geschäft mit der ERP-Software Abas, ohne die langjährige Partnerschaft mit dem ERP-Hersteller Comarch zu vernachlässigen. Hinter der Umfirmierung steckt kein Eigentümerwechsel, sondern das Bestreben, schon mit dem Firmennamen das Image dem Arbeitsumfeld entsprechend zu modernisieren. „Die Umfirmierung von Computer Komplett zu Mait und die Akquisitionen in den letzten Wochen sind Teil unserer Wachstumsstrategie“, sagt Marketingleiterin Carolina Jansen.

Das Systemhaus erzielt mit über 2.700 Kunden einen Jahresumsatz von 63 Mio. Euro. Mehr als 370 Maits – eine Wortschöpfung aus „mate“ (englisch für Partner), „AI“ (für Künstliche Intelligenz) und „IT“ – realisieren an 13 Standorten spezifische Lösungen in enger Zusammenarbeit mit ihren Kunden. Dabei geht es in der Regel um die Digitalisierung in Produktentwicklung, Unternehmenssteuerung und IT-Service. Als Value-Added-Reseller (VAR) nutzt Mait die Produkte marktführender PLM-, ERP- und IT-Anbieter, wie etwa Siemens, PTC, SAP-PLM, Abas, Comarch, HP und Fujitsu.

Mait arbeitet bereits seit 1996 mit dem Karlsruher ERP-Hersteller Abas zusammen und ist heute der größte Abas-Partner weltweit – mit mehr als 400 „Hidden Champions“ der Fertigungsindustrie als Kunden. Mit der Übernahme der Schweizer Abas Competence Partner GmbH, die künftig als Landesgesellschaft für die Schweiz unter dem Namen Mait Swiss GmbH firmieren wird, will man diese Position weiter ausbauen.

Präsenz in der Schweiz verstärkt

Ein wichtiges Motiv für den Zusammenschluss war es, die Leistungsfähigkeit in der Schweiz zu stärken. Weil Produkte und auch die Anforderungen der Kunden immer komplexer werden, ist auch der mit dem Zukauf verbundene Kompetenzzuwachs wichtig, denn damit erweitert Mait nicht nur den Wissen um den ERP-Kern von Abas, sondern auch um die ergänzenden Lösungen in Bereichen wie Produktionsplanung, Projektmanagement, Workflow, DMS oder mobile Lösungen. „Unsere Kunden und Partner werden durch das gebündelte Wissen profitieren“, meint Sabine Riemer-Müller, Geschäftsführerin der Abas Competence Partner GmbH.

„Besonderes Augenmerk wird für uns darauf liegen, die regionalen Besonderheiten der Schweiz stark zu berücksichtigen“, ergänzt Stefan Niehusmann, Geschäftsführer der Mait GmbH. Vom Standort in St. Gallen aus begleitet das 24-köpfige Team der Abas Competence Partner GmbH rund 60 Schweizer Kunden bei der Implementierung der ERP-Software. Eine besondere Stärke sei dabei der Umsetzung weltweiter Projekten über mehrere Länder hinweg, so Riemer-Müller. Vertrieblich betreue man aktuell die Ostschweiz. Die Projekte werden gesamtheitlich abgewickelt von der Implementierung, über Schulung und Customizing bis hin zu späteren Themen wie Wartung, Hotline und die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Upgrades.

Zuvor gab es bereits drei weitere Übernahmen. Zum 1. Februar 2020 wurde der Siemens-Geschäftsbereich der Work NX AG mit rund 100 Kunden und den zugehörigen Mitarbeitern übernommen. Darüber hinaus wurde eine umfassende Kooperation der beiden Unternehmen vereinbart. Danach folgte zum 1. Mai der Kauf des im Bergischen Land beheimateten Softwareunternehmens DL eBusiness. Mit Sitz in der Technologiefabrik Remscheid, soll DL eBusiness mit rund 100 Kunden für seine Reporting-, Analyse- und Planungs-Software die Kompetenz von Mait im Bereich Business Intelligence, Webanwendungen, Webservices und Schnittstellen abrunden. DL eBusiness wurde 2013 durch Dag Landau gegründet und verfügt über Erfahrung mit Abas-ERP und Jedox BI. Zum 1. Juli kam dann noch das baden-württembergische IT-Systemhaus IT-On Net Süd mit Sitz in Hüfingen hinzu. Dieses Systemhaus, ein Partner der IT-Hersteller Fujitsu, Microsoft, Watch Guard und F-Secure, versteht sich als die IT-Abteilung seiner überwiegend mittelständischen Kunden in Süddeutschland und der nördlichen Schweiz. Die 16 Mitarbeiter kümmern sich um rund 150 Kunden, hauptsächlich in den Gebieten Schwarzwald-Baar-Heuberg, der Bodensee-Region und der nördlichen Schweiz.

Angesichts der Investitionen in andere Geschäftsbereiche fragt sich, welche Bedeutung die Partnerschaft mit Comarch noch für Mait hat. „Unsere Geschäftsbereiche Abas und Comarch bedienen verschiedene Zielgruppen“, macht Marketingleiterin Jansen auf Anfrage von DV-Dialog deutlich. „Abas ERP ist eine Software für Fertigungsunternehmen, während die Comarch-Software auf den Handel spezialisiert ist.“ Der Geschäftsbereiches Comarch habe weiterhin eine große Bedeutung, die von Integration der Abas Competence Partner GmbH unberührt bleibe. „Wir freuen uns zudem darüber, dass der Geschäftsbereich Comarch die letzten Jahre ein stetiges Wachstum zeigt.“

Strategische Weiterentwicklung

Kontinuierlich arbeite man laut Jansen an der strategischen Weiterentwicklung, um Mait im Hinblick auf die technischen Herausforderungen der Zukunft möglichst gut aufzustellen. Deshalb habe man auch beschlossen, „den langjährigen Markennamen Computer Komplett durch eine neue Marke weiterzuentwickeln, die auch zukünftig attraktiv für Kunden, Mitarbeiter und Partner bleibt. Das Markenbild soll auf der starken und vertrauensvollen Historie von Computer Komplett aufbauen ‐ es soll unser aktuelles und zukünftiges Selbstbild, unsere Werte, Strukturen und unser Leistungsportfolio noch deutlicher nach außen tragen.“ Das neue Markenbild unterstütze dabei zusätzlich die Verschmelzung der Computer Komplett Ascad GmbH und der Computer Komplett Steinhilber Schwehr GmbH zur Ländergesellschaft Mait Germany GmbH.

Die Computer Komplett Holding GmbH entstand im Januar 2012 aus der Zusammenführung der Unternehmen Steinhilber Schwehr, Ascad, des mittlerweile wieder verkauften ERP-Herstellers Ifax, MTC und Steinhilber Schwehr Consulting mit damals bereits über 400 Mitarbeitern an 14 Standorten. Die Gründung erfolgte nach dem Einstieg der Hamburger Beteiligungsgesellschaft Arcadia, die Computer Komplett im Dezember 2011 zusammen mit dem damaligen Management von den Alteigentümern, drei Unternehmerfamilien, übernommen hatte.

Der ehemalige Eigentümer-Vorstand Karl-Heinz Eberle blieb dem damals bereits 59 Mio. Euro Umsatz (im Jahr 2011) starken Unternehmen als Investor und Aufsichtsratsvorsitzender erhalten. Das heutige Geschäftsführer-Trio Stefan Niehusmann, Axel Schmied und Oliver Spölgen war im Oktober 2015 angetreten, weil das angestrebte Wachstum ausblieb. 2015 war von 56 Mio. Euro Umsatz und über 3.200 Kunden die Rede.

Bildquelle: Mait GmbH

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