IBM ernennt Chef des neuen Unternehmens für IT-Infrastrukturdienste

Martin Schroeter wird CEO von „NewCo“

Mit Wirkung zum 15. Januar hat IBM den ehemaligen Finanzchef Martin Schroeter zum CEO der neuen IT-Infrastruktur-Services-Unit ernannt, deren Spin-Off im Oktober 2020 angekündigt worden war. Das neue Unternehmen von IBM – vorläufig „NewCo“ getauft – soll sich mit 90.000 Mitarbeitern auf Management und Modernisierung von IT-Infrastrukturen in allen Branchen konzentrieren.

IBM-Veteran Martin Schroeter

IBM-Veteran Martin Schroeter soll als CEO von NewCo für eine solide finanzielle Basis des neuen Konzerns sorgen.

IBM will sein Spin-Off „NewCo“, das nach Firmenangaben mit technischem Support für 4.600 Kunden in 115 Ländern rund 19 Mrd. Dollar Jahresumsatz erzielt, bis Ende 2021 als eigenständiges Unternehmen mit neuem Namen an die Börse bringen. Dass Schroeter das neue Unternehmen leiten wird, legt eine Vermutung nahe: Bei der mit über 65 Mrd. Dollar verschuldeten IBM sieht man die größten Herausforderungen nicht im informations- oder vertriebstechnischen Bereich, sondern bei den Finanzen der NewCo, die mit genügend Eigenkapital ausgestattet werden muss. Dabei hilft Schroeter der Auftragsbestand für die nächsten Jahre, der mit einem Wert von 60 Mrd. Dollar beziffert wird.

Der IBM-Veteran Schroeter war von 2014 bis 2017 Chief Financial Officer und fungierte auch als Senior Vice President of Global Markets, bevor er das Unternehmen im Juni 2020 verließ. Zuvor war er in zahlreichen Funktionen in Japan, den USA und Australien für IBM tätig. Schroeter kam 1992 zu IBM, nachdem er seinen Master of Business Administration an der Carnegie Mellon University erworben hatte, und erhielt seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaft und Finanzen von der Temple University. Er hat die doppelte Staatsbürgerschaft in den Vereinigten Staaten und in Australien.

„Martin ist eine Führungspersönlichkeit von Weltrang und in einzigartiger Weise qualifiziert, um den langfristigen Erfolg des neuen, unabhängigen Unternehmens voranzutreiben“, sagte Arvind Krishna, Chairman und CEO von IBM. „Er hat ein tiefes Verständnis der Branche und hat sich das Vertrauen unserer Kunden und der Investorengemeinschaft verdient. Martin hat die strategische Vision und das geschäftliche Urteilsvermögen, um das enorme Potenzial von NewCo als weltweit führendes Unternehmen für Managed-Infrastructure-Services zu realisieren.“ Er sei der richtige CEO, um NewCo „durch den Ausgliederungsprozess und darüber hinaus zu führen.“

Schroeter will nun „ein vielfältiges Ökosystem von Partnerschaften und Allianzen“ entwickeln, die tiefe Verbundenheit mit IBM fortführen und marktführende Fähigkeiten schaffen. Schroeter hatte von Dezember 2017 bis April 2020 als Senior Vice President „Global Markets“ bei IBM die Verantwortung für den weltweiten Vertrieb, die Kundenbeziehungen und -zufriedenheit sowie die weltweiten Aktivitäten des Konzerns. Er beaufsichtigte auch die Marketing- und Kommunikationsfunktionen des Konzerns und war für den Aufbau der Marke und Reputation des Unternehmens weltweit verantwortlich.

Konsequenzen für IBM Deutschland

Wie sich die Abspaltung von NewCo auf IBM Deutschland auswirken wird, ist noch unklar. Klar ist, dass IBM Deutschland nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 2.300 der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze abbauen will. Dazu hat IBM-Deutschland Chef Gregor Pillen im Herbst ein neues Programm informiert, in dessen Rahmen Beschäftigten freiwillige Aufhebungsverträge unterbreitet werden sollen. Ob 2021 Kündigungen ausgesprochen werden, ist noch Spekulation, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Jedenfalls wird sich mit der Abspaltung von NewCo die Struktur des IT-Konzerns auch in Deutschland bis Anfang 2022 drastisch verändern, denn spätestens dann soll der Bereich „Global Technology Services“ (GTS) ganz oder in großen Teilen in die neue Gesellschaft überführt werden. Verdi schätzt, dass dann in Deutschland 1.600 bis 2.500 Beschäftigte zur NewCo wechseln. Dann werden laut Verdi aller Voraussicht nach in Deutschland nur noch rund 9.000 Menschen für den IT-Konzern sowie für NewCo arbeiten. Europaweit sollen jetzt im Rahmen der anstehenden Restrukturierung 10.000 IBM-Arbeitsplätze gestrichen werden.

Bildquelle: IBM

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