Kauft IBM den Großrechnerbereich von T-Systems?

Match bei Mainframes

Nach unseren Informationen sehen die Pläne von IBM und T-Systems in kurzen Worten wie folgt aus: IBM übernimmt in einem Projekt mit dem Codenamen „Match“ für 860 Mio. Euro die Mainframe-Sparte der auf Großkunden spezialisierten Tochter der Deutschen Telekom.

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Noch sind unsere Informationen nicht offiziell bestätigt, aber sehr konkret. Demnach handelt es sich bei den Vermögenswerten von T-Systems, deren Kauf durch IBM das Kartellamt prüfen lässt, um die Mainframes der Telekom-Tochter und die zugehörige RZ-Infrastruktur inklusive des Personals. Das sind europaweit etwa 400 Mainframe-Experten, in Deutschland 177 Mitarbeiter. Der Vertrag wurde am 31. Dezember unterzeichnet, der Betriebsübergang ist Anfang April geplant.

Dieser Deal macht Sinn, da IBM sich wegen der enttäuschenden Umsatzerfolge mit den in den letzten Jahren als Wachstumsmotoren apostrophierten Produkten rund um die Themen Analytics und KI (Stichwort: Watson) offenbar wieder auf die alten Stärken zurückbesinnt. Dazu gehört ganz klar der Mainframe, der in der Unternehmenspräsentation von T-Systems zwar als „Classic IT“ geführt wird, mit dem IBM allerdings ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Markt besitzt.

Außerdem kann der Mainframe, ebenso wie übrigens auch die Power-Systeme, als Eckpfeiler künftiger Cloud-Infrastrukturen deutliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber den klassischen Server-Farmen bringen. Deshalb fokussiert sich IBM wieder auf (Cloud-)Infrastruktur und verlässt das Software-Geschäft, wie erst jüngst der Verkauf von Lotus & Co. für 1,8 Mrd. Dollar an HCL deutlich machte. 

Somit passt das Match-Projekt absolut in die neue IBM-Strategie, die sich auch in der Ankündigung eines neuartigen Quantencomputers auf der CES in Las Vegas manifestiert. Und mit Samsung wurde ein neuer Lieferant für die nächsten Prozessorgenerationen von Power- und Mainframe-Systemen gefunden, der bereits die 7-Nanometer-Fertigung beherrscht.

Für T-Systems ist dieser Deal ebenfalls attraktiv, kann sich der herstellerübergreifende Dienstleister mit Standorten in über 20 Ländern, 37. 900 Mitarbeitern und einem externen Umsatz von 6,9 Mrd. Euro (2017) doch jetzt wieder auf den Mainstream des Marktes fokussieren. Wie die im Zuge des Match-Deals genannten Mitarbeiterzahlen deutlich machen, liegen die Kernaktivitäten von T-Systems anderswo, auch wenn es – außer der Telekom selbst – etliche weitere wichtige Mainframe-Kunden gibt. Der Firmenname „IBM“ allerdings taucht in der Liste strategischer Partner von T-Systems gar nicht mehr auf.

Update: Praktisch zeitgleich hat IBM ein vergleichbares Outsourcing-Abkommen mit der skandinavischen Nordea-Bank im Wert von 540 Mio. Dollar geschlossen, dass auf eine 2003 begründete Zusammenarbeit beider Firmen aufbaut und den Betrieb des Großteils der IBM Z-Mainframe-Infrastruktur in fünf Ländern vorsieht. Dabei wird IBM 117 Nordea-Mitarbeiter übernehmen, die meisten davon in Dänemark und Schweden. Dieser Deal wurde allerdings von beiden Firmen bereits offiziell kommuniziert.

Bildquelle: IBM, T-Systems

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