Auch HP mit Magnetbandtechnologie LTO6

Mauerblümchen Tape

Im Theaterdonner um die wohl größte Ankündigung von Hewlett-Packard im Speicherbereich seit zehn Jahren ging im Dezember der Wechsel auf die 6. Generation der Magnetbandtechnologie „Linear Tape Open“ (LTO) völlig unter. Eigentlich zu Unrecht, denn beim anhaltenden Preisverfall der Speichertechnik wächst der Kostenvorteil des Magnetbandes gegenüber der Magnetplatte in den nächsten Jahren weiter, vom aktuellen Faktor 9 auf den Faktor 17.

  • Neue LTO6-Produkte von Hewlett-Packard: HP Store Ever LTO-6 Ultrium 6250 als externes und internes Bandlaufwerk sowie die Cartridge und ihr Cover.

  • Über zwölf Jahre betrachtet ist die Archivierung auf Magnetband 15-mal günstiger als auf Platte.

  • Der TCO-Vorteil des Magnetbandes wächst in Zukunft sogar noch - vom Faktor 9 im Jahr 2011 auf den Faktor 17.

Opens external link in new windowWie schon IBM verzichtete auch HP auf eine offizielle Pressemitteilung zur neuen Produktfamilie Stor Ever und überließ den OEM-Kunden wie Tandberg oder Quantum die Bühne. HP stellt das Marketing der Speichertechnologie voll und ganz in das Zeichen des „polymorphen Designs“ – und positioniert sich so vor allem beim „Primärspeicher“ gegen Rivalen wie IBM, EMC, Hitachi oder Netapp. Von Datensicherung und Archivierung auf Magnetband ist erst einmal keine Rede.

Polymorphes Design beim HP Converged Storage

Gemeint ist mit dem polymorphen Design eine konvergente Speicherarchitektur, die durch die Akquisitionen von Lefthand und 3Par sowie Innovationen der HP-Labors gleichermaßen realisiert wird. HP Converged Storage – bestehend aus den vier neu getauften Plattenspeicherfamilien Store Serv (bisher 3Par), Store Once, Store All und Store Virtual (bisher Lefthand Virtual Storage Appliance) – soll im Zusammenhang mit Verarbeitung, Schutz, Speicherung und der Analyse von Daten allen Anforderungen beliebig gut gerecht werden können und sich dabei vor allem durch Einfachheit auszeichnen.

Converged Storage nutzt eine einheitliche, modular aufgebaute x86-basierte Hardware, um die Kosten zu verringern und Prozesse im RZ zu vereinfachen. Dazu gesellt HP eine erweiterbare Software zur Bereitstellung von virtualisiertem Speicher, der unterbrechungsfreie Erweiterungen und die Verlagerung von Daten ermöglichen soll. Stor Serv, basierend auf 3Par-Technologie und Nachfolger für HPs wichtigste Speicherfamilie namens EVA, wurde um die beiden Einstiegsmodelle 7200 und 7400 erweitert und soll mit Preisen ab 40.000 Dollar auch für Mittelständler bezahlbar sein.

Wie Store Serv sind auch Store All (Archivierung und Datenanalyse), Store Virtual sowie Store Once (Deduplizierung, Disk-basierendes Backup) kein Thema für die AS/400 und ihre Nachfolger. Das unterscheidet sie von EMC, Netapp und vor allem natürlich IBM selbst. Allerdings sind Linux, AIX, VIOS und Windows keine Fremdwörter für HP, so dass für diese Plattformen die neuen HP-Speicher auch neben einem Power System i stehen könnten.

Das gilt auch für die Magnetspeicher, die jetzt unter dem Familiennamen Stor Ever (statt Storage Works) vermarktet werden und den brandneue Magnetbandstandard LTO6 implementieren. Stor Ever ist zwar noch nicht offiziell angekündigt, doch HP informiert bereits ausführlich auf der Website über die neuen Produkte. Allein das Topmodell, die Enterprise Modular Library (EML) „kann“ noch nicht LTO6 – und firmiert folglich auch noch nicht unter dem neuen Familiennamen Stor Ever.

Stor Ever – die neue Generation des Archivspeichers

Neben Bandlaufwerken, Autoloadern, Magnetbandbibliotheken sind das auch Ultrium6-Kassetten mit 2,5 Terabyte (6,25 komprimiert) Kapazität und einer Datentransferrate von bis zu 1,44 Terabyte/Stunde. Diese Angabe bezieht sich auf komprimierte Daten; das Bespielen eines Bandes dauert also über vier Stunden. Die LTO6-Laufwerke haben eine neue Ruhezustandsfunktion, bei der die Ruheleistung sinkt, falls keine Kassette eingelegt ist. Mit der Host-Schnittstelle SAS (6 Gbit/s) versehen, sind sie geeignet für Rechner von HP und anderen Anbietern, wie etwa Dell, IBM oder Sun/Oracle. Auf der Liste unterstützter Sicherungs- und Archivierungs-Tools stehen neben HP selbst auch CA, Veritas, Legato, Tivoli und andere.

LTO6-Laufwerke mit neuer Ruhezustandsfunktion

Die LTO6-Laufwerke von HP gibt es in fünf Varianten im 5,25-Zoll-Format – entweder volle Höhe (6650) oder halbe Höhe (6250), als internes oder externes Laufwerk – sowie als halbhohes Rack-Einbau-Kit 6250. Die Preise reichen von 3.999 Dollar (Store Ever 6250, intern) bis zu 5.699 Dollar (Store Ever 6650 extern). Im deutschen Fachhandel liegt der Einstiegspreis für das 6250-Modell bei knapp 3.700 Euro (inklusive MwSt.) und für das externe Bandlaufwerk Store Ever 6650 bei rund 5.000 Euro (inkl. Mwst.); ein 20er-Pack mit benutzeretikettierten LTO6-Kassetten kostet knapp 1.800 Euro.

Die LTO6-Laufwerke können in einen neuen Autoloader und diverse Bibliotheksmodelle eingebaut werden. Der Autoloader fasst ein Bandlaufwerk und acht Kassetten, mit LTO6 also maximal 50 GB. Die kleinen Bibliotheken der Baureihe MSL gibt es in zwei, vier oder acht Höheneinheiten, laut Hersteller mit einer Leistungsverbesserung von 44 Prozent im Vergleich zu LTO5-Bibliotheken. Das Einstiegsmodell 6024 kommt mit ein oder zwei Laufwerken und bis zu 24 Kassettenplätzen. Maximal werden vier Laufwerke und Platz für 96 Kassetten geboten, also 600 Terabyte Speicherkapazität.

Die größere Bibliothek HP ESL G3 lässt sich schnell und einfach im aktiven Betrieb erweitern, von 100 auf 7.104 Bandkassetten, von einem auf 96 LTO6-, LTO5- oder LTO4-Bandlaufwerke und von einem auf 16 Bibliotheks-Frames. Für effizientere Stellflächennutzung kann jeder Frame flexibel in einem 19-Zoll-Standardrack verbaut und skaliert werden.

Keine Ende des Mauerblümchendaseins?

Warum das Magnetband solch ein Mauerblümchendasein in den Produktstrategien der großen Hersteller spielt, ist kaum nachzuvollziehen – ist Tape doch in Zeiten von „Big Data“ der Archivspeicher der Wahl, da deutlich kostengünstiger, energiesparender, über 100-mal zuverlässiger, skalierbarer und langlebiger als Magnetplatte und erst recht als Flashspeicher. Weil IT-Leiter gut rechnen können, verwundert es umso mehr, dass Marktführer EMC schon lange kein Tape mehr anbietet, Netapp & Co voll und ganz auf Deduplizierung setzen und selbst die LTO-Protagonisten HP, IBM und Quantum, die das Konsortium 1997 ins Leben gerufen hatten, sich vornehm zurückhalten. Beim Backup gilt Tape Opens external link in new windowals zwei- bis viermal kostengünstiger als Magnetplatte mit Deduplizierung, beim Langzeitarchiv (über einen Zeitraum von zwölf Jahren) Opens external link in new windowsogar 15-mal günstiger (Grafik).

Von der Skalierbarkeit des Magnetbandes einmal ganz zu schweigen. Die im Jahr 2000 lancierte 1. Generation speicherte 100 GB auf einer Kassette, die mit 15 MB/s gelesen und beschrieben werden konnte. Die aktuell am intensivsten genutzte 4. LTO-Generation speichert 800 GB, die im Jahr 2010 eingeführte 5. Generation bereits 1,5 Terabyte; die Datenrate liegt bei 120 bzw. 140 MB/s (jeweils nativ). Die weitere Roadmap steht auch schon fest. Sie sieht vor, dass LTO7 eine Kapazität von 6,4 TB und LTO8 sogar 12,8 TB bieten soll, mit Datenraten von 315 bzw. 472 Megabyte pro Sekunde (jeweils nativ).

www.lto.org

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Bildquelle: Hewlett-Packard / The Clipper Group

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