Kronos und Ultimate Software werden verschmolzen

Mega-Merger bei HR-Software

Durch die Fusion von Kronos und Ultimate Software entsteht im Markt für HR-Software ein US-Unternehmen mit einem kombinierten Umsatz von ca. 3 Mrd. Dollar und einer über 12.000 Köpfe starken Belegschaft. In Deutschland sind beide Firmen bisher kaum präsent: Ultimate über die 2018 zugekaufte französische Firma Peopledoc und ihre Niederlassung in Stuttgart, Kronos über ein Büro am Münchener Flughafen. Ob nach der Anfang April begonnenen Bündelung der Kräfte auch die Aktivitäten in Europa verstärkt werden, bleibt abzuwarten.

Kronos-CEO Aron Ain

Kronos-CEO Aron Ain ist Chef des fusionierten Softwarehauses.

Abgezeichnet hatte sich diese Fusion schon im Februar vergangenen Jahres, als die Private-Equity-Firma Hellman & Friedman für knapp 11 Mrd. Dollar Ultimate Software erwarb. Die u.a. im AS/400-Markt groß gewordene Softwareschmiede Kronos war ja bereits vor mehr als zehn Jahren, 2007, von Hellman & Friedman privatisiert worden (Kaufpreis damals: 1,74 Md. Dollar) – und beide Firmen sind mit HR-Software aktiv. Die Anfang April endgültig vollzogene Bündelung der Kräfte der beiden jeweils über 6.000 Mitarber starken Softwarehäuser dürfte also bei der Planung der jüngsten Übernahme also durchaus ein Motiv gewesen sein.

Aron Ain, Kronos-CEO seit 2005 und seit 40 Jahren für das Unternehmen tätig, fungiert als CEO der „NewCo“ – auf den Namen des fusionierten Unternehmens will man sich in den nächsten Monaten einigen. Übrigens ist der neue CEO ein Bruder von Mark S. Ain, der Kronos im Jahr 1977 gegründet hatte. Den Wert von „NewCo“ beziffern die Investoren mit 22 Mrd. Dollar. Geplant sei die Einstellung von mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den nächsten drei Jahren, hieß es bei Ankündigung der Fusion im Februar.

Adam Rogers, CEO von Ultimate Software, hat das Unternehmen verlassen; er kam 1997 zu Ultimate, war seit Februar 2007 Chief Technology Officer und seit Juni 2019 Co-CEO neben Firmengründer Scott Scherr, der dann Ende 2019 nach 30 Jahren an der Firmenspitze in den Ruhestand gewechselt war.

Kronos auch im IBM-Markt aktiv

Die Fusion wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren sowohl die Kronos- als auch Ultimate-Produkte verändern, wobei Kronos – anders als Ultimate – mit der iSeries Central Suite auch dediziert IBM-i-Anwender anspricht. Beide Hersteller haben außerdem erklärt, dass sie bisherige Partnerschaften möglichst aufrechterhalten wollen, wobei Kronos wichtige Partnerschaften mit ADP und der SAP-Tochter Success Factors unterhält – und auch Peopledoc schon seit Jahren mit SAP zusammenarbeitet. Wie jedoch die jeweiligen Partner darüber denken, bleibt abzuwarten. Die Fusion wird zweifelsohne den Wettbewerbsdruck erhöhen und dürfte so manche bisher bewährte Partnerschaft erschüttern oder gar zerrütten.

Beide Hersteller sind vornehmlich auf dem amerikanischen Kontinent aktiv, wobei Kronos in diversen Branchen aktiv ist und auch weltweit eine gewisse Präsenz hat. Ultimate hat sich auf Nordamerika konzentriert – und erst seit der Übernahme von Peopledoc im Jahr 2018 eine Präsenz in Europa geschaffen.

Angeblich gibt es wenig Überschneidungen bei Kunden; insgesamt habe man etwa 400 der insgesamt 22.900 Kunden gemeinsam. Damit dürfte ein Cross-Selling vorhandener Produkte unmittelbar ein Schwerpunkt Verkaufs der NewCo werden. Längerfristig erwarten die Analysten, dass zwei Hauptproduktlinien überleben: Workforce Dimensions (Kronos) für das Personalmanagement und Ultipro von Ultimate für Personalmanagement („Human Capital Management“, HCM). Es liegt nahe, dass auch Workforce Ready (die HCM-Suite für kleine und mittelständische Unternehmen von Kronos) das HCM-Angebot mit Blick auf die Kundenbedürfnisse im Mittelstand ergänzen wird.

Bildquelle: Kronos

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