Tibco will Information Builders übernehmen

Merger der Daten-Integratoren

Der Middleware-Hersteller Tibco Software, eine ehemalige Reuters-Tochter und seit 2014 im Besitz der Private-Equity-Firma Vista Equity Partners, hat sich mit dem Daten- und Analysesoftwarehaus Information Builders Inc (ibi) auf eine Übernehme geeinigt. Der Deal bewertet ibi nach Insiderinformationen mit fast 1 Mrd. Dollar, wie Reuters berichtet; die Übernahme soll im 1. Quartal 2021 abgeschlossen sein.

Information Builders wurde 1975 von Gerald D. Cohen, Peter Mittelmann und Marty Slagowitz gegründet. Details zum Gang der Geschäfte veröffentlicht das schon bisher in Privatbesitz befindliche Unternehmen nicht; Kenner der Szene schätzen, das der Jahresumsatz und die Belegschaft von ibi in den letzten Jahren geschrumpft sind, auf rund 220 Mio. Dollar und gut 1.200 Mitarbeiter; jetzt steht der Verkauf an den Konkurrenten an.

Information Builders bietet unter der Marke Webfocus Software für Business-Intelligence an, mit Funktionen für Reporting, Business-Performance-Management, Ad-Hoc-Query und OLAP-Analysen, Information-Delivery und -Management, Datenzugriff/-Management und ETL. Die Software wird im Rahmen einer OEM-Partnerschaft auch von IBM an die Plattform IBM i angepasst und unter dem Namen DB2 Web Query for IBM i vermarktet. Erwähnenswert ist auch die ibi-Tochter iWay Software, die als Spezialist für „Enterprise Application Integration“ auch die Plattform IBM i in ihrer Interface-Bibliothek.

Auch Tibco bietet schon seit jeher AS/400-Schnittstellen, etwa zur Datenbank auf dem Midrange-Rechner. Ein anderer Connector für IBM i ermöglicht den bidirektionalen Nachrichtenaustausch zwischen Tibco-basierten Cloud-Integrationsprozessen und Anwendungen, die auf IBM-xi-Systemen ausgeführt werden.

Der Ursprung der heutigen Firma Tibco war Mitte der 1990er Jahre die Entwicklung einer Bus-basierten Netzwerklösung, später „The Information Bus“ oder kurz TIB genannt. TIB war einerseits durch eine konsequent Message-zentrierte Architektur gekennzeichnet, andererseits durch die Verwendung des Multicast-Protokolls für die gleichzeitige Verteilung von Daten an viele Empfänger. Der Firmenname ist eine schlichte Abkürzung für „The Information Bus Company“ und betont die zentrale Bedeutung des Information-Busses, der weiterhin die Basis der-Messaging-Produkte des Unternehmens (Produktname Rendezvous) bildet. Die Datenqualitäts-, Vorbereitungs- und Integrationsprodukte von ibi unterstützen bereits die darauf aufsetzenden Any Data Hub- und Responsive-Application-Mesh-Strategien. Darüber hinaus soll die Analytics-Strategie von Tibco durch die Integration der Analyse-Software Webfocus ergänzt werden, heißt es.

Vista Equity Partners hatte Tibco im Jahr 2014 durch einen Deal im Wert über 4,3 Mrd. Dollar erworben und seitdem eine Reihe von Übernahmen getätigt, darunter die von Statistica, Alpine Data Labs und Snappy Data. Jetzt kommt ibi hinzu. Der Zusammenschluss mit einem weltweit führenden Anbieter von Unternehmensdaten versetze die Kunden in die Lage, „Geschäftsergebnisse zu verbinden, zu vereinheitlichen und mit Zuversicht vorherzusagen“, heißt es in der Presseinformation. Die Datenmanagement- und Analysefunktionen von ibi sollen die Connected-Intelligence-Plattform von Tibco ergänzen, um die End-to-End-Anforderungen der Kunden besser erfüllen zu können.

„Größere Datenherausforderungen schaffen den Bedarf an robusteren Datenlösungen“, sagte Frank J. Vella, der 2019 angetretene Chief Executive Officer von ibi. „Der Beitritt zu Tibco wird unseren Kunden […] helfen, schneller ihre dringlichsten Datenangelegenheiten zu erledigen.“ Und der ebendfalls seit 2019 amtierende Tibco-CEO Dan Streetman ergänzte: „Die Kombination unserer beiden Unternehmen, die über starke und sich ergänzende Fähigkeiten verfügen, wird das Potenzial von Echtzeitdaten für schnellere und klügere Entscheidungen besser freisetzen.“ Auch Tibco hält sich übrigens sehr bedeckt, was den Gang der Geschäfte angeht. Laut Wikipedia stand 2011 ein Jahresumsatz von knapp 1 Mrd. Dollar zu Buche – und die Belegschaft soll 2015 rund 4.200 Köpfe stark gewesen sein. Beide US-Unternehmen sind übrigens in Deutschland präsent, über die Münchener Tibco Software GmbH und die Information Builders (Deutschland) GmbH in Eschborn.

Bildquelle: Gerd Altmann / Pixabay

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