Kooperation mit Dassault Systèmes gestärkt

Meyer Werft setzt auf Industrie 4.0

Nach intensiver Entwicklungsarbeit startet die Meyer Werft ab Januar 2016 mit der Einführung einer völlig neuartigen und innovativen Software zur Entwicklung und Konstruktion ihrer Kreuzfahrtschiffe. Das neue 3D-CAD-System Catia V6 des französischen Softwareherstellers Dassault Systèmes wird eine in die Jahre gekommene Version dieser Software schrittweise ersetzen. Catia hatte es der Papenburger Werft überhaupt erst ermöglicht, zu einem der führenden Anbieter von Kreuzfahrtschiffen zu werden.

  • Die Norwegian Escape, das neueste Kreuzfahrtschiff der Meyer Werft, hier noch im Papenburger Werfthafen

  • Computeranimation der „Quantum of the Seas“ mit der neuen Software Catia V6

  • Die Meyer Werft und Dassault Systèmes wollen gemeinsam den Schiffbau revolutionieren. Hierzu wurde jetzt die Partnerschaft mit einem Vertrag untermauert (von links): Bernard Charlès (Generaldirektor Dassault Systèmes) mit Bernard Meyer und Dr. Jan Meyer, beide Geschäftsführer der Werft.

„Dass wir jetzt starten können, das neue System einzuführen, ist ein ganz wichtiger Schritt in unserer Digitalisierungsstrategie, mit der wir die Grundlagen für die konkrete Umsetzung von Industrie 4.0 im Schiffbau geschaffen haben“, so Dr. Jan Meyer, Geschäftsführer der Werft. Insgesamt belaufen sich die Investitionen in diesem Projekt auf mehr als 30 Mio. Euro.

Die Einführung der neuen Catia-Version passt zur jüngsten Entscheidung zum Bau eines neuen Technologie- und Entwicklungszentrums, in dem große Teile der Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten der Werft gebündelt werden. Rund 500 Konstrukteure und Ingenieure sind in den Konstruktionsbüros der Werft tätig, um jedes Jahr einen Prototypen eines Kreuzfahrtschiffs zu gestalten.

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen

Im Vergleich zu anderen Industrien ist der Bau von Kreuzfahrtschiffen eine besonders komplexe Aufgabe. Weit mehr als 10 Mio. Einzelteile und Bauteilgruppen sind für ein Kreuzfahrtschiff von der Werft zu verarbeiten. Im Vergleich dazu: Bei einem Airbus A 380 sind es ca. 1 Mio. Teile und bei einem PKW etwa 10.000 Bauteile.

Mit der neuen Lösung wird der gesamte Produktlebenszyklus vom Bau über den Betrieb bis zur Außerdienststellung des Schiffes Jahrzehnte später beobachtet und organisiert, was sich in Fachkreisen Produktlebenszyklusmanagement (PLM) nennt. Die Meyer Werft und ihr langjähriger Partner Dassault hatten bereits auf der Cebit 2010 den Startschuss für die Entwicklung dieser neuen Software gegeben; nach fast fünf Jahren intensiver Entwicklungs- und Testzeit wird sie jetzt in die IT-Landschaft der Papenburger integriert.

Einzelstückfertigung bei kurzer Entwicklungs- und Fertigungsdauer

Mit dieser Software der nächsten Generation will die Werft ihre Innovationsfähigkeit weiter steigern und ihren Kunden einen noch besseren und frühzeitigen Einblick in das virtuelle Schiff geben. In Papenburg entwickeln, konstruieren und bauen derzeit mehr als 3.300 eigene Mitarbeiter und weitere in 2.000 über Partnerfirmen jährlich zwei Kreuzfahrtschiffe. ln Rostock fertigen rund 500 Mitarbeiter zusammen mit ihren Partnerfirmen Flusskreuzfahrtschiffe, Gastanker und Fähren und die je ca. 120 m langen Maschinenraummodule für die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft. Bei Meyer Turku in Finnland arbeiten derzeit ca. 1.400 Mitarbeiter und viele Partnerfirmen an neuen Kreuzfahrtschiffen und Fähren.

Eine Besonderheit der Meyer Werft ist die Einzelstückfertigung des hochkomplexen Produktes „Schiff“ in Verbindung mit kurzer Entwicklungs- und Fertigungsdauer. Daraus erwachsen hohe und spezielle Anforderungen an die softwaretechnische Umsetzung der IT-Lösungen, auch in den Bereichen Materialwirtschaft (Beschaffung, Lagerhaltung, Disposition, Bewertung), Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Personalwirtschaft sowie die allgemeine Verwaltung. Die Arbeitsprozesse werden bei dem langjährigen AS/400-Anwender zum Großteil durch Eigenentwicklungen auf Basis von Java, RPG und Synon unterstützt.

www.meyerwerft.de

Bildquelle: Meyer Werft

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