Datenreduktion, Ausfallsicherung und Schutz von Endgeräten

Moderne Backup-Konzepte können mehr

Es gibt nicht die eine perfekte Lösung für alle Backup-Aufgaben. Moderne Systeme bieten jedoch Datenreduktion, Ausfallsicherung auf Knopfdruck, Schutz von Endgeräten und vieles mehr. Selbst unterschiedliche Plattformen und Altsysteme stellen keine Herausforderung mehr da.

  • Unser Autor Alexander Gaiswinkler ist Presales Manager Corporate and Public for Data Protection Solutions bei Dell Technologies.

  • Bildquelle: GettyImages / iStock

Lange Zeit war die Sicherung und Wiederherstellung von Daten ein vergleichsweise langweiliges IT-Thema, das die meisten Firmen recht gut im Griff hatten. Routiniert legten sie Backups an und stellten Daten sowie Systeme nach einem Stromausfall oder Hardware-Defekt wieder her.

Inzwischen kommt dem Thema allerdings eine viel größere Bedeutung zu, denn gehen Daten dauerhaft verloren oder sind sie längere Zeit nicht verfügbar, steht der Geschäftsbetrieb still. Und die Gefahren werden nicht weniger: Neben Naturkatastrophen, Unterbrechungen einzelner IT-Komponenten und internen Fehlern sind es vor allem Cyberkriminelle, die mit immer aggressiveren und raffinierteren Methoden vorgehen. 

Der Branchenverband Bitkom verzeichnete in seiner letzten Erhebung im Zeitraum von 2019 bis Ende 2021 einen Anstieg der Schäden durch Ransomware um 358 Prozent. Die Opfer sind oft Tage und manchmal sogar Wochen oder Monate damit beschäftigt, die Systeme wiederherzustellen. Das zieht erhebliche Umsatzeinbußen, Verzögerungen bei Rechnungsstellungen, verlorene Kunden, Image-Schäden und vieles mehr nach sich. 

Kein Wunder also, dass Datensicherung mittlerweile ein integraler Bestandteil von Resilienz-Strategien ist – und neben der zuverlässigen Wiederherstellung auch möglichst kurze Wiederherstellungszeiten im Fokus stehen. Hier spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: „Recovery Time Objective“ (RTO) und „Recovery Point Objective“ (RPO). Unter RTO versteht man das Ziel für die Wiederherstellungsdauer, also die maximale Zeitspanne, in der ein Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden muss. Damit bestimmt RTO die maximale Zeitspanne, die ein Unternehmen ohne Datenzugriff auskommen kann, bevor seine Existenz auf dem Spiel steht. 

Der Wiederherstellungszeitpunkt (RPO) hingegen definiert die Datenmenge, die innerhalb eines für ein Unternehmen relevanten Zeitraums verloren gehen darf, bevor ein signifikanter Schaden entsteht – und zwar vom Zeitpunkt eines kritischen Ereignisses bis zum vorhergehenden Backup. Somit legt der RPO auch die Häufigkeit von Datensicherungen fest. Beide Werte werden maßgeblich durch die gewählte Backup-Strategie bestimmt. 

Zu umständlich, zu fehleranfällig: Das Tape

Archivierung und Backups auf Magnet-Bändern sind durchaus noch gängige Praxis, aber nicht mehr zeitgemäß. Das hat drei Gründe: Moderne intelligente Backups nutzen Technologien, für die Bänder schlicht nicht ausgelegt sind, etwa Change-Block-Tracking oder Block-Based-Backup. 

Zudem erfordert das Backup via Tape oft Multiplexing, also die gleichzeitige Datenübertragung von mehreren Clients auf ein Tape. Bei der Wiederherstellung bedeutet das aber, dass das Band hin und her gespult werden muss, um die Daten einzelner Clients zu lesen. Drittens sind Tapes schlicht zu teuer. In Zeiten von Digitalisierung und „Big Data“ fallen immer mehr Daten an, was die Kosten für die Backups und die nötigen Bandbreiten steigert. 

Disk-Systeme wirken dem mit Deduplizierung entgegen und reduzieren die anfallende Datenmenge oft um ein Vielfaches. Auf Bändern muss aber jede Kopie separat abgelegt werden. Zuletzt garantieren Tapes auch keine hundertprozentige Sicherheit – potenzielle Verluste beim Transport, Kommunikationspannen zwischen Software und Laufwerk sowie eingeschränkte Testmöglichkeiten sind nur ein paar der Risiken beim Tape-Backup. 

Per Definition kann in einer physischen Bandumgebung keine Analyse durchgeführt werden, ohne dass die Daten vorher wiederhergestellt wurden. Bei den riesigen Datenmengen, die täglich geschützt werden müssen, wäre dies ein sehr mühsamer und zugleich unzuverlässiger Prozess: Die Validierung wäre nicht vor der nächsten Aktualisierung abgeschlossen – mit fatalen Folgen. Weil neuere Ransomware-Varianten erst nach einer gewissen Zeit aktiv werden, ist das Risiko, infizierte Daten wiederherzustellen, sehr hoch. 

Moderne Backup-Konzepte 

Da die Anforderungen an die Datensicherheit variieren, gibt es keine universelle Lösung. Trotzdem – moderne festplattenbasierte Systeme helfen, die Backup-Herausforderungen durch intelligente Funktionen zu meistern. Bei der Deduplizierung beispielsweise wird nicht nur weniger Speicherplatz benötigt, um ein komplettes System zu speichern. Weitere Kopien verbrauchen auch nur einen Bruchteil der zusätzlichen Speicherkapazität, was zu besseren SLAs bei gleichzeitig geringeren Kosten führt. Bei einem bandbasierten Ansatz benötigt jede einzelne Kopie genau den gleichen Speicherplatz wie ihre Quelle. 

Mit Technologien wie virtueller oder inkrementeller Sicherung auf Blockebene lassen sich selbst große Datenmengen problemlos schützen. Moderne festplattenbasierte Backups ermöglichen auch den sofortigen Zugriff auf virtuelle Maschinen (VM) direkt von der Sicherungskopie aus, was den RTO im Vergleich zur Wiederherstellung der kompletten VM von einer Bandkopie deutlich verkürzt. 

Nicht zuletzt verfügen festplattenbasierte Appliances über eingebettete Mechanismen zur Unverletzlichkeit der Daten, die sicherstellen, dass diese beim ersten Einlesen korrekt gespeichert werden und zudem wiederherstellbar sind. Diese Techniken sind bei einem bandbasierten Ansatz, bei dem die Wiederherstellbarkeit nur bei der eigentlichen Wiederherstellung getestet werden kann, nicht möglich.

Der digitale Tresor 

Unternehmen, deren Daten höchste Anforderungen an das Schutzniveau stellen, isolieren ihre Daten über einen sicheren digitalen Tresor, der logisch und physisch von den Produktions- und Backup-Netzen getrennt und damit für Angreifer unzugänglich ist. Dieser Tresor steht in einem separaten, abgeschlossenen Raum, zu dem nur ein ausgesuchter Personenkreis Zutritt hat. Er ist nicht an ein Netzwerk angeschlossen, sondern durch ein virtuelles „Air Gap“ von allen anderen Systemen separiert. 

Damit im Rahmen der Replikation eine Datenübertragung erfolgen kann, öffnet die Cyber-Recovery-Software über eine Policy den physischen Replikations-Port und überträgt die Daten von der primären Appliance zum Tresor. Dabei kommt ausschließlich eine direkte Netzwerkverbindung zwischen Primär- und Tresormaschine zum Einsatz. Somit ist es nicht möglich, diese Verbindung im Netz zu hacken. 

Sobald alle Daten ihr Ziel erreicht haben, wird die Verbindung wieder geschlossen. Solche digitale Tresore verfügen zudem über ein Dateisystem, das jegliche Veränderung der Daten ausschließt. So sind diese nicht nur vor Bearbeitung oder Löschung geschützt, sondern auch vor böswilligen Krypto-Verschlüsselungen bei Ransomware-Angriffen. Der Tresor speichert also eine Art „Goldkopie“ der Daten, aus der sich der vorherige Datenstand jederzeit wiederherstellen lässt. 

Fest steht: Backups sind der Retter in der Not. Doch leider ist nicht jede Lösung in der Lage, Ausfallsicherheit – also Business Continuity und Disaster Recovery – zu garantieren. Hier gilt es, Systeme gemäß der eigenen Sicherheitsanforderungen und Relevanz der Daten auszuwählen.

Bildquelle: Dell, GettyImages / iStock

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