ML-Geschäftsführer Torsten Klinge verspricht „schnelle Lösungen dank automatisierter UI/UX-Erzeugung, wobei die bewährte Businesslogik weitergenutzt wird“.
DKS-Bereichsleiterin Mirjana Höllerer war wichtig, „dass die RPG-Sourcen nicht berührt werden. Sie können weiterentwickelt und auch weiter für die Green-Screen-Emulation genutzt werden.“
Wemag-Geschäftsführer Angelo Perlini: „Das Projekt wurde genau wie vereinbart unter Einhaltung aller Budget- und Zeitvorgaben erfolgreich umgesetzt.“
Der Vergleich dieser drei Projekte offenbart Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Ausgangssituation und Zielen, aber auch den Vorgehensweisen und Prioritäten. Der Vergleich liefert Erkenntnisse und praxiserprobte Ideen für alle, die eine Zukunftsperspektive für ihre IBM-i-Anwendungen suchen.
Die drei modernisierten Pakete sind auf unterschiedliche Anwendungsfelder ausgerichtet und bieten dafür jeweils eine funktional ausgereifte und sehr stabile, zuverlässige Lösung. Bei Comarch Financial DKS handelt es sich um eine Finanzbuchhaltung, die bei über 900 Kunden im Einsatz ist. Die Soft-Consult Häge GmbH, Langenau, modernisiert ihre Warenwirtschaft – und die Schweizer Wemag Consulting AG ihr ERP-System mit iNow.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Trotz der verschiedenen Einsatz- und Aufgabengebiete wurde in allen drei Projekten ein grundlegendes Problem identifiziert: Unzufriedenheit mit der Software bei neuen Anwendern. Und dieses Problem wächst weiter, weil langjährige Mitarbeiter in Rente gehen und neue Mitarbeiter ihren Platz einnehmen. Die Hauptursachen für die Unzufriedenheit mit klassischen Green-Screen-Anwendungen sind:
Eine passende Modernisierungs- und Weiterentwicklungsstrategie löst die bestehenden Probleme und sichert die Zukunftsfähigkeit der Software. „Das Look & Feel unserer Warenwirtschaft war sicherlich in die Jahre gekommen, auch wenn die Funktionalität bis heute den aktuellen Ansprüchen unserer Kunden entspricht. Nach vielen Gesprächen fiel dann die Entscheidung für das Modernisierungsprojekt“, beschreibt Martin Theimer, Head of Division IT-Systems/Head of Sales die Entscheidungsfindung bei Softconsult Häge.
Für alle drei Softwarehäuser kam eine komplette Neuentwicklung ihrer Standardsoftware nicht in Betracht. Viel zu groß wären der zeitliche und finanzielle Aufwand, unkalkulierbar die damit verbundenen Risiken. Für eine nachhaltige und effiziente Anwendungsmodernisierung, die in kurzer Zeit einsatzfähige, hochwertige Ergebnisse liefert, wurden die verschiedenen Angebote am Markt evaluiert, um die passende Kombination von Technologie, Werkzeug und Expertise des Anbieters zu finden.
Ob die Technologien und Werkzeuge eines Anbieters für die Modernisierung der eigenen IBM-i-Anwendung geeignet sind, lässt sich mit einer Testversion schnell herausfinden. Beispielsweise werden von manchen Anbietern die Programmquellen umgeschrieben, wodurch die Programme nicht länger im Green-Screen, sondern ausschließlich mit der modernisierten Software bedienbar sind. Andere Anbieter unterstützen keine Desktop-, sondern nur browserbasierte Modernisierung. Diese und andere technische und konzeptionelle Unterschiede gilt es im Rahmen einer Testinstallation herauszufinden, um Einschränkungen zu erkennen und bei der Entscheidung zu berücksichtigen.
Mit der iNow-Testversion erhielten die drei Softwarehäuser den Nachweis für die technische Machbarkeit ihres Modernisierungsprojektes sowie einen ersten Eindruck von Qualität und Aufwand. Dazu wurde in einer ca. zweistündigen Websession die Installation, die automatisierte UI-Modernisierung und eine Einweisung in die Werkzeuge und Technologien für individuelle Anpassungen durchgeführt. Auch die Zusammenarbeit mit den Spezialisten des Herstellers und deren Kompetenz konnten so getestet werden.
„Nach negativen Modernisierungserfahrungen in der Vergangenheit waren wir natürlich kritisch und haben das iNow-Konzept intensiv hinterfragt, um den möglichen Pferdefuß zu finden“, beschreibt Wemag-Geschäftsführer Angelo Perlini die Vorgehensweise, doch den gebe es tatsächlich nicht. „Das Projekt wurde genau wie vereinbart unter Einhaltung aller Budget- und Zeitvorgaben erfolgreich umgesetzt.“
„Überzeugt haben uns insbesondere die einfache Bereitstellung und ausgiebige Nutzung einer Testversion“, resümiert Mirjana Höllerer, Leiterin des Bereiches DKS und der Wiener Geschäftsstelle bei Comarch. Überzeugend fand sie außerdem, wie schnell die automatisierte Erzeugung des User-Interface zu brauchbaren Ergebnissen führte, welche technischen Perspektiven für die funktionale Weiterentwicklung aufgezeigt wurden und wie die Unterstützung durch die ML-Spezialisten erfolgte. „Wichtig ist uns ebenfalls, dass die RPG-Sourcen von der Modernisierung nicht berührt werden“, betont Höllerer. „Sie bleiben in unseren Händen, können weiterentwickelt und auch weiterhin für die Green-Screen-Emulation genutzt werden.“
Die Testversion erzeugt automatisiert den smarten iNow-UI-Client mit zeitgemäßem „Look & Feel“. Sie offenbart, wie gut die Algorithmen greifen, welche Qualität der modernisierte Clients aufweist und wo eventuell Abweichungen korrigiert werden müssen. Bereits im Standard wird ein durchschnittlicher Automatisierungsgrad zwischen 50 und 70 Prozent erzielt, der durch Anpassung des Open-Source-Regelwerks im Idealfall auf 100 Prozent gesteigert wird. Hierfür gilt: Je durchgängiger und regelkonformer die zu modernisierende IBM-i-Anwendung aufgebaut ist, umso höher fällt der erzielte Automatisierungsgrad aus. Und: Je umfangreicher IBM-i-Anwendungen sind, umso stärker wirken sich die Vorteile des Auto-GUI bei der Modernisierung aus.
Auch wenn es bestimmte Gemeinsamkeiten gibt, so sind Modernisierungsprojekte am Ende doch immer sehr individuell. Das liegt zum einen an den IBM-i-Programmen selbst, also z.B. wie und womit sie entwickelt wurden – oder wie regelkonform sie aufgebaut und strukturiert sind. Zum anderen liegt es an den Zielen, die mit der Modernisierung erreicht werden sollen. Die Schaffung von Mehrwerten spielt dabei eine entscheidende Rolle; sie muss an den Anforderungen von Business und Anwendern ausgerichtet werden.
Projektspezifische Anforderungen kommen dann nach Bedarf hinzu. Bei Comarch waren dies a) Erweiterungen wie die User-bezogene Favoritenliste für Expertencodes sowie universelle Nachschlagefunktionen, b) Neuentwicklungen in zentralen Bereichen wie „Kontoauswahl und Buchungsanzeige“ sowie „Bankensuche“ und c) Integration neuer Module wie dem Report Generator, mit dem Anwender eigene Berichte erstellen können.
Für Wemag war die Umsetzung von Mehrsprachigkeit ein K.o.-Kriterium, da die ERP-Software „Gisa“ in Deutsch und Französisch arbeitet. Zu berücksichtigen waren dabei unterschiedliche Textlängen, die sich auch auf die Textpositionen auf dem Bildschirm auswirken. Damit bei sprachlichen Änderungen keine Programmanpassungen notwendig werden, wurde ein No-Code-Konzept mit Schnittstellen und Parameterdateien erarbeitet, das zudem die Erweiterung für beliebige neue Sprachen erlaubt.
Die Erkenntnisse aus Testmodernisierung, Anforderungs- und Zieldefinition lieferten die Basis für die Aufwandskalkulation. Wemag und Soft-Consult haben ein Festpreisangebot erhalten, um Planungssicherheit zu gewinnen.
Hier zeigen sich dann klare Unterschiede zwischen den drei Projekten, begründet in den jeweiligen funktionalen aber auch strategischen Anforderungen. Mit einem hybriden Team aus Comarch- und ML-Entwicklern setzt DKS-Bereichsleiterin Mirjana Höllerer auf dauerhafte Kontinuität in ihrer Modernisierungsoffensive für Financials DKS. Mittel- bis langfristig sollen so die Vorteile der bewährten RPG-Programmierung im Backend mit denen moderner iNow-/.Net-Entwicklung in den Bereichen Frontend, Integration, Digitalisierung und Prozessoptimierung verbunden werden.
Beispielsweise hat sich Comarch für die Neuentwicklung und Einbindung eines universellen Moduls zur Auswahl und Anzeige von Konten und Buchungen entschieden. Traditionelle Subfiles werden von neuen Datagrids („Datentabellen“) abgelöst, die zeilen- und spaltenmäßig nicht begrenzt sind und dem User flexible Such-, Filter- und Gruppierfunktionen bieten. Kombiniert mit den Auswahl-, Anzeige- und Vergleichsmöglichkeiten über alle Buchungsjahre und -perioden hinweg, bietet das neuentwickelte Modul den Anwendern leistungsfähige Recherche-Möglichkeiten, mit denen selbst komplexe Aufgaben schnell gemeistert werden.
Für die Erstellung eigener Listen und Formulare steht außerdem ein Reportgenerator zur Verfügung; auch ein direkter Email-Versand, z.B. als PDF-Dokument wahlweise mit oder ohne Kennwortschutz, wird angeboten. Die Modernisierung und Inbetriebnahme bei ersten Pilotkunden erfolgte schneller als geplant. Nach nur 6 Monaten Entwicklungszeit begann im September die Testphase, um Funktionen, Zuverlässigkeit, Stabilität und Laufzeitverhalten zu optimieren.
Schon Ende September fand die erste Präsentation statt. „Die Resonanz unserer Kunden und Partner auf die […] vielen funktionalen und optischen Verbesserungen war überwältigend“, freut sich Höllerer. „Es hat nur wenige Tage gedauert, bis ich die ersten Bestellungen auf dem Tisch hatte. Schon im November haben wir die ersten Pilotkunden mit der neuen Software ausgerüstet und haben seitdem viel positives Feedback erhalten.“ Das neue DKS war damit sogar früher als geplant am Start, der ursprünglich für Januar 2022 vorgesehen war.
Einen etwas anderen Weg schlägt Soft-Consult ein. Weil ein schneller Projektstart und eine stabile Projektbasis gewünscht war, übernahmen ML-Spezialisten die Entwicklung der ersten, bereits einsatzfähigen Version. Neben einem zeitgemäßen Look & Feel stand auch hier die Schaffung essentieller Mehrwerte im Mittelpunkt. Qualität und Leistungsvermögen der Warenwirtschaft sollen auf ein neues Niveau gebracht werden, insbesondere dank mehr Bedienkomfort, z.B. durch Auswahllisten, Kalender, direkte Verlinkung von Email- und Browser-Adressen, die universelle Nachschlagefunktion F4 zum schnelleren Auffinden von Informationen, eine erweiterte Datenbereitstellung in Datagrids (vorher Subfiles) mit Such- und Exportfunktionen sowie verkürzte Programmabläufe dank „Robotic Process Automation“.
Nach fünf Wochen war die erste Projektphase abgeschlossen; seither wird die Modernisierung und Weiterentwicklung der Software in Eigenregie fortgesetzt. Die erfahrenen RPG-Entwickler arbeiten dazu im Team mit .Net-Nachwuchskräften; alle bringen ihre Skills in das Projekt ein.
Ende Juli 2021 beauftragte Wemag die ML-Software mit der Gisa-Modernisierung; rund 1.550 Display-Dateien und 5.800 Programm-Sourcen umfasst das Projekt. Bereits nach sechs Wochen waren drei von vier Meilensteinen erreicht; die IT-Spezialisten konnten dann Menüs und Subfiles im neuen Look & Feel testen, während parallel die iNow-Spezialisten der ML die Gisa-Detailmasken modernisierten.
Eine Besonderheit dieses Projektes ist die Umsetzung der Mehrsprachigkeit. Dazu werden aus einer Json-Datei, je nach Spracheinstellung, die deutschen oder französischen Begriffe gelesen und für das neue UI verwendet. Dass diese Liste selbstverständlich um weitere Sprachen ergänzt werden kann, ermöglicht neue Einsatzgebiete ganz ohne Programmanpassungen.
Auch für die Verbesserung der Nachschlagefunktionen wurde ein scriptbasierter Low-Code-Ansatz verwendet. Um Gisa-Anwendern die korrekte Dateneingabe zu erleichtern, werden alle zulässigen Werte in einer Liste zur Auswahl angezeigt. Beschränkungen durch den begrenzten Platz auf 5250-Bildschirmen werden so im neuen Gisa-UI aufgehoben und mögliche Fehleingaben vermieden. Mit einfachen Erweiterungen in der Parameterdatei wird die Nachschlagefunktion bei Bedarf auch für neue Felder verfügbar gemacht, ohne dass die Programme geändert werden müssten. Im Hintergrund werden dafür aus dem iNow-Client heraus vorhandene RPG-Funktionen oder direkte SQL-Abfragen auf Datentabellen benutzt.
Dieser finale Meilenstein wurde nach weiteren vier Wochen an Wemag übergeben, so dass die modernisierte Gisa-Version nach nur zehn Wochen für die internen Tests bereitstand. Aufgrund der positiven Resonanz starteten Beta-Tests bei Kunden noch im November.
Diese drei Projektbeispiele verdeutlichen laut ML-Geschäftsführer Torsten Klinge den großen Nutzen der Modernisierung: „Erstens schnelle Lösungen dank automatisierter UI/UX-Erzeugung, wobei die bewährte Businesslogik weitergenutzt wird, zweitens die auf den Kunden zugeschnittenen Funktions- und Wertsteigerungen durch eigene Neu- und Weiterentwicklungen oder Integration von Drittanbieterkomponenten sowie drittens das überragende Nutzen/Aufwand-Verhältnis, das wir durch diese Vorgehensweise bieten können.“
Bildquelle: Gettyimages/iStock, ML Software, Comarch, Wemag